Montag, 15. März 2004
Hinweise verdichten sich – Angst vor weiteren Anschlägen belastet die Märkte
von Jochen Steffens
Offenbar verdichten sich nun die Hinweise nachhaltig, die auf eine Täterschaft der El-Kaida hinweisen. Nach einem neuen Bekennertonband und mehreren Festnahmen, hat kaum noch jemand Zweifel, dass die El Kaida wieder zugeschlagen hat. Schon wird der 11. März mit dem 11. September in Verbindung gebracht.
Nach meinen Informationen ging sowohl der amerikanische Geheimdienst, sowie der deutsche Geheimdienst bis Samstag noch davon aus, dass die ETA verantwortlich für die Anschläge . Die einzige Schlussfolgerung, die man daraus ziehen kann: Der El Kaida ist es gelungen, unbemerkt von den internationalen Geheimdiensten, eine schlagkräftige Struktur aufzubauen. Das ist mehr als bedenklich, denn es ist Hinweis darauf, dass die EL Kaida wesentlich besser aufgestellt ist, als man bisher gedacht hat. Das bedeutet auch, dass überall und jederzeit auf dieser Welt neue Anschläge möglich sind. Kein Wunder, dass weltweit die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden.
Bisher hatte es lediglich Warnungen vor Anschlägen gegeben. Vielleicht entstand dadurch auch eine trügerische Sicherheit. Auf die Warnungen folgten zwar keine Anschläge, aber diese Warnungen vermittelten die Suggestion, die Geheimdienste seien informiert. Vor diesem Anschlag in Madrid wurde nicht gewarnt. Das Gefühl der scheinbaren Sicherheit ist damit zerstört.
Die Börsen reagierten prompt, der Dax rutschte heute zum Start ins Minus. Danach folgte eine Seitwärtsbewegung – das übliche Warten auf die Amis. Den Amis schmeckte eine schlagkräftige EL-Kaida gar nicht – sie machten sich langsam aber nachhaltig gegen Süden auf und zogen den Dax zum Schluss auf minus 2,67 % oder 3810 Punkte.
Ich habe eine nicht repräsentative(!) Umfrage im Netzt gelesen, wonach 49 % der deutschen Anleger davon ausgehen, es handele sich bei den aktuellen Kursverlusten lediglich um eine größere Korrektur, 19 % gehen davon aus, dass es nun sofort weiter nach oben geht, lediglich 24,5 % rechnen damit, dass die Blase nun geplatzt ist.
Das entspricht allerdings meinem persönlichen Eindruck. Die Bullen sind etwas angeschlagen, vielleicht ein wenig irritiert, aber noch lange nicht nachhaltig verunsichert. Ein schlechtes Zeichen? Dabei ist es nicht ganz abwegig, dass wir Anfang des Jahres die Höchstkurse gesehen haben. Folgende Gründe sprechen dafür:
Die Terrorangst wird nun eingepreist. Das bedeutet, dass in die Gesamtbewertung der wirtschaftlichen Lage in den USA nun die Möglichkeit eines größeren Terroraktes eingerechnet werden muss. Die Geheimdienste haben in Spanien versagt, die scheinbare Sicherheit, die sich immer mehr in den USA aufgebaut hatte, ist angeschlagen – auch das wird eingepreist.
Wie viele Punkte das genau im Dow oder Nasdaq ausmacht, kann Ihnen natürlich keiner sagen, da es ein Abbild subjektiver Verunsicherung der Anleger ist. Deswegen ist es wesentlich interessanter, was eigentlich passieren müsste, um diese Sorge auszugleichen – um neue Höchstkurse an den Indizes zu generieren?
Ich denke nach wie vor, die EL-Kaida ist ein Problem, dass uns noch lange beschäftigen wird. Offenbar handelt es sich nicht um eine straffe hierarchisch ausgerichtete Organisation, sondern um mehrer, mehr oder weniger autonom arbeitendende Zellen. Selbst wenn z.B. Bin Laden gefasst werden sollte, wird dies demnach keinen nachhaltigen Einfluss auf diese Organisation haben. Aktionen in diese Richtung, werden den Markt also eher nicht beruhigen können.
Die andere Möglichkeit: Die Konjunkturdaten müssten sich drastisch verbessern – so zum Beispiel die Arbeitsmarktdaten. Doch falls das eintritt, dann wird natürlich sofort wieder das Thema Zinserhöhungsangst gespielt. Mit anderen Worten, die amerikanischen Indizes haben nach oben nun einen sehr schweren Deckel drauf. Ich glaube nicht, dass sie diesen heben können.
Deswegen ist es mehr als fraglich, ob wir in diesem Jahr noch einmal neue Hochs sehen werden.
Investor-Verlag