Interessanter Beitrag von Hans-Werner Sinn in der NZZ. Schon bezeichnend, dass bekannte deutsche Ökonomen jetzt schon ins Ausland ausweichen müssen, um überhaupt noch abgedruckt zu werden.
Es geht um das sog. grüne Paradoxon, was im Kern aussagt, dass der unilaterale europäische Ausstieg aus fossilen Brennstoffen diese a) für Drittweltländer günstiger macht (weniger Nachfrage) und b) die Produzenten ermuntert schneller zu fördern, bevor die Ressourcen Öl, Gas und Kohle irgendwann wertlos sind.
"Bisweilen wird vermutet, dass die Senkung der Weltmarktpreise, die durch unilaterale Einschränkungen der Nachfrage hervorgerufen wird, manche Anbieter veranlassen wird, weniger zu fördern. Aber das ist nicht sehr wahrscheinlich, weil nach der ökonomischen Theorie der erschöpfbaren Ressourcen auch marginale Anbieter noch viel Luft bei den Preisen haben.
Es ist im Gegenteil auch denkbar, dass die Ressourcenanbieter auf fallende Preise mit einer Mehrproduktion reagieren. Dies geschieht zum einen, weil sie so kurzfristig die Erlöse stabilisieren können, die für die Finanzierung einiger Staaten eine wichtige Rolle spielen. Zum anderen tun sie es auch, weil sie in den Preissenkungen das Signal einer drohenden Vernichtung ihrer Absatzmärkte sehen und sich deshalb beeilen, ihre Bestände rasch noch zu verkaufen.
Mit diesem Argument, das in der Literatur als «grünes Paradoxon» bezeichnet wird, hat Vickram Bharrat, Minister für natürliche Ressourcen des südamerikanischen Staates Guyana, im August letzten Jahres offiziell begründet, dass sein Land nun die Exploration und den Abbau der eigenen Ölreserven forcieren werde."
https://www.nzz.ch/wirtschaft/…gruenen-misere-ld.1668684