Welt: Warum die EZB eine hohe Inflation duldet - zensiert

  • Hab gerade einen überraschend ehrlichen Artikel in welt online gelesen. Ich war überrascht, daß die Springer Presse so etwas einfach publiziert. Kurz danach war der Zensor aus der Frühstückspause zurück und hat den Artikel politisch korrekt entfernt.


    Wer den Artikel dennoch lesen will, ich habe ihn hier wiedergefunden:
    http://www.morgenpost.de/wirts…ohe-Inflation-duldet.html


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    Das Interessante an der europäischen Staatsschuldenkrise ist die bewusst verschwiegene Erkenntnis, dass die westeuropäischen Wohlfahrtsstaatdemokratien, die sich in der Eurozone zusammengefunden haben, ohne gehobene Inflation nicht überleben können, und diese jetzt zwingend brauchen (Deflation wäre systemzerstörend). Wenn heute die Europäische Zentralbank (EZB) die Kaufkraftentwertung mit vier Prozent auswiese, würde niemand von einer Staatsschuldenkrise sprechen, denn die tatsächliche Geldentwertung wäre dann bei sieben bis acht Prozent, somit der Staat in wenigen Jahren entschuldet – und der Bürger um ein entsprechendes Maß enteignet.




    Die Zentralbanken sind dabei nur halb-staatliche Anstalten, die zwar den Kaufkraftentzug nicht steuern (sie geben dies nur vor), aber in der Tat Inflationserwartungen beeinflussen können. Der designierte Bundesbankpräsident Jens Weidmann ist folgerichtig eine politische Berufung, erneut ein farbloser Technokrat, der für diesen Entschuldungsmechanismus Sorge zu tragen hat. Das erreicht man gewöhnlich dadurch, dass man zwar öffentlich über Inflationsgefahren spricht (wie auch gegenwärtig EZB-Präsident Jean-Claude Trichet), aber letztlich erst mit einer großen Zeitverzögerung die Zinsen anhebt. Diese „Lücke“ entschuldet den Staat.


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    Die systemimmanente Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist es daher dafür zu sorgen, dass dieses inflationäre Grundniveau eingehalten wird, um den ewig schuldenfinanzierten Sozialstaat am Leben zu halten.

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  • Welt online hat heute wohl langsame Zensoren:
    http://www.welt.de/finanzen/ar…-machtlos-gegenueber.html


    Zitat

    Italiens EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi erklärte bei einer Rede in Hongkong, viele Nahrungsmittel würden wohl auf Dauer teuer bleiben.


    Dagegen wird aber nichts getan, denn:


    Zitat

    Allerdings sei die lockere Geldpolitik der EZB wegen der Nachwirkungen der Krise und der andauernden Probleme vieler Banken nach wie vor angemessen.



    die Banken seien nunmal wichtiger als erschwingliche Lebensmittel für die Bevölkerung.


    Und wehe die Bevölkerung will, daß die Löhne entsprechend angepaßt werden:


    Zitat

    EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Wochenende angesichts des Teuerungsdrucks vor übermäßigen Lohnerhöhungen gewarnt. „Das wäre das Dümmste, was man machen könnte“, sagte er dem französischen Radiosender Europe 1.


    Die EZB könne nichts gegen die steigenden Treibstoff- und Rohstoffpreise tun. Die Währungshüter müssten aber alles unternehmen, um sogenannte Zweitrundeneffekte zu verhindern. Darunter versteht man weitere Preiserhöhungen als Folge vorangegangener Kostensteigerungen. Solche Wirkungen treten etwa auf, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften auf die gestiegene Inflation reagieren und deswegen höhere Löhne vereinbaren. Die Preissteigerungen hängen wie ein Damoklesschwert über dem Aufschwung.


    Wenigstens ist Trichet ehrlich. Er gibt offen zu, daß es nicht gewollt ist, daß die Bevölkerung die Inflation mit Lohnerhöhungen kompensiert. Die Teuerung soll an die Bevölkerung fühlbar durchgereicht werden, um die Industrie (den "Aufschwung") zu stützen.


    Ich glaube, der Zensor bei der Welt riskiert heute eine Abmahnung.

  • komisch, bei MIR spinnt die Verknüpfung...und nix ging mehr. Und warum wird dieser thread nicht nach VORNE gereiht, wenn hier NEUE Einträge sind, hm?!

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