Während Europas Wirtschaft ums Überleben kämpft, investiert Russland in die Zukunft
In Russland wurde auf dem Ostwirtschaftsforum über die Entwicklung der entlegenen Regionen des Landes gesprochen. Die milliardenschweren Entwicklungsprogramme gehen trotz der Sanktionen uneingeschränkt weiter.
Beginn der Übersetzung:
Wie sieht es mit der Wirtschaft in Russland aus? Das wurde auf dem Ostwirtschaftsforum erörtert. 7.000 Gäste aus 68 Ländern kamen nach Wladiwostok. Am Rande des Forums wurden fast 300 Verträge im Wert von rekordverdächtigen 3,27 Billionen Rubel unterzeichnet.
Ein Bericht aus Wladiwostok.
Die Insel Russkiy ist bereits zum siebten Mal Gastgeber des Ostwirtschaftsforums. Das Interesse an der Veranstaltung lässt sich leicht messen, zum Beispiel an der Zahl der Akkreditierungen. In diesem Jahr erhielten 7.000 Teilnehmer und Journalisten eine solche Akkreditierung. Die größte ausländische Delegation kam aus China.
Die Wachstumsraten der führenden asiatischen Volkswirtschaften liegen stetig über dem globalen Durchschnitt. Russland und China werden gemeinsam ein Fördersystem für russische Kohleimporte bauen – vom Terminal im Oblast Amur bis ins chinesische Heihe. Rosatom arbeitet mit chinesischen Partnern am Bau einer Wasserstoffanlage in Sachalin. Der chinesische Yuan wird in naher Zukunft ein ernsthafter Konkurrent des Dollars im internationalen Zahlungsverkehr.
„Sogar die Verbündeten der Vereinigten Staaten reduzieren allmählich ihre Dollarbestände, wie die Statistiken zeigen. Allmählich nimmt aber auch das Volumen der Bezahlung in Dollar ab und die Reserven gehen zurück. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass Gazprom und seine chinesischen Partner beschlossen haben, bei der Bezahlung von Gaslieferungen im Verhältnis 50/50 auf Rubel und Yuan umzusteigen“, sagte Wladimir Putin.
Die Chefs von Gazprom und CNPC unterzeichneten das Abkommen über Zahlungen in nationalen Währungen. Es geht um Lieferungen über die Gaspipeline Power of Siberia. Auch in der Bevölkerung wächst das Interesse am Yuan. Nach Angaben der russischen Zentralbank kauften Russen die chinesische Währung im August für den Rekordbetrag von 39 Milliarden Rubel.
Aeroflot unterzeichnete am Rande des Ostforums das größte Abkommen seiner Geschichte. Rostec wird die Fluggesellschaft bis 2030 mit 339 Flugzeugen aus russischer Produktion beliefern. 210 MS-21-Flugzeuge, 89 Sukhoi Superjet New und 40 Tu-214.
„Unsere Fluggesellschaften, darunter auch Aeroflot, haben das größte Auftragspaket der modernen Geschichte für rund 500 im Inland hergestellte Langstreckenflugzeuge geschnürt. Diese Nachfrage sollte ein starker Anreiz für Flugzeugwerke und Konstruktionsbüros sein. Und für viele verwandte Branchen, einschließlich der Elektronik und der Herstellung von Luftkomponenten“, sagte Wladimir Putin.
Mehr als 60 importierte Systeme und Einheiten in der MS-21 müssen durch russische Analoga ersetzt werden, im Superjet sind es etwa 40. Jetzt werden Lieferanten gesucht und Verträge mit einheimischen Herstellern geschlossen.
Auf dem Forum stellt der Präsident in einer Videokonferenz die neuen Unternehmen vor, die in den so genannten Territorien der fortgeschrittenen Entwicklung Russlands angesiedelt sind. (Anm. d. Übers.: Dabei handelt es sich um russische Regionen im Fernen Osten, die verstärkt gefördert werden) Die Fischkonservenfabrik Kommandor in der Siedlung Oktyabrsky in Kamtschatka ist in der Lage, Seelachs, Hering und Lachs zu verarbeiten – über 220 Tonnen Fisch pro Tag. Die auf der Amur-Werft gebaute Fähre für Fracht, Personen, Autos und Züge „Alexander Deyev“ wird auf der Strecke Vanino-Cholmsk in der Region Sachalin verkehren. Das Trans-Baikal-Getreideterminal ist das erste reine Bahnterminal für Getreide der Welt und das größte in Russland. Seine Umschlagskapazität beträgt acht Millionen Tonnen pro Jahr.
Trotz der Sanktionen ist der Güterumschlag der russischen Seehäfen in diesem Jahr mit knapp einer halben Milliarde Tonnen praktisch unverändert geblieben. In den Häfen des Fernen Ostens gibt es einen Boom. Viele Unternehmen verlagern ihre Handelsströme von Europa nach Südostasien. Das riesige Gebiet und die ganzjährigen Verkehrskorridore sind ein starker Wettbewerbsvorteil. Russland hat ehrgeizige Pläne für den Ausbau des Nördlichen Seewegs und der Eisenbahnlinie „Östliches Polygon“.
„Die Entwicklungsperspektiven sind natürlich groß. Vor allem angesichts der Sanktionen, unter denen wir nun alle stehen, wird die gesamte Logistik umgebaut und wir gehen aus Europa weg. Und viele Unternehmen sind jetzt sehr daran interessiert, ihre Fracht speziell in den Osten Russlands zu liefern“, sagte Verkehrsminister Vitaly Savelyev.
Der Ferne Osten ist ein Testgebiet für staatliche Unterstützungsmaßnahmen. Fast 50.000 Familien haben das Zweiprozent-Hypothekenprogramm bereits in Anspruch genommen. Es wurde beschlossen, das Programm zu verlängern. Der Staat wird jährlich fünf Milliarden Rubel für die Verbesserung der Kleinstädte im Fernen Osten bereitstellen. In den letzten sieben Jahren ist die industrielle Produktion in Fernost um etwa ein Viertel gewachsen – hier gelten besondere Steuer- und Zollprivilegien.
Putin appelliert an die Geschäftsleute, die von den Sanktionen betroffen sind. An die Adresse derer, deren Konten, Immobilien und Yachten im Ausland eingefroren wurden, sagte der Präsident:
Sie hätten diese Boote besser hier behalten und das Geld nicht in ausländische Vermögenswerte, sondern in die Entwicklung der russischen Infrastruktur investiert. Sie hätten nichts verloren. Alles wäre hier, zu Hause. Und sie hätten von dem Geld, das Sie investiert haben, profitiert. Aber gut. Das ist eine Lektion für alle. Ich habe darüber gesprochen und Sie davor gewarnt. Nicht weil ich schlauer bin, sondern weil ich mehr Informationen habe.“
Weiter im Link: Während Europas Wirtschaft ums Überleben kämpft, investiert Russland in die Zukunft – Anti-Spiegel
[/quote]