INTERVIEW, Quelle: Frankfurter Finance Newsletter
Robert Buchan über Kinross Gold und die Branche der Goldproduktion
MANAGER
Herr Buchan, die Unternehmung Kinross entstand 1993 und ist von einem Junior-Goldunternehmen zu einem der weltweit zehntgrößten Goldproduzenten mit einer ungefähren Jahresproduktion von 1,7 Mio. Feinunzen Goldäquivalent gewachsen. Sie haben die Unternehmung selbst gegründet und sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Es gibt neben Ihnen sogar noch weitere Mitarbeiter, die von Beginn an dabei waren.
Neben mir befinden sich zwei der anfänglichen Mannschaft im Unternehmen. Das sind meine Chefsekretärin Shelley Riley und mein Assistent. Von den ursprünglich sieben Personen sind noch drei von Anfang an im Unternehmen verblieben. Unser langjähriger Chief Financial Officer Brian Penny hat das Unternehmen wegen gesundheitlichen Problemen vor kurzem verlassen. Einige sind in Rente gegangen und weitere wechselten zu anderen Unternehmen. Heute zählen wir 3.600 Mitarbeiter.
Als der Goldpreis 2000/2001 sehr niedrig bei 260 USD lag, wollten Sie nicht in "typische Muster" verfallen und das Unternehmen mit dem simplen Kostenansatz gesundschrumpfen. Haben Sie diese Unternehmenspolitik auch bezüglich der Anzahl Ihrer Mitarbeiter durchgehalten?
Wir haben unsere Angestellten in dieser Phase nicht reduziert. Es war schwierig, aber wir haben uns so loyal wie nur möglich verhalten. Wir stellten zu dieser Zeit niemanden ein, aber wir haben unser Kernpersonal erhalten.
Könnten Sie uns etwas über Ihren persönlichen beruflichen Hintergrund vor 1993 mitteilen? Wir erfahren auf Ihren Internetseiten etwas über Sie und die Aufbauphase des Unternehmens von 1993 an, aber wenig von der Zeit davor.
Ich bin in Schottland nahe der Stadt Kinross aufgewachsen. Dies begründet den Unternehmensnamen. Ich habe an der Queens University in Ontario Mineral Economics studiert und mich in das Bergbaugeschäft bei einer Firma mit dem Namen Joy Manufacturing begeben. Im Jahr 1974 startete ich meine Karriere als Bergbauanalyst in der Finanzwelt, in der ich bis 1983 für zwei Börsenmaklerfirmen arbeitete. Von 1983 bis 1993 führte ich zusammen mit zwei Geschäftspartnern unter anderem zunächst zahlreiche Transaktionen im Bereich steuersparender Anlageprodukte im Explorationsgeschäft durch [Anm. d. Red.: Bei „flow-through share financings" können Explorationskosten eines Explorationsunternehmen vom Aktieninvestor steuermindernd geltend gemacht werden, so dass der Anleger bis zu 100 % seiner Investition von der Steuer absetzen kann.] und rief später im Investmentbanking einige Unternehmen ins Leben. Ich besaß eine Firma namens Western Gold Fields, die ich später an Western Mining in Australien veräußerte. Als diese sehr lohnende Periode zu Ende ging, beschlossen wir jeweils unserer eigenen Wege zu gehen. Mein ehemaliger Geschäftspartner Ned Goodman hat sich auf die Geldanlage spezialisiert. Der weitere Geschäftspartner Rick Renaud hat sich auf Hightech-Unternehmen in Montreal konzentriert. Ich bin im Bergbaugeschäft geblieben. Das hat mich zu Schaffung des Unternehmens Kinross geführt, welches von der Investment Banking Firma DCC Equities betreut wurde. Einer der größten Investoren von DCC Equities war Placer Dome. Placer Dome war deshalb bei der Gründung auch der zweitgrößte Aktionär.
BRANCHE
In Ihrem Jahresbericht 2003 beschreiben Sie die mangelnde Differenzierung von Projekten zum Beispiel in den USA, und solchen, die mit bedeutend höherem geopolitischem Risiko behaftet sind. In Ihrem jüngsten Quartalsreport relativieren Sie jedoch diese Aussage. Welche Meinung herrscht bei Kinross heute vor?
Als eindrucksvolles Erlebnis bleibt mir eine Investorenkonferenz im September 2003 in New York in Erinnerung. Die Teilnahme war durch die Suche nach Junior-Explorationsunternehmen mit Wachstumspotenzial veranlasst. Die Euphorie, die ich dort vorfand, ließ jede Vernunft vermissen und war Zeichen eines überhitzten Marktes. Als ich von meiner Reise zurückkam verkaufte ich alle Wertpapiere in unserem Portfolio und erlöste 70 Mio. USD im vierten Quartal 2004. Ich war mir sicher, dass der Markt irgendwann wieder ein Normalmaß erreichen würde, aber zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresberichtes 2003 Anfang diesen Jahres war dieser Zeitpunkt nicht abzusehen. Mit dem Abschwellen der Phase der Übertreibung begannen wir unser Kapital wieder zurück in Junior-Explorationsfirmen umzuschichten und Positionen aufzubauen, aber zu viel günstigeren Kursen.
Sie sagen also, der Markt für Explorationsunternehmen hat sich gegenüber vor einem halben Jahr dramatisch verändert?
Die Aktien für Junior-Explorationsunternehmen fielen um 70 %.
In einem Interview im Jahr 2000 haben Sie geäußert, trotz des schwierigen Umfeldes den Sinn für Humor zu bewahren wollen. Damals lag der Goldpreis bei 260 USD. Mit einem Anstieg des Preises für die Feinunze auf über 400 USD müsste die Freude heute überwältigend sein. Glauben Sie an das Anhalten dieses Preisniveaus?
Es war damals nicht gar so einfach die Stimmung hoch zu halten, obwohl uns dies überraschenderweise gut gelang. Wir wussten, der Goldpreis würde sich wieder erholen. Wir hofften nur darauf, dass wir lange genug durchhalten könnten, um es zu erleben. Heute sind wir in einem von der Charttechnik losgelösten Bereich und bei einem Goldpreis, der sich seit vielen Monaten durchgängig über 400 USD bewegt. Trotzdem ist die Zeitdauer dieses neuen Niveaus noch relativ kurz. Schwierigkeiten gibt es heute andere, nämlich meist, wenn wir nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten. Die Branche leidet an kontinuierlich schwindenden Reserven. Gleichzeitig befinden wir uns aufgrund der gestiegenen Metallpreise in der wenig komfortablen Situation hoher Akquisitionskosten. Einerseits sind wir derzeit sehr viel mehr abgesichert, andererseits ist es heute als Goldminengesellschaft schwieriger, Wachstum und Dynamik zu entwickeln als früher.
Wie sieht es mit der Goldnachfrage aus? Was sind derzeit die treibenden Faktoren des Goldpreises?
Ich glaube nicht, dass die Goldnachfrage einen durchschlagenden Effekt auf den Goldpreis besitzt. Ich neige zur gedanklichen Vorstellung, von einem fixen Goldpreis auszugehen. Wechseln Sie die Perspektive und sehen Sie es so: Nicht der Goldpreis verändert sich, sondern die Anzahl Dollar, die Sie dafür hergeben müssen. Momentan verhält sich der Goldpreis wie eine Währung, heute mehr als in den vergangenen zehn Jahren. Er reagiert täglich und durchgängig auf den USD. Der Goldpreis wird üblicherweise in USD angegeben. Wenn Sie jedoch den Goldpreis in Euro, in Australischen Dollar oder in Kanadischen Dollar berechnen, kommen Sie zu einem anderen Ergebnis. Die Goldpreissteigerungen fallen dann weit weniger beeindruckend aus.
Wie viel der jährlichen Goldproduktion weltweit wird tatsächlich verbraucht? Wie viel verschwindet in den Tresoren?
Die Goldnachfrage für den tatsächlichen Gebrauch hat nur einen geringen Einfluss. Lediglich etwa 10 % der jährlichen Goldproduktion wird wirklich verbraucht. Das meiste Gold wird als Vermögen aufbewahrt.
Der Frankfurter Finance Newsletter vertritt die Auffassung, dass die an den USD gekoppelte chinesische Währung derzeit massiv unterbewertet ist. Mit einer irgendwann notwendigen schrittweisen oder völligen Freigabe des Wechselkurses Yuan zu USD wird der US-Dollar entsprechend abgewertet, so dass der Preis des sonnengelben Edelmetalls durch die Decke schießen könnte. Wie beurteilen Sie diese Überlegung?
Wenn Sie von der Prämisse ausgehen, dass der USD unter Druck steht, will ich noch einmal zu meiner Grundaussage zurückkehren: Nicht der Goldpreis ändert sich, sondern Sie müssen mehr USD ausgeben, um Gold zu erwerben. Wenn der Wert des USD sich zum Beispiel gegenüber übrigen Währungen um 20 % vermindert, könnte der Goldpreis in USD gerechnet auf 500 steigen und trotzdem in anderen Währungen unverändert bleiben.
Gold würde sich also bei dem skizzierten Szenario nicht notwendigerweise in Euro verteuern.
Wenn der Euro gegenüber dem USD erstarkt, wäre es durchaus vorstellbar, dass der Goldpreis in Euro sich überhaupt nicht verändert, während der Goldpreis in USD um 20 % anspringt. Es spielen jedoch auch viele andere Faktoren eine Rolle. Es ist ein solcher währungsgetriebener Markt, dass sich dramatisch unterschiedliche Auswirkungen ergeben können. Wir haben es erlebt. Als der USD gegenüber dem Rand, dem Australischen Dollar und dem Kanadischen Dollar stark war, hat man außer in den USA satte Gewinne bei der Goldproduktion eingestrichen. Dieses Bild hat sich jetzt komplett gedreht. In Kanada bestehen Befürchtungen, dass aufgrund der Abhängigkeit von Rohstoffen im Außenhandel, bei einem Tauschverhältnis des USD gegenüber des Kanadischen Dollars von eins zu eins, die Goldbergbauaktivitäten in Kanada weitest gehend zum Erliegen kommen könnten.
Kinross hat in einem seiner Geschäftsberichte den Einfluss des Ölpreises auf die Goldproduktion erwähnt. Wie sehr beeinflusst dieser Faktor die Produktion bei Kinross und die Branche im Allgemeinen?
Wir haben für Kinross grob ein paar Berechnungen angestellt und sind zum Schluss gekommen, dass ein um ein USD erhöhter Ölpreis sich in um fünf USD höheren Betriebskosten [= operating costs] pro Feinunze niederschlägt. Dabei sind dies nur die direkten Kosten. Darüber hinaus gibt es indirekte Auswirkungen bei den Transportkosten. Alle Goldminenfirmen müssen sich mit diesem Thema in gewissem Umfang auseinandersetzen.
UNTERNEHMEN
Kinross hat sich in den letzten elf Jahren seit seiner Gründung beeindruckend entwickelt und war immer in der Lage, genügend Kapital für die andauernden Expansionen einzusammeln. Dies wurde durch die Investor-Relations-Arbeit der Unternehmung möglich gemacht, die heute bei Kinross sichtbar auch die Möglichkeiten des Internets einschließt. Die Geschäftsberichte der Unternehmung stellen auch die Schwierigkeiten heraus, die also nicht verschwiegen werden. Zum Beispiel die Menge vorhandener Reserven oder die Enttäuschungen über kleinere Minen. Könnten Sie unseren Lesern die zu Grunde liegende Philosophie beschreiben, mit der Sie auf Ihre Investoren zugehen?
In unserer Kommunikation mit den Investoren versuchen wir den Fluss an Pressemitteilungen zeitnah und umfassend zu gestalten, also vor allem auch schlechte Nachrichten zügig und in vollem Umfang mitzuteilen. Bei guten Nachrichten fällt dies zugegebenermaßen leichter. Niemand erwartet von uns, immer richtig zu liegen, aber die Investoren wollen wissen, was im Unternehmen vor sich geht und wie wir beabsichtigen, auftretende Hindernisse zu bewältigen. Wir geben nicht vor, niemals Fehler zu begehen. Auf Dauer entstehen auf diese Weise bei den Investoren ein Bewusstsein und eine Erkenntnis, dass wir bei auftretenden Schwierigkeiten gewillt sind, diese aktiv anzugehen, indem wir die Probleme zunächst thematisieren und beschreiben. Dies fördert den wertvollen offenen Dialog mit den Investoren und trägt zu einer langfristigen Unterstützung und zu einem Vertrauen in das Management bei.
Im Jahr 2003 wies Kinross wieder Gewinne aus, verursacht durch den Goldpreis und zuletzt auch aufgrund von Akquisitionen. Das Bild hellt sich mit steigenden Umsätzen und Gewinnen für dieses Jahr sogar weiter auf, wie den ersten beiden Quartalsberichten des Jahres 2004 zu entnehmen ist. Bitte erläutern Sie die Vorteile der Fusionen mit TVX Gold und Echo Bay Mines sowie den Übernahmen bzw. erhöhten Anteilen bei Crown Resources und Cumberland Resources. Wie gut ist Kinross damit für die Zukunft gewappnet?
Etwa im Jahr 2000 begannen wir uns mit 15.8 % der ausstehenden Aktien bei Echo Bay einzukaufen. Echo Bay war ein Unternehmen mit schweren Finanznöten und hatte keine Strategie parat, diese anzugehen. Aufgrund unserer damals klammen Kassenlage erhielt ich für einen größeren Anteil an Echo Bay keine weitere Unterstützung beim Aufsichtsrat. Die Vermögenswerte von Echo Bay waren unterfinanziert und sahen deshalb weniger attraktiv aus, als sie in Wirklichkeit waren, da deren Reserven jedes Jahr zurückgingen, und Kettle River zeitweise aufgegeben wurde. Ich bin mit dieser Idee zu Franco-Nevada Mining Corporation Limited gegangen und schlug vor, gemeinsam die Kontrolle über Echo Bay zu erlangen. Bevor wir in Verhandlungen treten konnten, kam Newmont Mining ins Spiel und kaufte TVX Normandy Americas Joint Venture und Franco-Nevada Mining Corporation Limited. Ich ging noch einmal zum damaligen Vorstandsvorsitzenden von Franco-Nevada, Seymour Schulich, und schlug vor, TVX in unsere Überlegungen einzubeziehen, so dass eine noch sinnvollere Plattform entstehen sollte. Die Grundstücke, um die es ging, wurden früher in die Unternehmen TVX und Normandy aufgespaltet. Mit den beiden Transaktionen Echo Bay und TVX haben wir uns die nötige finanzielle Schlagkraft und den Cash Flow erhalten, auf Grundstücke wie Crown Resources oder Cumberland Resources zu setzen, um die Lebensdauer unserer Reserven zu erhöhen.
Bei Crown Resources handelt es sich um ein Grundstück, dass wir schnell in Produktion bringen könnten, so bald wir Mehrheitseigner sind. Wir sind der Auffassung, dass wir die Einzigen sind, die Crown sinnvollerweise erwerben könnten, da wir vor Ort eine vollständig zugelassene Verarbeitungsstätte aufweisen, welche das Material von Washington State aufbereiten kann. Wir glauben, diesen Faktor sollte man nicht unterschätzen. Bei Cumberland Resources geht es um ein Projekt mit Entwicklungsbedarf, das womöglich erst bis Ende dieses Jahrzehnts entwickelt werden kann. Cumberland verfügt über 3,5 bis 4 Mio. Feinunzen an Ressourcen und wir hoffen, irgendwann dieses Grundstück in eigener Regie entwickeln zu können.
Seit den sehr schwierigen Zeiten einige Jahre zuvor hat sich der Aktienkurs von Kinross vervielfacht. Abgesehen von höherer Profitabilität durch höhere Goldpreise, was können Investoren von Kinross zukünftig erwarten? Wie sehen Sie Kinross im Vergleich zu anderen Goldminengesellschaften?
Eines unserer Hauptthemen sind die Transaktionen im Januar 2003 gewesen, bei der Echo Bay und TVX unter unsere Kontrolle gelangten. Die kritischen Reaktionen, die wir darauf hin erhielten, zielten auf die Produktionsrate und die Betriebskosten. Im dritten Quartal 2003 haben wir unsere eigenen Vorgaben diesbezüglich nicht erreicht, so dass wir in jenem Quartal 2003 sogar geringen Verlust auswiesen, anstatt wie geplant einen leichten Gewinn. Der Markt hat dies nicht gut aufgenommen. [Anm. d. Red.: Das Gesamtjahr 2003 jedoch wies einen leichten Gewinn aus.] Seither haben wir unsere Produktionsvorgaben immer eingehalten oder übertroffen, unsere Betriebskosten lagen auf Linie oder sogar darunter. Ich bin zuversichtlich, dass wir dies auch zukünftig erreichen werden. Der verbleibende Kritikpunkt ist die kurze Lebensdauer unserer Reserven. Ich glaube, wir können für das Jahr 2004 eine Erhöhung unserer Reserven ausweisen, möglicherweise auch für das Jahr 2005. Ich bin sicher, wir werden zukünftig noch mehr kontinuierliches Vertrauen der Investoren erhalten, so dass unser Aktienkurs zukünftig relativ zur Branche besser abschneiden wird.
Die Hauptproduktionsstätten von Kinross sind Fort Knox in Alaska/USA (100 %; equ. oz. 391,831), Round Mountain in Nevada / USA (50 %; 364,271) und Porcupine in Ontario / Kanada (49 %; 223,960). Es existieren insgesamt sechs Produktionsstätten in Nordamerika, vier in Südamerika und eine in Magadan in Nordost-Russland. Gibt es bei Kinross geographische Vorlieben?
Grundsätzlich haben wir sowohl bezüglich der Standorte als auch aufgrund unserer Stärken Präferenzen. Zunächst wollen wir geopolitisch möglichst innerhalb Amerikas operieren, vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt. Wir haben nichts gegen Investitionen in Afrika oder Asien, aber wir sind nicht groß genug, dass wir es uns leisten könnten, weltweit nach Projekten Ausschau zu halten. Daneben verfügen wir über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten in nördlichen Regionen, die wir uns zu Nutze machen und auf die wir bauen. Wir haben meiner Kenntnis nach die drei nördlichsten Goldminen der Welt: in Fort Knox, in Lupin und in Kubaka. Das einzige für uns relevante Land außerhalb Amerikas ist Russland, wegen der uns dort vertrauten klimatischen Verhältnisse und unserer darauf spezialisierten Technik.
In Ihrem Jahresbericht 2003 kündigen Sie an, sich aufgrund der eben besprochenen hohen Akquisitionspreise auf "Grassroot"-Explorationen zu fokussieren. Abgesehen von den Übernahmen, wie sieht Ihre Strategie des organischen Wachstums aus? Wie ist der Stand der Explorationsaktivitäten vor allem der vorhandenen Projekte?
Unsere Explorationsaktivitäten der existierenden Projekte sind eher "Brownfield"- statt "Grassroot"-Projekte [Anm. d. Red.: sprich Projekte mit fortgeschritteneren Explorationsaktivitäten]. Ein Großteil unserer für die Exploration vorgesehenen Gelder fließt in das Projekt Round Mountain. Bei einem zuvor unterfinanzierten Grundstück des Echo-Bay-Portfolios haben wir weitere Feinunzen entdeckt. Des Weiteren verfügen wir über das Grundstück Gurupi in Brasilien von TVX, wo wir mit recht großem Aufwand, mit der Erwartung 2006 mit der Produktion beginnen zu können, eine Möglichkeitsstudie finanzieren. Darüber hinaus liegt unser Interesse derzeit nun doch bei den Junior-Unternehmen, anstatt die komplette Explorationsarbeit selbst zu übernehmen, weil der Markt sich seit dem Zeitpunkt der Erstellung des Jahresberichtes 2003 deutlich korrigiert hat.
Seit Mitte dieses Jahres betreibt Kinross seine Goldproduktion völlig ohne Sicherungsgeschäfte für den Goldpreis. Ist es jetzt mit der Erwartung steigender Goldpreise einfacher geworden Investoren zu finden? Wie schätzen Sie die Akzeptanz Ihrer derzeitigen Hedging-Politik bei den Investoren ein?
Jetzt, wo wir völlig ohne Sicherungsgeschäfte auskommen, hören wir hier so wenig darüber. Es gibt Zeiten in denen Hedging sinnvoll ist, aber wahrscheinlich nicht momentan. In den späten 90er Jahren war Hedging sicherlich eine effektive Absicherung. So lange die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Absicherung ab und zu in Anspruch genommen werden muss, macht sie Sinn. Ich bin also nicht grundsätzlich dagegen, aber derzeit besteht bei uns für Hedging kein Bedarf.
Wie äußern Sie sich zu den Umwelt- und Sicherheitsstandards Ihres Unternehmens? In Ihrem Web-Video zum Beispiel beschreiben Sie Ihre diesbezüglichen Bemühungen in Fort Knox. Ist es nicht so, dass zumindest manche dieser Maßnahmen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben sind?
Wir wenden die besten Standards der Industrie an, ich denke, wie die meisten großen Goldminenunternehmen weltweit. Wenn Russland zum Beispiel in einem Teilbereich höhere Standards aufweist als in Nordamerika, und manchmal ist dies der Fall, dann übernehmen wir diesen höchsten Standard und wenden dieses optimale Verfahren in allen Ländern an. Wir bewegen uns auf einem hohen Niveau, manchmal weit über den örtlichen Mindestanforderungen. Dies wird üblicherweise mit dem Begriff Best Industry Practice umschrieben. Auf unsere Umweltschutzmaßnahmen sind wir sehr stolz, denn wir sind diesbezüglich nachweislich einer der vorbildlichsten Unternehmen in unserer Branche. Teilweise resultiert dies aus der Tatsache, dass wir neben den erhebliche Renaturierungskosten durch die Beendigung einiger Operationen nach und nach entsprechende Erfahrungen sammeln konnten.
[Kinross erhielt am 27. Sept. 2004 vom US Bureau of Land Management den Reclamation and Sustainable Development / Hardrock Mineral Environmental Award]