12.1. Der Hebel bei den Goldminen
"Wer von einem Goldanstieg richtig profitieren möchte, muss in Goldminen investieren!
Wenn Gold um 10 Prozent steigt, steigen Goldminen um 30 Prozent!"
So oder so ähnlich wird Ihnen in Fachmagazinen oder von Anlageprofis die Hebelwirkung und der Kauf von Goldminen schmackhaft gemacht. Um zu verstehen, was sich hinter dem Hebel verbirgt, warum er funktioniert und welche Chancen aber auch Risiken damit verbunden sind, werfen wir wieder einen Blick in die Vergangenheit (siehe Tabelle 2).
Hausse Physisches Gold Goldmine "Hebel AG"
Kauf im
Januar 1970
Mai 1972
August 1972
März 1973
Kaufpreis Gewinn seit Kauf Gewinn in %
35,00 $
50,00 $ 15,00 $ +42,9%
65,00 $ 15,00 $ +30,0%
80,00 $ 15,00 $ +23,1%
PK* Gewinn/Unze Gewinnanstieg
30,00 $ 5,00 $
34,00 $ 16,00 $ +220,0%
34,00 $ 31,00 $ +93,8%
35,00 $ 45,00 $ +45,20%
Tabelle 2: Goldminenhebel bei Kursanstiegen
* PK = Produktionskosten (Sämtliche Kosten die anfallen, bis aus dem Erz das Feingold gewonnen ist.)
Angenommen Sie hätten im Januar 1970 Ihr liquides Vermögen in physisches Münzgold und in unsere Mustergoldmine Hebel AG investiert. Der Goldanstieg bis in den Mai 1972 bescherte Ihnen bei den Münzen ein Plus von 15 USD/Unze. Bei einem Einsatz von 35 USD entspricht das einem prozentualen Gewinn von 42,9 Prozent.
Die Goldmine Hebel AG hatte im Januar 1970 Produktionskosten (Spalte PK) in Höhe von 30 USD/Unze. Bei einem Marktpreis von 35 USD/Unze errechnete sich also ein Gewinn von 5 USD/Unze. Durch Lohnsteigerungen und einen aufwendiger werdenden Schürfeinsatz steigen die Produktionskosten bis Mai 1972 auf 34 USD/Unze. Da der Marktpreis auf 50 USD/Unze gestiegen ist, errechnet sich ein Gewinn/Unze von 16 USD. Im Vergleich zum Januar 1970 ergibt sich ein Gewinnanstieg von 5 auf 16 USD/Unze. Dies entspricht einer prozentualen Gewinnerhöhung von 220 Prozent! Erlauben Sie mir an dieser Stelle die Annahme, dass sich die Kurse unserer Goldmine Hebel Aktie, genau an deren Gewinnentwicklung orientiert.
Beim direkten Vergleich Ihrer beiden Anlagen ergibt sich daraus folgendes Ergebnis: Gewinn beim physischen Gold + 42,9 Prozent, Gewinn bei der Aktie Goldmine Hebel AG + 220 Prozent. Das entspricht einem Hebel von 5,1!
Aufgrund der guten Entwicklung entschließen Sie sich im Mai 1972 eine weitere Anlage in Münzgold und die Goldmine Hebel AG. Bereits im August ist der Goldpreis wieder um 15 USD/Unze gestiegen. Bei Ihrer Münzinvestition ergibt sich im Vergleich zum Einstiegspreis ein Plus von 30 Prozent.
Der Gewinn der Goldmine Hebel AG steigt von 16 auf 31 USD/Unze, was eine Gewinnerhöhung von 93,8 Prozent entspricht.
Das Ergebnis des direkten Vergleichs: Physisches Gold + 30 Prozent, Gewinn bei der Goldmine Hebel AG + 93,8 Prozent. Ergibt einen Hebel von 3,1.
Ihre dritte Anlage tätigen Sie im August 1972. Bis im März 1973 ist der Goldpreis um weitere 15 USD/Unze gestiegen. Der prozentuale Gewinn bei Ihrem Münzgold beläuft sich jetzt auf 23,1 Prozent. Der Gewinnanstieg der Goldmine beträgt 45,2 Prozent. Der direkte Vergleich: physisches Gold + 23,1 Prozent, Goldmine + 45,2 Prozent, entspricht einem Hebel von 2.
Aus diesen Erfahrungen lässt sich folgendes ableiten: "Je höher der Goldpreis steigt, desto geringer wird die Hebelwirkung bei den Goldminen."
Um die fundamentalen Auswirkungen bei Kursrückgängen zu erkennen, nehmen wir an, dass Ihr Nachbar, angesteckt von den seit vier Jahren steigenden Kursen, im Dezember 1974 einen ersten Kauf in Goldmünzen und in unsere Mustergoldmine tätigt.
Baisse Physisches Gold Goldmine "Hebel AG"
Kauf im
Dezember 1974
September 1975
August 1976
Kaufpreis Verlust seit Kauf Verlust in %
195,00 $
149,00 $ -46,00 $ -23,6%
103,00 $ -46,00 $ -30,9%
PK* Gewinn/Unze Gewinnreduzierung
38,00 $ 157,00 $
40,00 $ 109,00 $ -30,6%
42,00 $ 61,00 $ -44,0%
Tabelle 3: Goldminenhebel bei Kursrückgängen
Im September 1975 liegt der Goldpreis bei 149 USD/Unze. Auf seinen Kaufkurs von 195 USD/Unze bedeutet das ein Verlust von 46 USD/Unze. Dies entspricht einem Rückgang von 23,6 Prozent.
Bei der Goldmine reduziert sich der Gewinn pro Unze von 157 USD auf 109 USD. Das entspricht einer Reduzierung von 30,6 Prozent. Der Hebel ist also auch hier vorhanden. Bei fallenden Goldkursen ist er die Basis für überdurchschnittliche Verluste der Goldminen!
Im September 1975 entschließt sich Ihr Nachbar für einen Nachkauf von Goldmünzen und Aktien der Goldmine Hebel AG. Erst im August 1976 wird mit einem Kurs von 103 USD/Unze das Tief beim Gold erreicht. Der Verlust auf den letzten Kauf beläuft sich bei der Goldmünze auf 30,9 Prozent. Bei der Goldmine reduziert sich der Gewinn bereits um 44 Prozent.
Diese zweite Erfahrung sollte uns nie vergessen lassen: Bei fallenden Goldpreisen wird der Hebel zunehmend größer.
Die Wahrscheinlichkeit das Sie mit Goldminen überproportional hohe Kursverluste erleiden nimmt stark zu.
12.2. Die Bezeichnung Goldminenaktie beinhaltet das Wort Aktie Das Goldminen nicht nur von der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen bzw. der Goldpreisentwicklung abhängig sind, zeigt die Grafik 3. Hier wird der Verlauf von Gold/Unze in USD, deutschen Aktien (DAX) und Goldminen (XAU) über das gesamte Jahr 1987 verglichen. Um einen optimalen Vergleich zu bekommen, wurde die Skalierung beim DAX und beim XAU auf den Goldpreis zum Jahresanfang umgerechnet.
1987 ist durch den Börsencrash in die Geschichte eingegangen. Der Goldpreis entwickelte sich über das gesamte Jahr betrachtet kontinuierlich von etwa 400 auf knapp 500 USD/Unze. Dem Verlauf des Goldpreis entsprechend, hätten sich die Goldminen, sicher mit Schwankungen, tendenziell positiv entwickeln müssen. Der Kursanstieg hielt jedoch nur bis zum Börsencrash an.
Als die normalen Aktienmärkte zu "crashen" begannen, wurde alles, was irgendwie nach Aktie aussah verkauft. Der psychologischen Macht von Panikverkäufen konnten sich auch die Goldminen nicht entziehen. Die Tiefstkurse wurden genau mit den Tiefstkursen der normalen Aktienmärkte erreicht. Einzelne Goldaktien verloren von der Spitze bis zum Tief über 70 Prozent Ihres Wertes – obwohl der Goldpreis gestiegen ist. 
Geschrieben von Andreas Ruehl 