Der Niedergang der europäischen Autobranche in drei Etappen: CO2-Steuer, Elektroautos, Insolvenz
Die Insolvenz zahlreicher europäischer Automobilbauer wird von Beobachtern inzwischen offen vorhergesagt. Dem Wandel hin zu E-Mobilität und selbstfahrendem Auto müsse sich alles unterordnen. Das Elektroautos noch immer nicht wettbewerbsfähig sind wird ebenso unterschlagen wie die Frage, ob die Bürger überhaupt in von Technologiekonzernen gesteuerten Fahrzeugen fahren wollen.
In der Automobilindustrie schrillen die Alarmglocken: Just zu der Zeit, da die Konzerne enorme Summen in die Elektro-Mobilität stecken und die Konjunktur ohnehin schwächelt, denkt die EU wegen über eine weitere Verschärfung der CO2-Vorgaben nach, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. "Wir werden in den kommenden Jahren eine Autoindustrie erleben, in der es Unternehmen gibt, die einfach nicht mehr mithalten können", sagt Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI. Das Kleinwagen-Segment werde immer schwieriger, da die Kosten der CO2-Regulierung nicht weitergegeben werden könnten. "Klassische Zulieferer werden immer mehr in die Zange genommen, da die Hersteller sparen müssen." PSA Peugeot-Chef Carlos Tavares hatte bereits vor einigen Monaten angekündigt, dass die CO2-Vorgaben der EU für "einige Autobauer" den Bankrott bedeuten würden.
Um die Ertragskraft aufzupäppeln, streichen Audi und Daimler und Zulieferer wie Continental und Bosch in den nächsten Jahren bereits Tausende Jobs. Das geschieht auch deshalb, weil beim Bau von Elektroautos weniger Teile benötigt werden. Schätzungen zufolge werden allein in Deutschland aufgrund der E-Wende 70.000 bis 160.000 Arbeitsplätze wegfallen. Branchenexperten erwarten, dass der Sparzwang die Branche noch enger zusammenrücken lassen wird, um sich die enormen Investitionen für den Wandel zu Anbietern elektrischer Mobilität leisten zu können. Die Fusion von Fiat Chrysler mit der französischen Opel-Mutter PSA dürfte erst der Auftakt für eine neue Konsolidierungswelle sein, sagen Branchenexperten.
100 MILLIARDEN EURO - IM JAHR
Die weltweit erforderlichen Investitionen für alternative Antriebe, vernetzte und selbstfahrende Fahrzeuge schätzt Maxime Lemerle vom Kreditversicherer Euler Hermes auf mehr als 100 Milliarden Euro - pro Jahr. Der auf Branchenprognosen spezialisierte Analyst zeigt sich überzeugt, dass die meisten Autohersteller die CO2-Ziele bis Ende 2020 nicht einhalten werden und daher zur Zusammenarbeit mit Konkurrenten gezwungen sein werden. "In irgendeiner Form wird in fünf Jahren deshalb praktisch jeder Autobauer mindestens Teil einer Partnerschaft, eines Entwicklungspools oder einer strategischen Kooperation sein – oder aufgekauft und fusioniert sein", sagt Lemerle.
Bemerkenswert ist, dass in der medial betriebenen Diskussion überhaupt nicht hinterfragt wird, ob die Elektromobilität wirklich energiesparender als herkömmliche Antriebe ist beziehungsweise ob die Menschen wirklich in einem von Technologiekonzernen kontrollierten selbstfahrenden Auto sitzen möchten.
Eric Heymann von der Deutschen Bank rechnet damit, dass es vor allem in Volumensegment mit den niedrigen Margen zu einer weiteren Konsolidierung kommen wird. "Unter dem Strich dürfte es in fünf Jahren etwas weniger eigenständige Hersteller in der Automobilindustrie geben", schätzt der Mobilitätsexperte. "Aber die heute führenden Unternehmen werden auch dann noch das globale Angebot bestimmen."
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