Eine beispiellose Attacke soll Deutschlands prominentesten Ökonomen treffen. Sie zeigt, wie sich die Zunft dem Zeitgeist anpasst und die lästige Ordnungspolitik zu diskreditieren versucht.
Der Mann ist unbequem. Wenn es einen Ökonomen gibt, der deutsche Politiker regelmäßig in Erklärungsnot oder gar Rage bringt, dann ist das Hans-Werner Sinn. Ob Zuwanderung, Euro-Rettung, Klimawandel oder Sozialstaat – der Chef des Münchner Ifo-Instituts mischt sich mit seinen messerscharfen Analysen in alle relevanten Gesellschaftsdebatten ein und schert sich dabei herzlich wenig um politische Korrektheit.
Für Linke und Gewerkschafter ist der Professor mit dem markanten Kapitänsbart ein Neoliberaler und damit von jeher ein Feindbild. Mittlerweile ist auch die Union, die früher häufig seinen Rat suchte, auf Distanz gegangen.
Vor allem seine wiederholten Warnungen vor den horrenden Risiken der Euro_Rettungspolitik stoßen im Konrad-Adenauer-Haus sauer auf. Und Finanzminister Wolfgang Schäuble warf ihm wegen seiner Forderung nach einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion "Milchmädchenrechnungen" vor.