200 MILLIONEN EURO VERLUST
Solarfirma Conergy schockiert die Börse
Der größte Solarkonzern Europas steht am Abgrund: Conergy hat heute erneut vor massiven Verlusten gewarnt, ein Fünftel aller Stellen soll gestrichen werden. Die Börse reagiert entsetzt - der Aktienkurs bricht um bis zu 20 Prozent ein.
Hamburg - Der angeschlagene Solarkonzern Conergy steckt weit tiefer in der Krise als gedacht. Wegen Geschäftsproblemen streicht das Unternehmen jede fünfte Stelle: 500 der 2500 Mitarbeiter sollen ihre Arbeit verlieren.
DPA
Conergy-Werk in Frankfurt an der Oder: "Der neue Vorstand hat sich für eine Zäsur entschieden"
Für das laufende Jahr erwartet Conergy einen Verlust von 150 bis 200 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von mehr als 50 Millionen Euro erzielt worden. Der Kurs der Conergy-Aktie brach daraufhin um gut 20 Prozent ein. Am Nachmittag kostete das Papier 23,29 Euro, was immer noch einem Minus von zehn Prozent entspricht. Zum Vergleich: Im Oktober hatten Conergy-Titel bei knapp 70 Euro notiert.
Vorstandschef Dieter Ammer, der erst seit einem Monat im Amt ist, verkündete einen harten Sanierungskurs. Um die Krise zu überwinden, will die Firma sich auf das Solarstromgeschäft konzentrieren und die Bereiche Biomasse, Solarthermie und Wärmepumpen verkaufen. "Der neue Vorstand hat sich für eine Zäsur entschieden, die Conergy binnen kurzem wieder auf Erfolgskurs bringen wird", erklärte Ammer.
Bisher hatte die Firma nur einen zweistelligen Millionenverlust für das Jahr 2007 angedeutet. Als Grund für die erneute Gewinnwarnung nannte das Unternehmen ein deutlich schlechteres operatives Ergebnis, sowie die Abwertung von Beständen und die Kosten des Sanierungsplans. Was genau die Probleme sind, wollte ein Firmensprecher auch auf Nachfrage nicht mitteilen.
Experten sehen die schlimmsten Befürchtungen bestätigt
Erst im Oktober hatte Conergy mitgeteilt, dass wegen Lieferengpässen ein Jahresverlust möglich sei. Damals hatten Lieferanten nicht genug Solarpaneele geschickt, was zu Umsatzausfällen geführt habe. Der Umsatz im dritten Quartal sei massiv hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hieß es damals. Im Jahr 2006 betrug der Umsatz 752 Millionen Euro und der Gewinn vor Steuern und Zinsen 52 Millionen Euro. Für 2007 war ein Umsatz von einer Milliarde Euro angepeilt worden, was nach der jüngsten Mitteilung aber "voraussichtlich nicht" erreicht werde.
Die im März 2005 an die Börse gegangene Conergy Gruppe ist nach eigenen Angaben das größte Solarunternehmen Europas. Um beim Bezug von Solarstrommodulen künftig unabhängiger von Lieferanten zu sein, baut Conergy in Frankfurt an der Oder eine eigene Produktionsstätte mit 350 Mitarbeitern auf. Die Fabrik soll 2008 die Produktion aufnehmen und sei von der Sanierung nicht betroffen, sagte ein Sprecher.
Börsenexperten sehen mit der erneuten Gewinnwarnung die "schlimmsten Befürchtungen" bestätigt. Das Unternehmen stehe "am Rande des Abgrunds", sagte SES-Research-Analyst Karsten von Blumenthal. Die eingeleiteten Gegenmaßnahmen beurteilte der Analyst jedoch positiv.
Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) sagte den betroffenen Mitarbeitern rasche Hilfe zu. Allein in Hamburg wolle Conergy in den nächsten Monaten bis zu 300 Beschäftigte entlassen, sagte Uldall. Die Wirtschaftsbehörde habe sich gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und Conergy auf die Bildung einer Arbeitsgruppe verständigt, die schnell und unbürokratisch die Vermittlung der betroffenen Mitarbeiter organisieren solle.
Quelle: [URL=http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522971,00.html]http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522971,00.html[/URL]