"ntv.de: Frankreich will Ausbilder in die Ukraine schicken. Wie finden Sie das?
Stefanie Babst: Auf diese Ankündigung habe ich gewartet und hoffe, dass sich beide Seiten bald offiziell einigen. Ich finde es auch sehr gut, dass andere NATO-Regierungen laut darüber nachdenken. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt, hinter dem jedoch ein hochkomplexes Unterfangen steht.
Stefanie Babst war 22 Jahre auf der strategisch-operativen Leitungsebene der NATO tätig. Von 2006 bis 2012 war sie stellvertretende beigeordnete Generalsekretärin der Public Diplomacy Division. Danach leitete sie das strategische Vorausschauteam für den NATO-Generalsekretär und Vorsitzenden des Militärausschusses. 2023 erschien ihr Buch "Sehenden Auges: Mut zum strategischen Kurswechsel".
Frankreich ist das erste Land, das Militärausbilder in die Ukraine schicken will?
Danach sieht es aus. Offenbar sollen in einem ersten Schritt französische Ausbilder in die Ukraine eingeladen werden, um sich die Ausbildungsstätten dort anzusehen. Wie Präsident Macron bereits vor einigen Wochen angedeutet hat, sollen sie dann die Ausbildung ukrainischer Soldaten vor Ort durchführen. Wo und wann genau, an welchen Waffensystemen und unter welchen konkreten Rahmenbedingungen, wird offensichtlich noch von allen Beteiligten diskutiert. Für die Ukraine wäre die Unterstützung einer westlichen Ausbildungsmission in ihrem Land zwar mit zusätzlichen Aufgaben verbunden, dem sogenannten "host nation support", aber generell wäre es für die ukrainische Armee eine Entlastung, wenn sie ihre Soldaten zur Ausbildung nicht permanent in andere Länder schicken muss. Das kostet Zeit, Energie und Personal, die die Ukraine besser nutzen könnten, um sich auf die wesentlichen Frontabschnitte zu konzentrieren. Und mit Blick auf die politische und auch strategische Signalwirkung wäre westliche Ausbildungshilfe vor Ort ein großer Schritt.
Inwiefern?
Weil ich davon ausgehe, dass sich andere NATO-Staaten dem französischen Vorstoß anschließen werden. Am Ende wird es wohl eine Koalition der Willigen sein, die diesen Schritt gemeinsam geht und dem russischen Aggressor damit deutlich aufzeigt, dass sie unter keinen Umständen bereit ist, die Ukraine aufzugeben."