Warum der Schweizer Bankgigant UBS plötzlich seinen Chef gefeuert hat, bleibt unklar. Beobachter munkeln, es habe mit hohen Verlusten hochriskanter Hedge-Fonds zu tun.
Die Nachricht traf die Finanzbranche wie ein Donnerschlag: Peter Wuffli, Vorstandsvorsitzender der Schweizer Großbank UBS, tritt mit sofortiger Wirkung zurück.
Und wenn der weltweit größte Vermögensverwalter den Chef austauscht, wirft das in der Finanzbranche Fragen auf - erst recht, wenn dieser Vermögensverwalter sich gerade mit spekulativen Hedge-Fonds verzockt hat.
Noch ist unklar, weshalb Wuffli letztlich gehen musste. Analysten spekulierten am Freitag, sein plötzlicher Abgang habe mit den hohen Verlusten zu tun, die der Hedge-Fonds-Arm der Bank, Dillon Read Capital Management, erlitten hatte.
Die Bank hatte im Mai angekündigt, den Fonds zu schließen. Zugleich ging in Finanzkreisen die Frage um, ob die Hedge-Fonds-Verluste der UBS womöglich größer sind als bislang bekannt, und ob auch bei anderen Banken ähnliche Verluste auftreten können.
Bislang hatte UBS kommuniziert, die Verluste bei Dillon Read und die Abwicklung des Fonds kosteten die Bank insgesamt 450 Millionen Dollar. Analysten der deutschen Privatbank Sal. Oppenheim zitierten allerdings am Freitag Gerüchte, wonach sich die Verluste auf bis zu einer Milliarde Dollar summieren könnten.
UBS hatte nach der Entlassung Wufflis lediglich angekündigt, das Ergebnis für das zweite Quartal werde im Großen und Ganzen im Rahmen der Analystenerwartungen liegen und positive wie negative Komponenten enthalten.
In puncto Hedge-Fonds im Dunkeln getappt
"Die Möglichkeit höherer Verluste bei Dillon Read mag", so schreibt auch die schweizerische Bank Vontobel über Wufflis Rücktritt, "eine Rolle gespielt haben." Der Bankenspezialist einer führenden Investmentbank sagte allerdings: "Es würde mich angesichts der traditionell vorsichtigen Politik der UBS überraschen, wenn neue große Verluste auftauchen."
Wie bei der UBS im speziellen, tappen selbst Brancheninsider auch bei Hedge-Fonds insgesamt weitgehend im Dunkeln, was mögliche Verluste angeht. Doch nach der Schweizer Großbank hatte auch die amerikanische Investmentbank Bear Stearns im Juni hohe Verluste mit zwei Hedge-Fonds einräumen müssen.
Wie bei der UBS hatten diese sich mit Wetten auf die Kursentwicklung von Hypothekendarlehen mit schlechter Bonität ("subprime loans") verspekuliert. Bear Stearns entschloss sich, einen der Fonds mit 3,2 Milliarden Dollar zu stützen, wie die Investmentbank mit dem anderen verfährt, ist noch unklar.
"Da brodelt einiges"
Hedge-Fonds handeln dabei in der Regel nicht mit den Darlehen selbst sondern mit so genannten Collateralised Debt Obligations (CDOs). In CDOs werden Darlehen gebündelt und nach Risikoklassen neu gestückelt und an Investoren verkauft. Investmentbanker rechnen mit weiteren Problemen bei Hedge-Fonds, die sich mit CDOs verspekuliert haben.
"Da brodelt einiges, sicher wird es weitere Hedge-Fonds-Schließungen geben", sagte der Deutschlandchef einer Investmentbank. Er rechne aber nicht damit, dass es zu einer Kettenreaktion und zu größeren Problemen bei Banken kommt, wenn einzelne Fonds zusammenbrechen.
"In der Hedge-Fonds-Branche insgesamt fallen Fonds, die im amerikanischen Immobilienmarkt spekulieren, kaum ins Gewicht", sagt Oliver Schupp, Präsident der Hedge-Fonds-Analysefirma Credit Suisse/Tremont Index. Insgesamt habe sich die Branche in diesem Jahr besser entwickelt als 2005 und 2006.
So legte der von seiner Firma erstellte Sammelindex seit Januar um knapp acht Prozent zu. Jene Hedge-Fonds, die mit festverzinslichen Papieren spekulieren, erwirtschafteten jedoch im Durchschnitt nur um 3,5 Prozent - zu ihnen zählen auch die CDO-Fonds.
Aus dieser Kategorie haben Hedge-Fonds-Investoren denn auch in den vergangenen 18 Monaten massiv Mittel abgezogen, wie aus Daten von Credit Suisse/Tremont hervorgeht.
Mehr Kredite aufgenommen
Wenn Anleger Mittel abziehen, können Hedge-Fonds in Schwierigkeiten geraten. Sie sind dann gezwungen, verlustreiche Positionen aufzulösen, um die Investoren auszuzahlen, und verstärken so möglicherweise ihre Verluste. Verschärft werden die Probleme, wenn Hedge-Fonds zusätzlich auf Kredit spekulieren.
Nach Angaben der Rating-Agentur Fitch haben Hedge-Fonds, die mit festverzinslichen Wertpapieren spekulieren, diese Kreditfinanzierung zuletzt ausgedehnt. Fitch beruft sich dabei auf Angaben von Banken, die diese Kredite bereitstellen.
Wie groß das Verlustrisiko einzelner Hedge-Fonds ist, können jedoch auch Experten nicht einschätzen. "Die Manager legen nicht offen, wo sie investieren", sagt Schupp.
Damit bleibt jedoch auch offen, wie sehr Banken von Schieflagen bei Hedge-Fonds in Mitleidenschaft gezogen werden können. Investmentbanken wie die Deutsche Bank verweisen stets darauf, sie hätten ihre Risikokontrollsysteme deutlich verbessert. Doch das glaubte man bis vor kurzem auch bei der UBS.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/383/122219/