Überraschende Änderung der Steuerpolitik durch konservative Regierung - Hohe Kursverluste an der Börse- Kanadischer Dollar unter Druck
Die Nachricht hat im kanadischen Aktienmarkt wie ein Blitz eingeschlagen:Völlig überraschend kündigte Kanadas Finanzminister Jim Flaherty am Dienstagabend an, dass so genannte Income trusts, eine steuerbegünstigte Gesellschaftsfrom,künftig wie Unternehmen besteuert werden. Die rund 250 Oncome trusts weisen bis Mitwoch eine Marktkapitalisierung von rund 200 Mrd. kan.$ auf. Income trusts waren nicht nur bei kanadischen, sondern auch bei ausländischen Investoren beliebt.
Nach der Ankündigung der Regierung schloss die kanadische Börse TSX am Mittwoch nach einer turbulenten Session 303 Punkte oder 2,5% tiefer. Der Aktienmarkt dürfte auch in den kommenden Tagen oder sogar Wochen durchgeschüttelt werden, denn viele Aktienkurse waren in Erwartung der Umwandlunge von grossen Gesellschaften in Trusts estiegen.
Auf dem falschen Fuss erwischt
Der kanadische Dollar hat ebenfalls an Wert verloren; er büsste am Mittwoch und Donnerstag gegenüber demUS$ an Wert ein, da auch viele Ausländer in Income trusts investiert hatten.
Income trusts müssen derzeit keine oder nur geringe Unternehmenssteuern bezahlen,da sie nahezu ihre gesamten Erträge an die Anteilsbesitzer ausschütten,die dann individuell besteuert werden.Die Renditen lagen teilweise 30 bis 50% höher als für traditionelle Anlagefonds. Jetzt sollen neue Income trusts ab Anfang 2007 wie Unternehmen besteuert werden, bereits bestehende werden ab 2011 mit der neuen Steuer belegt.
Damit will die konservative Regierung Kanadas die Steuereverluste von etlichen Milliarden kan.$ stoppen,die ihr durch eine wachsende Anzahl von Unternehmen entstanden, die sich in I´ncome trusts umwandelten.
So standen die Telekommunikationskonzenre BCE ( Bell Canada) und Telus kurz vor der Umwandlung.BCE wäre der grösste Income trust Kanadas geworden. Nun wollen sich beide Konzerne die Umwandlung unter den neuen Bedingungen nochmals überlegen.Ihre Valoren sind unter Druck geraten. Nicht nur diese sämtliche Income trusts gaben20-25% ínnerhalb von zwei Tagen ab!
Das war eine richtige Crashartige-Entwicklung!
Der Steursatz auf Trust-Ausschüttungen wird bei 34% ( vorher 25% ) beginnen,um Bundes und Provinssteuern auf Unternehmen zu spiegeln. Bis 2011 soll der Steursatz dann auf 31,5% fallen.
Es bleibt abzuwarten,ob durch die neue Ausgangslage manche Income trusts wieder in normale Unternehmen zurück verwandelt werdne. Von Investments in existierenden Income trusts ist deshalb abzuraten. Experten erwarten ,dass sich nun kaum neue In´come trusts bilden werden.
Grosse Beliebtheit
Income trusts waren in den Achtzigerjahren von der Regiereung als Anreiz für Investionen in die Erdöl - und Naturgasindustrie eingeführt worden. Sie gewannen schnell an Beliebtheit, und auch Nicht-Energiefirmen- von Pizzaläden zu Hummerfischern- verwandelten sich in Income trusts.Immer wider warnten aber Expereten, dass diesen Trusts das nötige Kapital für Forschung und Entwicklung und die Erschliessung neuer Märkte fehlen könnte, wenn sie alle Gewinne ausschütten. Etliche Income trusts mussten denn auch ihre Ausschüttungen im vergangenen Jahr kürzen.
Was der kanadischen Regierung aber vor allem Sorge machte, war die Tatsache, dass sich Konzerne wie BCE und Telus in Income trusts verwandeln wollten. Allein durch diese beiden Umwandlungen hätten die Provinzen und die Regierung jährliche Steuereinnahmen von1,1 Milliarden kan.$ verloren. Es schien nur eine Frage der Zeit,bis auch Grossbanken für sich die Gesellschaftsform des Income trusts wählen würden.
Die Sachlage hat sich deutlich geändert in diesem Jahr, und wir sehen uns nun vor einer Situation, in der Kanada auf dem Weg ist, eine Income-trusts-Wirtschaft zu werden"!,sagte Finanzminister Flaherty am Mittwoch."Über Monate konnten wir einen Trend zur Steuervermeidung beobachten"
Bereits die frühere liberale Regierung hatte sich mit Plänen getragen, die Steuervorteile von Income trusts aufzuheben. Da sie aber die Wahlen gewinnen wollte ( was schliesslich doch nicht gelang),kam sie von ihren Plänen ab und reduzierte dafür den Steuersatz auf Dividenden,um den Nachteil für die Unternehmen auszugelichen. Das war, wie sich zeigen sollte,aber nicht genug.
Wahlversprechen gebrochen
Die konservative Regierung, die seit Februar im Amt ist, hat nun ihr Wahlversprechen gebrochen,die Income rusts nicht zu besteuern.Die Empörung im Finanzviertel Torontos,der Bay Street, ist gross.Aber auch Hunderttausende von Rentnern, die wegen der hohen AUsschüttungen in Income trusts investieert haben, werden nun arg gebeutelt. Ihnen versucht die kanadische Regierung mit einem gleichzeitig bekannt gemachten Paket von Steuererleichterungen in der Höhe von rund 1 Millirde kan.$ entgegenzukommen.
Nicht zuletzt wird das Vertrauen ausländischer Anleger in die Mechanismen des kanadischen Aktienmarkts stark ereschütter-" Es ist eine der bizarrsten Drittwelt-Taktiken, die ich mir vorstellen kann",sagte der Kanadier Bill Holland, Chief Executive Officer von CI Financial Income Fund.
Was sollen Besitzer von Income Trusts jetzt tun ?
Die Experten sagen, es ist jetzt zu spaet ,um zu verkaufen. Herr Curtis Hessler vom Professional Timing Service sagt, dass der Markt ueberreagiert hat. Er haelt acht Income Trusts in seinem Musterportfolio und empfiehlt abzuwarten, bis sich die Lage beruhigt hat. Richard Lehmann, Herausgeber des FORBES Income Security Advisor, ein Verfechter kanadischer Royalty Trusts in seinem Boersenbrief, sagt, dass die politische Durchsetzung der Gesetzesvorschlaege von Herrn Jim Flo herty alles andere als sicher ist unter Hinweis auf bereits zwei fruehere erfolglose Versuche dieser Art. Politische Pressionen werden vermutlich den Zeitraum bis zum Einsetzen der neuen Steuerbelastung verlaengern oder sogar diese wieder aufheben. Herr Lehmann ist sogar damit beschaeftigt, weitere Income Trusts hinzuzukaufen, da die Kurse eingestuerzt sind und die Barrenditen nach oben katapultiert wurden. Harvest Energy Trust hat jetzt eine Barrendite von 15.6%, Canetic von 13.5%. Robert Carrick, ein Finanzkolumnist bei der kanadischen Globe & Mail sagt, es ist zu frueh, um bei Income Trusts schon das Handtuch zu werfen. Ein gewichtiges Argument ist, dass Income Trusts von der Zinsentwicklung abhaengig sind. Die Zinssaetze in Kanada werden wahrscheinlich ab naechstem Jahr fallen, was gut ist fuer die Kurse von Income Trusts. Income Trusts werden fur die naechsten vier Jahre die besten Barrenditeanlagen bleiben. Herr Harry Levant, ein unabhaengiger Income Trust Finanzanalyst mit seiner Webseite http://www.incometrustresearch.com sagt, dass einige Income Trusts Uebernahmekandidaten durch Kapitalgesellschaften werden könnten. Daher sollte man „Gewehr bei Fuss“ stehen mit den Income Trusts, die man hat.