Pressestimmen
"Das Bankgeschäft gleicht einer Nacht im Kasino"
Der Milliardenverlust, den ein einzelner Händler der französischen Société Générale zugefügt hat, erhitzt die Gemüter. Einmütig fordern die Kommentatoren effektivere Kontrollmechanismen für Großbanken.
"Daily Telegraph" (London):
"In ihrem Drang, die Profite über die normalerweise möglichen Gewinne durch Einlagen und Kredite hinaus zu steigern, arbeiten die modernen Banken mit Finanzprodukten, die derart komplex sind, dass nur noch einige wenige Genies sie verstehen. Die Profite erwachsen aus kleinen Bewegungen in den Preisen von Währungen, Waren und Anlagen. Wenn die Zahlen in eine günstige Richtung gehen, ist der Lohn stattlich. Andererseits können Vermögen blitzschnell vernichtet werden. Das ist das heutige Bankgeschäft. Es ist wie ein Tag beim Pferderennen oder eine Nacht im Kasino. Es ist wie das Setzen auf rote oder schwarze Zahlen, auf gerade oder ungerade, hohe oder niedrige. Jérôme Kerviel hat dieses Spiel ohne Erlaubnis der Société Générale betrieben. Woanders ist es jedoch längst Unternehmenspolitik."
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"Flensburger Tageblatt":
"Der größte Verlust, den jemals ein einzelner Händler einem Geldhaus eingebrockt hat, zeigt auch auf erschreckende Weise, was in der Finanzwelt möglich ist. Die Händler bewegen täglich Summen, die ihre Vorstellungskraft weit übersteigen. Wenn es gut geht, streicht die Bank einen entsprechenden Gewinn ein. Deshalb werden die Risiken gern übersehen. Der Fall zeigt vor allem eines: Die Finanzwelt ist vollkommen abgehoben, die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente können einen Schaden anrichten, der ganze Unternehmen, ja sogar Länder zugrunde richten könnte."
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"Nürnberger Zeitung":
"Das hat jetzt gerade noch gefehlt: Seit Anfang dieser Woche befinden sich die Börsen auf Talfahrt, ausgelöst durch inkompetente Bankmanager, die Geschäfte machten, die mehrere Nummern zu groß für sie waren. Konsolidierung eines überbewerteten Marktes, spielten Experten das Geschehen herunter. Und vielleicht hätten sich die Gemüter jetzt auch schon wieder etwas beruhigen können, gäbe es nicht die nächste Schreckensmeldung: Ein einzelner Bankangestellter hat Scheingeschäfte im Wert von 4,9 Mrd. Euro getätigt. Woher kommen diese Chuzpe und diese Haltlosigkeit? Ist im Computerzeitalter der Umgang mit Geld zu etwas Abstraktem geworden?"
"Le Figaro" (Paris):
"Wie konnte diese hochangesehene und seriöse Bank Société Générale an einem Wochenende durch die Schuld eines jungen Aktienhändlers fast in die Katastrophe stürzen? Diese unglaubliche Affäre verstärkt das Misstrauen, das seit dem Beginn der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt den Ruf der Finanzwelt ruiniert. Die gegenwärtigen Turbulenzen an den Börsen zeigen, dass die Maschine sich langsam der Kontrolle ihrer Lenker entzieht. Die Börsenaufsicht sollte ihre Instrumente den Erfordernissen der modernen Finanzwelt anpassen. Und die Banker sind dringend aufgerufen, ihre Kontrollsysteme für riskante Geschäfte drakonisch und ohne Kompromisse aufzurüsten, um nicht auch eines Tages ein solches tragisches Missgeschick wie die Société Générale zu erleiden."
"Nordbayerischer Kurier" (Bayreuth):
"Ein 'kleiner Händler' hat die große Société Générale um fast 5 Mrd. Euro erleichtert. Keiner will dies bis vor wenigen Tagen bemerkt haben. Das Risikomanagement der französischen Großbank ein Totalausfall? Kaum zu glauben. Das Image der Bankenbranche, das in letzter Zeit gehörig gelitten hat, wird davon nicht besser. Was spielt sich wirklich ab hinter den gläsernen Hochhausfassaden, die Transparenz vorgaukeln, obwohl doch so viel im Verborgenen bleibt?"
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FTD.de, 25.01.2008