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Donnerstag 15. September 2005, 09:36 Uhr
Südafrika: Kap im Kurshoch
Regenbogennation Südafrika
Mit einem freundlichen Lächeln grüßt Nelson Mandela seine Landsleute, die wie an jedem Werktag in Massen zu ihm strömen. Schwarze, Weiße, Inder oder Mischlinge sie alle flanieren auf dem Mandela Square im feinen Johannesburger Stadtteil Sandton an der sechs Meter hohen Bronzestatue des Ex-Präsidenten Südafrikas vorbei. Und demonstrieren kurz darauf im wenige Meter entfernten Sandton City Shopping Centre, wie weit das Zusammenleben der Regenbogennation zumindest beim Einkaufsbummel schon fortgeschritten ist.
200 Läden, ein Dutzend Restaurants, Beauty-Salons und Kinos buhlen hier um zahlungskräftige Kundschaft in der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des Landes. Jugendliche aus der schwarzen Mittelschicht suchen im Laden der Modefirma Foschini nach bunten Accessoires, weiße Hausfrauen aus den Vororten schlürfen einen Cappuccino im Godiva-Cafe, während indische Geschäftsleute aus dem nahen Finanzdistrikt Business-Anzüge von Daniel Hechter kaufen.
Der Wirtschaftsaufschwung des Landes geht ins 25. Quartal
Südafrikas Aufschwung läßt sich wohl nirgends anders so gut begutachten wie in den proppevollen Konsumtempeln zwischen Kapstadt und Johannesburg. Zehn Jahre nach Ende der Apartheid herrscht am Kap reichlich Optimismus. Die Statistik bestätigt da nur, was ohnehin augenfällig ist: Vielen der 46 Millionen Südafrikanern sitzen Geldbeutel und Kreditkarte recht locker.
Das Verbrauchervertrauen ist so hoch, die Inflation dagegen so niedrig wie lange nicht mehr. Und der Wirtschaftsaufschwung des Landes geht schon in das 25. Quartal. Es ist der längste Boom seit Ende des zweiten Weltkrieges. Auch für 2005 wird ein Plus von über vier Prozent erwartet. "Die Wirtschaft ist weiter in einer wachstumsorientierten Verfassung", bestätigen die Schwellenländer-Experten der Deutschen Bank.
Musterschüler der Weltbank
Für viele eine gute Zeit für größere Anschaffungen. So schoß der Autoabsatz im August um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben. Gleichzeitig heben die Immobilienpreise weiter ab, die seit 1997 ohnehin schon um über 250 Prozent im Schnitt gestiegen sind. Gutverdienende gönnen sich neben einem Häuschen in Johannesburg auch ein Wochenenddomizil am Krüger-National- Park oder in Kapstadt.
Der Aufschwung ist auch ein Ergebnis der Wirtschaftspolitik der Regierung unter Thabo Mbeki, einem Musterschüler der Weltbank. Mbeki öffnete das Land für ausländische Investoren, treibt die Privatisierung von Staatsbetrieben voran und hat die Steuern gesenkt. Mit Erfolg, wie die steigenden Auslandsinvestitionen, die sprudelnden Steuereinnahmen und die vergleichsweise geringe Verschuldung des Landes beweist. Die weltweit steigende Rohstoffnachfrage hat ihr übriges getan, um den Boom im Land weiter voranzutreiben.
Die Arbeitslosenrate wird auf bis zu 40 Prozent geschätzt
Männer wie Patrick Makabe warten allerdings schon recht lange darauf, daß sich die wirtschaftliche Erholung auch für sie auszahlt. Nur 30 Kilometer entfernt vom glitzernden Einkaufsparadies Sandton entfernt, haust der 26jährige mit Frau und zwei kleinen Kindern ohne Strom und fließend Wasser in einer Zwei-Zimmer-Blechhüte in Soweto. Mit seltenen Gelegenheitsjobs halte er seine Familie über Wasser, klagt Makabe, dessen weißes T-Shirt erste Risse aufweist. Von Zeit zu Zeit würden ihm Touristen ein paar Rand zustecken, wenn sie auf einer Bustour durch das Township an seinem ärmlichen Zuhause haltmachen.
Makabe ist kein Einzelfall. Auf bis zu 40 Prozent wird die Arbeitslosenrate in Südafrika geschätzt. Und trotz des langanhaltenden Booms lebt die Hälfte der Bevölkerung davon meist Schwarze unter der Armutslinie. Und in der Goldindustrie, der das Land seinen Aufstieg zu verdanken hat, sorgte der starke Rand zuletzt für Massenentlassungen.
"Vision 2014" (Südafrika) statt "Agenda 2010" (Deutschland)
Der Druck auf Mbeki und den regierenden ANC ist daher hoch. Das Verhältnis zu den Gewerkschaften ist ohnehin unterkühlt, seit der Präsident seinen designierten Nachfolger und den Gewerkschaftsliebling Jacob Zuma wegen handfester Korruptionsvorwürfen aus dem Amt des Vizepräsidenten gedrängt hat.
Bisher zumindest hat Mbeki aber die Mehrheit der Südafrikaner auch dank weitreichender Versprechen auf seiner Seite. "Wir wollen bis 2014 jährlich 400000 neue Stellen schaffen und die Arbeitslosigkeit halbieren", lautet das ambitionierte Ziel des Regierungsprojektes mit dem Titel "Vision 2014". Milliarden sollen in Infrastruktur-, aber auch in Bildungs- und Gesundheitsprojekte fließen.
Der Zuschlag für die Fußball-WM 2010 hilft psychologisch
Dabei kam Mbeki sehr gelegen, daß die Fußballweltmeisterschaft 2010 im vergangenen Jahr nach Südafrika vergeben wurde. Vor allem psychologisch wichtig war der Zuschlag für die WM, meint Steven Friedman vom Johannesburger Zentrum für Policy Studies. Experten erwarten zudem wirtschaftliche Impulse in Milliardenhöhe. Auch in Soweto, wo das nahegelegene FNB-Stadium umgebaut wird und in Kürze neue Bed- and Breakfast-Gästhäuser auch im Hinblick auf die WM eröffnet werden.
Im neunstöckigen Glaspalast der Johannesburg Stock Exchange drücken sie die Daumen, daß Mbeki wirtschaftspolitisch Kurs hält. Zwischen den Bürokomplexen der Deutschen Bank und ABN Amro liegt das Finanzzentrum des Landes. In der ausladenden Eingangshalle der Börse ragen weiße Säulen nach oben, Teppiche mit bunten afrikanischen Motiven hängen von der Decke.
Wojciech Stanislawski: "Die Qualität der Firmen erreicht europäisches Niveau"
Vor allem aber die vollelektronische Kurstafel über dem weiß-schwarzen Marmorboden erfreut den Börsenhändler nun schon seit längerem. In den vergangenen zwei Jahren eilte der südafrikanische JSE-Gesamtindex von einem Hoch zum anderen. Rohstofftitel wie BHP Billiton und Konsumwerte wie Tiger Brands führen die Gewinnerlisten an.
Wojciech Stanislawski, Fondsmanager des Comgest Magellan ist trotz der politischen Probleme zuversichtlich. Das Investmentrisiko hält er für gering, die Aussichten für weiter Kursgewinne aber hoch. In seinem weltweit anlegenden Schwellenländerfonds sind südafrikanische Aktien daher die stärkste Position. "In Südafrika gibt es viele Firmen mit den hohen Wachstums-Chancen und günstigen Preisen eines Schwellenlandes, wobei die Qualität der Firmen europäisches Niveau erreicht."
Vor- und Nachteile des starken Rand
Einzig der zu starke Rand mache ihm für die Exportwirtschaft ein wenig Sorgen, meint der Manager. Die südafrikanischen Konsumenten dürften das allerdings anders sehen. Im Sandton City Shopping Centre etwa sind ausländische Produkte so billig wie schon lange nicht mehr.
Exkurs:
Südafrika-lastiger Schwellenländerfonds: Comgest Magellan
Die Fondsmanager Wojciech Stanislawski und Vincent Strauss beweisen seit Jahren ihre Extraklasse als Schwellenländerexperten. Der von ihnen gemanagte Comgest Magellan (ISIN: FR 000 029 227
mit der FondsNote 1 legte in den vergangenen drei Jahren um über 100 Prozent zu und hat den MSCI Emerging Markets klar abgehängt. Derzeit setzen die Manager neben Indien und Brasilien mit 16 Prozent auf südafrikanische Aktien. Besonders der Konsumtitel Pick’n Pay und Tiger Brands sowie die südafrikanische Öl- und Gaskonzern Sasol hat es den Managern angetan. Vorteil des Magellan gegenüber reinen Südafrika-Investments: Das Risiko ist breiter gestreut.
Reine Südafrika-Investments: Zertifikate und Fonds
Wer auf Südafrikas Aktienmarkt setzen will, dem steht der EMIF South Africa (ISIN: LU 012 008 449 5) zur Verfügung. Das Management favorisiert Aktien aus dem Finanz-und Gebrauchsgütersektor. Für Fußballfans gibt es von der WestLB das South-Africa-2010-Select-Basket-Zertifikat (ISIN: DE 000 699 888 3) mit elf Aktien, die von der Fußball-WM am Kap profitieren sollten.
http://de.biz.yahoo.com/050915/343/4oswn.html