Hallo,
ich habe hier noch nie etwas gepostet, also mal eine wichtige Vorbemerkung: Ich liebe Fettnäpfchen. Aus diesem Grund hier mal meine Gedanken über Gold.
Liest man sich die Beiträge der Experten und die ähnlich klingenden Beiträge hier im Forum, so kommt man zum Schluß, dass man unbedingt Gold (ggf. auch Silber) kaufen muss. Die Gründe mal kurz zusammengefaßt:
- Gold ist Inlationsschutz. Wenn das erst mal alle kapiert haben und kaufen, wird der Goldpreis in ungeahnte Höhen schießen.
- Wenn die Goldpreismanipulation mal aufhört, wird der Preis in ungeahnte Höhen schießen.
- Wenn die bisher armen Mitbürger der dritten Welt zu Wohlstand gelangen und Gold kaufen, weil das für sie ein Wohlstandssymbol ist, wird der Preis in ungeahnte Höhen schießen.
- Inflationsbereinigt müßte das Gold heute schon bei 2000$/Unze stehen. Der Preis müßte also bald gewaltig in die Höhe schießen.
Hier mal meine destruktiven Gedanken zu diesen Argumenten.
Zu 1. Gold kann nicht beliebig vermehrt werden. Der Vorrat ist begrenzt. Erhöhte Nachfrage wird somit den Preis nach oben treiben. Völlig richtig. Was hat das nun mit Inflationschutz zu tun? Wenig. Denn nur wenn die Nachfrage steigt, steigt auch der Preis. Und die Nachfrage beruht nur auf der Hoffnung (!), dass einem irgendwann jemand das Gold zu einem höhren Preis abkaufen wird. Ebenso wie viele Mitmenschen die Hoffnung haben, für ihre buntbedruckten Papierschnipsel irgendwann einen Gegenwert zu erhalten. Die Wertbeständigkeit beider Anlageklassen hängt also (allerdings in unterschiedlichem Maße) am Prinzip Hoffnung.
Sicher hat Gold gegenüber dem Papiergeld einen gewissen Vorteil, da es nicht ganz so einfach vermehrbar ist. Aber das trifft für andere Dinge ebenfalls zu. Seriöse Alternativen, die mir einfallen, sind Grundbesitz (in krisensicheren Lagen, die weder von Hochwasser, Dürre, Erdbeben oder Kriegen betroffen sind) oder ausgewählte, weil fürs Überleben unverzichtbare Rohstoffe (z.B. Trinkwasser). Auch die Voraussetzungen, wichtige Güter (Lebensmittel, Energie) zu produzieren bzw. zu verteilen, sind eigentlich unersetzbar. Damit meine ich z.B. bezogen auf Lebensmittel die Verfügung über Ackerland, Saatgut und Wasser. Zur Energiegewinnung notwendig sind unter anderem Technologie (Patente) und Rohstoffe.
Man kann Dinge auch künstlich verknappen (Limitieren) oder die Nachfrage so stark anheizen, dass auch Mondpreise gezahlt werden. Nur mal als Beispiel: Die Preise für Luxus-Uhren haben sich in den letzten 10 Jahren etwa verdreifacht, ohne daß der Anstieg der Materialpreise oder die Gehaltsentwicklung der Uhrmacher dies rechtfertigen würde. Es gibt also reichlich Alternativen zum Gold.
Zu 2. Auch ich glaube, dass der Goldpreis manipuliert wird. Allerdings nach oben. Durch Panikmache und Anheizen der Massen. Verfolgt man die Gold-Diskussion langfristig, dann gibt es die Theorie der Goldpreismanipulation seit vielen jahren. Wieviel Gold soll dann da im Laufe der Zeit auf den Markt gekippt worden sein, um den Preis zu drücken? Und wer hat es jetzt? Und was passiert, wenn er es mal loswerden will?
Zu 3. Goldschmuck ist in vielen Gegenden ein Statussymbol. Vor 1000 Jahren, als diese Regionen im Vergleich zu Europa blühende, hochentwickelte Gesellschaften waren, gab es ja auch kaum etwas anders. Man muss ja nur mal in Dubai durch die Suks laufen und das riesige Angebot betrachten. Wo viel Angebot, da muss ja auch Nachfrage da sein. Oder kommt die vielleicht vor allem durch die vielen Touris? Die Einheimischen, zumindest der wohlhabende Teil, scheint inzwischen Gefallen an anderen Statussymbolen zu haben. Ferraries. Pferde und Falken scheinen auch nicht so unbeliebt zu sein. Oder künstlich aufgeschüttete Inseln.
Eine der Theorien lautet, das der Goldpreis nach oben gehen muss, wenn der Mittelstand in Indien und China sein Nachhohlebedarf an Status entdeckt. Nun sind aber seit der Zeit, in der Gold (neben Elefanten vielleicht) so ziemlich das einzige Statussymbol war, einige Alternativen auf den Markt gekommen. Wenn nun so ein halbreicher Chinese denkt, was soll ich mit dem gelben Zeugs im Nachtschrank, meine Frau kann das sowieso nicht alles auf einmal zeigen, den Porsche vor dem Haus sehen viel mehr Leute. Oder die Rolex am Handgelenk. Er wird das von Oma geerbte Gold auf den Markt werfen und gehen europäische Luxus-Produkte eintauschen.
Zu 4. man kann das auch anders formulieren: Inflationsbereinigt ist das Gold in den letzten jahren auf ein Drittel des ursprünglichen Wertes gefallen. Damit dürfte der Ertrag sogar deutlich unter dem der deutschen staatlichen Rentenversicherung liegen.
Happy Bashing