BRICS-Staaten wollen Goldwährung als Dollar-Alternative
"Dass sich die gewohnten Strukturen der Welt zusehends verändern,
ist offensichtlich. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und
demografisch nimmt die Bedeutung der nordwestlich dominierten G7 ab,
während die Staaten des globalen Südens zu einer ernsthaften Konkurrenz
heranwachsen.
Aktuell verfügt das BRICS-Bündnis, welches sich aus Brasilien, Russland,
Indien sowie China und dem 2010 hinzu gestoßenen Südafrika
zusammensetzt, bei IWF und Weltbank über einen unverhältnismäßig
geringen Stimmenanteil von knapp 15 Prozent – obwohl diese Länder heute
mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung beherbergen, gut viermal so
viel, wie die G7-Staaten. Und dabei wird es nicht bleiben: 19 weitere
Länder haben ihren Beitrittswillen signalisiert, 13 davon bereits ihren
offiziellen Antrag eingereicht.
Von geopolitischem Vorteil ist allein schon die Verteilung der
BRICS-Basisgruppe über vier Kontinente hinweg. Deren umfassende
Erweiterung wird ihr Gewicht in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Von
besonderer Bedeutung ist der Einfluss der BRICS-Staaten und deren
potenzieller Neumitglieder auf die internationalen Rohstoffmärkte.
Sowohl im Nahrungsmittelbereich als auch bei den Sektoren Energie und
Metalle spielen gerade jene Länder bedeutende Rollen – und das nicht nur
auf der Angebots- sondern, insbesondere mit China, auch auf der
Nachfrageseite.
Mit der sehr wahrscheinlich bevorstehenden Aufnahme weiterer Aspiranten,
wie Argentinien, Indonesien, Iran, Saudi-Arabien oder den Vereinigten
Arabischen Emiraten vergrößerte sich der Einfluss von „BRICS+“ bei den
angesprochenen kritischen Risikofeldern erheblich.
Allein diese Entwicklung hat bereits das Zeug, und dies sei ganz
wertfrei gesagt, das herrschende Weltgefüge in vielfältiger Hinsicht zu
verändern. Dass Russland nun laut dem staatlichen TV-Sender Russia Today
(RT) Gerüchte bestätigte, nach denen die BRICS-Länder eine neue, durch
Gold gedeckte Währung einführen wollen, und damit offen die Herrschaft
des US-Dollars angreifen, bringt nochmals eine neue Qualität in die
ohnehin schon ehrgeizigen Ambitionen des Bündnisses. (...)
Mehr als auffällig verhalten sich die Zentralbanken, die insbesondere
seit Beginn des vergangenen Jahres als große Goldkäufer in Erscheinung
treten. Insgesamt 1.136 Tonnen wanderten 2022 in staatliche Tresore,
deutlich mehr als jemals zuvor. Das ersten Quartal diesen Jahres war mit
228 Tonnen globaler Zentralbankkäufe das stärkste seit Beginn der
Aufzeichnungen.
Dominiert werden die Goldkäufe dabei von den Zentralbanken eben jener
BRICS-Staaten – samt denen der in Rede stehenden Beitrittskandidaten.
Dabei liegt deren augescheinliches Motiv darin, die Auswirkungen einer
generell wachsenden Inflationsentwicklung abzumildern."