„Es wird auch fühlen können“ – Wie 6G unser Leben verändern soll
Der 5G-Mobilfunkstandard ist noch längst nicht überall ausgerollt, schon arbeiten Unternehmen und Forscher an dem Nachfolger 6G. Erste Ergebnisse und Szenarien zeigen schon jetzt: Das Übertragen von Daten wird bald nur noch Nebensache sein.
Fettweis, einer der renommiertesten Mobilfunk-Experten weltweit, befindet sich mit seiner Forschung in den Laboren an der TU Dresden bereits in den 2030er-Jahren. Schnell wird klar, dass die Zeit bis dorthin schwindelerregend sein wird. „Wir müssen uns von den bisherigen Vorstellungen von einem Mobilfunknetz verabschieden“, sagt Fettweis. „Denn das 6G-Netz wird nicht nur Daten übertragen, es wird auch fühlen können.“
Somit weiß das Mobilfunknetz der 6. Generation (6G) nicht nur, wie es sich selbst verbessert. Es weiß auch, wer und was sich wo befindet, weil ein komplettes Radarbild von der Realität erstellt wird, ein allumfassender digitaler Zwilling. Und es weiß, aus welchem Material all das ist, was in Reichweite des Netzes ist.
Zwar mühen sich die Mobilfunker und Gerätehersteller noch, ihren Kunden und Nutzern die Vorteile von 5G schmackhaft zu machen, um die Investitionen für Forschung und Netzausbau wieder zu verdienen. Doch im Hintergrund ist längst der Wettlauf zu 6G im Gange.
Nie zuvor war die Dringlichkeit so deutlich, bei der Ausarbeitung eines Standards dabei zu sein. Der Streit um die Beteiligung des Technologie-Unternehmens Huawei beim Aufbau der 5G-Netze hat gezeigt, wie sehr sich Europa in der Vergangenheit auf einen chinesischen Ausrüster gestützt hat. Das soll sich bei 6G nicht wiederholen, so die Forderung.
Nicht zuletzt deswegen versuchen Politiker, die Entwicklung in ihren Einflussbereichen anzuschieben. Die Bundesregierung hat bereits im vergangenen Jahr für einen Zeitraum von fünf Jahren 685 Millionen Euro für die 6G-Forschung in Deutschland zugesagt.
Die Europäische Kommission stellt 900 Millionen Euro für ihre 6G-Initiative HexaX zur Verfügung, die vom finnischen Netzausrüster Nokia geleitet wird. An der Technischen Universität München entsteht mit dem 6G Zukunftslabor Bayern das größte universitäre Forschungsprojekt hierzulande, an dem zwölf Professuren beteiligt sind.
„Wir haben schon vor zwei Jahren mit der Forschung begonnen“, sagt Peter Vetter, Präsident der Bell Laboratories, die heute zu Nokia gehören. Das Netz werde holografische Kommunikation möglich machen.
Ziel der Forscher: das Null-Energie-Gerät. Im 6G-Netz sollen die Dinge aus ihrer Umgebung, also aus Vibrationen, Licht, Temperaturunterschieden und sogar den Hochfrequenzwellen selbst, Energie gewinnen – und damit unabhängig vom Batteriebetrieb werden.
Solche Null-Energie-Geräte würden sich beispielsweise auf Kartons drucken lassen und über die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit des Inhaltes informieren. Eine solche Umweltüberwachung ließe sich über das Wetter und die Umweltverschmutzung ausweiten.
https://www.welt.de/wirtschaft…eben-veraendern-soll.html