Die eigentliche und wichtigste Funktion des Geldes (Gold und Silber) ist es, den durch bereits erbrachte Eigenleistung verdienten Rechtsanspruch auf gleichwertige (sic!) Gegenleistung unbefristet (sic!) und ungeschmälert (sic!) sicherzustellen und ggf. von dem Einen auf den Anderen über Raum und Zeit zu übertragen. Erfüllt es diese Funktion perfekt, so ist es echtes Geld; erfüllt es diese Funktion nur eingeschränkt oder gar nicht, so daß der rechtmäßige Eigentümer einen Teil seines Anspruches oder gar den ganzen Anspruch einbüßt, so ist es Falsch-„Geld“, Pseudo-„Geld“ oder Schein-„Geld“ – wie bei den heutigen „Geld“-Scheinen.
Tausch, Geld und Kredit
Alles arbeitsteilige Wirtschaften, jeder Handel, jedes Geschäft, jeder wirtschaftliche Verkehr ist grundsätzlich nichts anderes als ein Austauschen von Leistung und Gegenleistung: das Geben oder Liefern einer gleichwertigen (sic!) Ware für eine empfangene Ware, oder, noch einmal anders ausgedrückt, das Entrichten des entsprechenden, nämlich gleichen (sic!) Gegenwertes für ein erhaltenes Gut oder eine empfangene Dienstleistung.
Wird dieser Gegenwert sofort in Form einer physisch real existierenden Ware entrichtet, so handelt es sich um einen wirklichen, direkten Tausch. Wird der Gegenwert sofort in echtem, physischem (Werte- / Waren-) Geld, also Gold oder Silber, entrichtet, so spricht man von Kauf und Bezahlung (der in Geld ausgedrückte Wert der Ware ist der Preis).
Wird der Gegenwert, die Gegenleistung, aber nicht sofort erbracht, sondern für später versprochen, so handelt es sich um Kredit! Das ist der Fall bei Banknoten: „Geld“-Scheine sind Schein-„Geld“, nämlich Quittungen (ursprünglich für Gold und Silber) – Kredit-Scheine oder Schuld-Scheine! Papier-„Geld“ ist lediglich Kredit, d. h. Versprechen bzw. Schuld! (Heutiges Papier-„Geld“ ist zudem Falsch-„Geld“, genauer: Falsch-„Kredit“!)
Bei der ersten Form des Waren- oder Werte-Geldes (z. B. Vieh, Edelmetalle wie Gold und Silber) handelte es sich also, genau genommen, um ein Zwischentauschmittel. Die Vorteile eines Zwischentauschmittels sind evident: Indem man nicht mehr direkt tauscht, sondern eine allgemein akzeptierte Standard-Ware wie z. B. Gold und Silber, also »Geld«, als Zwischentauschmittel dazwischenschaltet, wird man beim Tauschen unabhängig von Ort und Zeit. Und erst dann können Arbeitsteilung und somit Handel und Märkte und Verteilungs-Prozesse entstehen sowie Kultur(en) und Zivilisation(en) sich entwickeln.
Auch ist nun keine doppelte, beiderseitige Übereinstimmung der Verkaufsabsicht der einen Partei mit dem Kaufwunsch der anderen Partei mehr nötig; es genügt jetzt eine einfache Übereinstimmung der Tauschwünsche und die beiderseitige Einigung über den Preis.
Nicht jeder will nämlich beim Tauschhandel immer gerade genau das annehmen, was der Tauschpartner als Tauschware, als Gegenleistung, anzubieten hat – entweder, weil er es nicht gebrauchen kann, oder, weil das Wertverhältnis nicht stimmt. Das ist das Problem der Not-wendigkeit der doppelten Übereinstimmung der Tauschwünsche bei direktem Warentausch.
Deshalb suchte man ja nach einer „neutralen“ Ware, die werthaltig, wertbeständig, haltbar, teilbar, transportabel, nicht zu selten, aber auch nicht beliebig, vor allem nicht ohne Leistung vermehrbar sowie jederzeit und überall in jede andere Ware konvertierbar, d. h. eintauschbar ist. Diese „neutrale“ Ware war bald gefunden – aufgrund der genannten Anforderungen bleiben nur die Edelmetalle übrig; nur sie erfüllen schon rein chemisch alle Anforderungen.
Die Alchemie des Goldes und des Silbers
Nehmen wir einmal an, wir müßten heute eine solche „neutrale“ Ware finden, wir müßten also das »Geld« (neu) erfinden. Wie würden wir am besten vorgehen? Der Verfasser würde logisch vorgehen und einen Chemiker mit der Aufgabe betrauen. Warum und wieso? Darum:
Wie wir eben gelernt haben, ist Geld ein Pfand für einen verdienten Rechtsanspruch. Ein Pfand kann nur und muß daher ein realer physischer Gegenstand sein, den man anfassen kann. Ein materieller Gegenstand wiederum besteht aus chemischen Elementen. Insgesamt gibt es 90 natürliche Elemente auf dem Planeten Erde: 81 stabile natürliche Elemente (Nr. 1 – 83 des Perioden-Systems, wobei die Nr. 43 [Technetium] und die Nr. 61 [Promethium] fehlen) sowie neun instabile, radioaktive natürliche Elemente (Nr. 84 – 92 des Perioden-Systems).
Die instabilen, radioaktiven Elemente fallen von vornherein schon allein aus zwei Gründen weg: einmal, weil sie eben nicht stabil, also nicht dauerhaft, nicht haltbar sind; zum anderen, weil sie gefährlich und gesundheitsschädigend sind. Ebenso fallen aus einleuchtenden Gründen alle Gase weg (versuchen Sie einmal, Gas mit den Händen festzuhalten…).
Aber auch alle Elemente, die reaktiv sind, also beispielsweise mit Sauerstoff reagieren wie z. B. Eisen, das „rostet“, kommen nicht in Frage. Außerdem soll das Element rar, aber nicht zu selten sein und nicht beliebig ohne Leistung vermehrbar sein. (Zur Erinnerung: es geht bei »Geld« immer nur um Leistung und Gegenleistung und um die Übertragung eines Rechtes!)
Kurz und gut – zunächst bleiben nur 5 (fünf) Elemente übrig, die alle vorläufigen Kriterien erfüllen: Rhodium, Palladium, Platin, Gold und Silber. Aber die Materialien müssen noch weitere Kriterien erfüllen: ihre Gewinnung muß technisch machbar, der Aufwand verhältnis-mäßig sein. Der Schmelzpunkt von Palladium liegt jedoch bei rund 1.500 º C, Platin wird erst bei knapp 1.800 Grad flüssig, und Rhodium muß dafür sogar auf fast 2.000 Grad erhitzt werden. Solche Temperaturen aber konnte man vor 7.000 Jahren noch nicht oder nicht ohne weiteres kontrolliert erzeugen, um aus diesen drei Elementen Münzen herstellen zu können.