Nach den Unruhen wurde von Sprott das Kurzziel sogar auf 3,25 Dollar herabgesetzt. Corriente sah sich genötigt, dazu Stellung zu nehmen. Interessant ist, daß die Sprottanalyse nicht auf der Corriente Webseite zu finden ist, obgleich dort sonst alle Analysen - auch von Sprott - zu lesen sind.
Großer Kehraus bei Corriente Resources - Hedgefonds liquidiert große Position nach politischen Unruhen in Ecuador
28.04.2005 so - GOLDINVEST.de Daily
In den vergangenen Tagen hat bei dem kanadischen Kupferexplorationswert Corriente Resources (TSX: CTQ, Frankfurt WKN 871 464) ein regelrechter Ausverkauf stattgefunden. Seit Veröffentlichung der Durchführbarkeitsstudie hat sich die Aktie - völlig gegen alle Erwartungen - annähernd halbiert.1
Dabei war der Kurssturz wohl kaum auf die im Ganzen positive Studie zurückzuführen. Vielmehr wurden politische Unruhen in Ecuador von einigen Marktteilnehmern als Verkaufssignal verstanden. Maßgeblich zum Kursverfall beigetragen haben die Verkäufe eines großen Londoner Hedgefonds, der 900.000 Aktien an einem Handelstag auf den Markt warf. So etwas nennt man wohl „Bailout“. Das Kuriose dabei ist: Alle Analysten sind sich einig, dass Corriente über eine große, gut definierte Kupferressource mit einer positiven Durchführbarkeitsstudie verfügt und auf der Grundlage seiner Ressourcenbasis unterbewertet ist.
Am Tag nach Veröffentlichung der Durchführbarkeitsstudie veröffentlichte das in Toronto ansässige Analystenhaus Wellington West eine Empfehlung mit dem Rating „strong buy“ und einem Preisziel von CAD 5 auf Sicht von 12 Monaten. „Now the dance begins“, lautete die erwartungsfrohe Überschrift nach der lange erwarteten Durchführbarkeitsstudie. Zur Begründung für die positive Einschätzung verwies die Analystin Catherine Gignac im wesentlichen auf drei Punkte: Erstens auf den Nachweis der Wirtschaftlichkeit des Projekts durch die Feasibility, zweitens auf den starken Hebel zum Kupferpreis und drittens auf das massive Expansionspotenzial des Projekts. Tatsächlich betrifft das Starterprojekt nur 36 Prozent der erfassten Ressourcen. Und eine Änderung des Kupferpreises um 15 Prozent verdoppelt den NPV des Projekts. Zudem hat das Management angekündigt, in wenigen Wochen eine Ergänzung der Durchführbarkeitsstudie vorzulegen. Anstelle des jetzigen Starterprojekts mit einer Kapazität von 25.000 Tonnen pro Tag soll ein Minenbetrieb mit 75.000 Tonnen Tagesdurchsatz vorgelegt werden.
Auch CIBC World Markets sieht Corriente nach wie vor als „Sector Outperformer“ und nennt im Research vom 25. April 2005 CAD 3,60 als Kursziel auf Sicht von 12 Monaten, was gegenüber aktuell CAD 1,66 mehr als eine Verdoppelung bedeuten würde. Der Analyst Stephen Bonnyman weist insbesondere darauf hin, dass das Mirador Projekt von Corriente weltweit zu den wenigen neuen Projekten gehört, die in kurzer Zeit und mit - für die Verhältnisse der Industrie - begrenztem Kapitalaufwand realisiert werden können.
Als einziger Analyst rückt Georg Topping von Sprott Securities das politische Risiko in den Vordergrund. Als Konsequenz aus den Unruhen wird Corriente von Sprott auf „speculative buy“ mit Kursziel CAD 3,25 heruntergestuft. Vorher lautete das Kursziel CAD 5,25. In der neuen Bewertung ist ein erheblicher Risikoabschlag wegen der - aus Sicht des Analysten – stark gestiegenen Risiken in Ecuador eingepreist. Statt wie bisher mit 10 Prozent wurde der NAV (Net Asset Value) mit 15 Prozent diskontiert. Topping sieht vier wesentliche Risiken: Erstens die politische Instabilität, zweitens den Erhalt der Minenlizenz angesichts der möglichen Neubesetzung in der Bürokratie, drittens die Kreditfinanzierung über CAD 200 Millionen, viertens die geringere Übernahmefantasie durch ein Großunternehmen infolge der politischen Situation.
Man wird wohl schon bald sehen können, wie es in Ecuador weitergeht. Der erste Prüfstein wird das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren sein. Das Management hat angekündigt, dass die Unterlagen in den nächsten vier Wochen eingereicht werden. Sollte die Bürokratie innerhalb kurzer Zeit – sagen wir vier Monate – einen positiven Bescheid geben, wäre dies eine enorme Bestätigung für das Projekt. Wichtig ist vor allem, dass Corriente - anders als manche große Minenunternehmen - von Beginn an eng mit der lokalen Bevölkerung zusammengearbeitet hat und dort starken Rückhalt genießt. Um diese Tatsache dürfte keine ecuadorianische Regierung so leicht herumkommen. Erst recht nicht, wenn sich das Land strategisch als Bergbauland positionieren will. Es leuchtet nicht ein, warum sich durch den Wechsel des Präsidenten an diesem Ziel etwas geändert haben sollte.
Das Management von Corriente Resources hat bei einem Conference Call anlässlich der Veröffentlichung der Durchführbarkeitsstudie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei Mirador nur um ein „Starterprojekt“ handelt. Mirador sei in Wahrheit der Beginn des kommenden großen Kupferbergbaudistrikts in Südamerika, nachdem die Möglichkeiten in Chile weitgehend ausgeschöpft seien. Der Markt bezieht diese langfristige Zukunftsperspektive überhaupt nicht in die Bewertung des Unternehmens mit ein – der Preis ist allein unter dem Eindruck der aktuellen „Krise“ zu Stande gekommen. Ebenso wenig wird das Optimierungspotenzial der vorgelegten Studie bewertet. So hat das Management angekündigt, in den kommenden Wochen eine Ergänzung der Durchführbarkeitsstudie vorzulegen, die die Machbarkeit einer Mine mit 75.000 Tagestonnen aufzeigen soll.
Bleibt die Frage, wie es mit einer Übernahme von Corriente steht. Das Management dürfte das Projekt auf dem gegenwärtigen Preisniveau nur unter Zwang aus der Hand geben. Ein solches Szenario ist nicht absehbar – das Management und „parties friendly“ halten genügend Aktien. Die Zeit spielt eindeutig für Corriente. Eine Reihe von mittelgroßen Kupferproduzenten benötigt dringend neues Wachstumsprofil. In Frage kommen nach Ansicht von Analystin Catherine Gignac Unternehmen wie Antofagasta Holdings of Chile, Aur Resources, First Quantum, Inmet Mining, Northgate Exploration, Quadra Mining oder Teck Cominco. Spätestens durch die Vorlage des Minenmodells für 75.000 Tonnen pro Tag wird Corriente für jeden großen Kupferproduzenten attraktiv.
Aber vielleicht überrascht Corriente ja auch den Markt und stellt die kleine Starterproduktion selbst auf die Beine. Das war immer eine Option, die sich das Management offen gehalten hat. Mit der Durchführbarkeitsstudie könnte es Corriente durchaus gelingen, eine Finanzierung zu bekommen und einen Partner für den Minenbetrieb zu finden. Diese Option macht das Unternehmen stark, weil es notfalls auch ohne die Hilfe etablierter Kupferproduzenten vorangehen könnte. Vielleicht schlägt – auf dem neuen 12-Monats-Low- ja doch endlich die Stunde der Investoren, nachdem die Spekulanten (siehe oben) von Bord gegangen sind.
Die Researchberichte sind im Original auf http://www.corrienteresources.de/ hinterlegt
http://www.goldinvest.de/publi…&sc=&i=&y=3233&s=&offset=