Einer der wenigen Börsenbriefe die es noch raffen,aus dem DAX Daily:
Regulierungseffekt verschwindet
von Henrik Voigt
glaubt man den Medienberichten, dann plant die EZB ab September die größten Zinsmanipulationen ihrer nicht sehr ruhmreichen Geschichte. Die Nebenwirkungen dürften gravierend sein. Zinsen sind ja normalerweise kein durch böse Spekulanten hervorgerufener Störfaktor, sondern Teil der normalen, regulativ wirkenden Marktkräfte. Zinsen sind der Preis für Geld, mithin also ein Risikomaß, wie der Markt die Bonität des Schuldners einschätzt. Wer hohe Schulden hat, bietet ein höheres Risiko der Zahlungsunfähigkeit und muss als Ausgleich deshalb höhere Zinsen zahlen. Der Zins wirkt somit gesund regulierend auf die Fähigkeit, sich weiter zu verschulden. Auf Deutsch: wer schon zu viele Schulden hat, wird sich weitere Kredite eben einfach nicht mehr leisten können.
Was passiert also, wenn der Zins von außen künstlich gedrückt wird? Richtig: die Schulden gehen erst Recht durch die Decke. Auf Europa übertragen heißt das, die angebliche Konsolidierung der Staatshaushalte, Lieblingsworthülse europäischer Politiker, wird endgültig als reine Farce enthüllt. Die EZB wird ganz nebenbei zur größten Sammelstelle für europäischen Kreditmüll, während vor allem Deutschland für die frisch erzwungenen Vorzugskonditionen der südländischen Partner haften muss (muss?). Damit die armen romanischen Partnerländer endlich ihre Zinsknechtschaft brechen können (ja das erinnert schon sehr an Gottfried Feder, einen der wichtigsten Wirtschaftstheoretiker der NSDAP, nur Zufall?).
Da gleichzeitig mit den künstlich gedrückten Zinsen und der damit wohl verbundenen neuen Schuldenorgie die Europäische Integration" vorangetrieben wurde/ wird (Stichworte: Bankenunion, Fiskalunion, ewige Schulden- und Transferunion), werden künftig auch noch halbwegs gesunde Volkswirtschaften wie die deutsche mit infiziert und letztlich in die eigene Überschuldung getrieben.
Man muss sich diesen Blödsinn mal vor Augen halten: Wer spart und solide wirtschaftet, der wird von der Gemeinschaft mit Haftungs- und Schuldenübernahme bestraft. Wer fleißig weiter über seine Verhältnisse lebt, der wird mit Zinsentlastung (EZB-Intervention), Schuldenentlastung (Rettungsgelder) und Einzahlungsstopp in die Rettungsschirme belohnt! Warum sind wir Deutschen nur so blöd und melden nicht schleunigst akuten Rettungsbedarf beim ESM an?
Ja, aber Herr Voigt, es gibt doch Sparauflagen für die Hilfsgelder und als Gegenleistung für EZB-Interventionen. Ja klar. Und Pinguine lernen das Fliegen. Haben die Stabilitätskriterien" in den letzten Jahrzehnten auch nur ansatzweise funktioniert? Wenn ja, dann wäre die Europäische Staatsschuldenkrise heute nicht das, was sie ist: ein Fass ohne Boden. Verbalsparen" ist zum Elitesport unter europäischen Regierungschefs geworden (direkt nach den Trendsettern Schönreden" und Dummschwätzen" und dem Klassiker Großer Wurf"). Griechenland ist das beste Beispiel: Trotz aller Sparauflagen und Notkredite ist die Staatsverschuldung nicht gesunken, sondern gestiegen. Allein mit der Drohung von Ansteckungseffekten können die Griechen aber recht bequem so weiterwursteln. Sie können sich offenbar weiterer Zahlungen sicher sein. Solange noch jemand zahlen kann. Im Zweifel wirft die EZB die Notenpresse an.