Hinter den Börsenindizes versteckt sich die Wirklichkeit einer US-Wirtschaft, die sich in Rezession befindet
- Was sich hinter den offiziellen Nachrichten verbirgt / 29. Januar 2007 -
Hinter den Börsenindizes versteckt sich die Wirklichkeit einer US-Wirtschaft, die sich in Rezession befindet
Den GEAB-Lesern geben wir jeden Monat die Möglichkeit, sich über die Wahrheit, die sich hinter den veröffentlichten Nachrichten verbirgt, zu informieren und die entscheidenden Tendenzen des kommenden Monats, insbs. im Wirtschaft - und Finanzensektor zu erkennen. Diesmal und ausnahmesweise wird LEAP/E2020 jedoch seinen Service allen Besucher seiner Webseite offerieren, um damit einer möglichst großen Zahl an Leser zu ermöglichen zu erkennen, was tatsächlich hinter den Meldungen steckt, die uns die großen Medien tagtäglich servieren.
Halten wir uns also einmal vor Augen, dass die "Technologiewerte" nach den Analysen der Finanzpresse und der US-Geschäftsbanken die treibenden Marktkräfte 2007 darstellen sollen; nun wollen wir mit dieser Aussage die Realität vergleichen, indem wir uns die in der letzten Woche veröffentlichten Geschäftsergebnisse der großen amerikanischen Konzerne, die Berichterstattung und die Marktreaktion darauf einmal genauer anschauen:
1. Yahoo verzeichnet eine spektakulären Gewinneinbruch (61% weniger als im vorigen Berichtszeitraum - Yahoo Finance), aber da die Cheerleaders der Finanzpresse diese Nachricht anreichern mit der Aussage "Morgen sieht wegen des on-line-Verkaufs von Werbefläche dank des Systems mit dem Namen Panama alles besser aus" kann der Aktienkurs Zuwächse verzeichnen. Mit anderen Worten, Yahoo verdient deutlich weniger Geld, aber sein Aktienkurs steigt, nur weil die Finanzpresse (und dazu zählt Yahoo Finance) und besonders fähige "Finanzberater" eine unbestimmte Hoffnung nähren.
2. AMD und Intel, die beiden tragenden Pfeiler der neuen Technologien (denn sie produzieren das Herzstück aller Rechensysteme, nämlich die elektronischen Chips) verzeichnen Verluste bzw. eine starke Verschlechterung ihrer Ertragslage, da ein nachhaltiger Preiskampf entflammt ist. Aber Analystenaussagen, nach denen "Morgen alles besser sein wird" reichen aus, damit die Aktien steigen. Aber eigentlich sollten die Investoren die Krise, in der diese beiden Unternehmen stecken, zum Anlass nehmen sich darüber Gedanken zu machen, ob der Technologiesektor wegen der immer härter werdenden globalen Konkurrenz nicht vielleicht auf wackeligen Füßen steht.
3. Die Erträge von Microsoft gehen um 28% zurück (Market Watch Dow Jones), weil sein neues Betriebssystem Vista später als vorhergesehen auf den Markt kommen wird, aber es verspricht - und dieses Versprechen wird unisono von den Analysten hinausposaunt -, dass die Marktreife nur eine Frage der Zeit sei; dabei gibt es für ein neues Betriebssystem keine gesteigerte Nachfrage von Seiten der Nutzer des Systems YP (die wir fast alle ja sind), und sein Mehrwert wird von so seriösen Fachleuten wie von CNET als quasi null eingestuft. Aber aufgrund der ja so positiven Analysen steigt der Aktienkurs von Microsoft.
4. Motorola verzeichnet einen Ertragsrückgang um 48% für das vierte Quartal 2006 (und von 20% für das ganze Jahr) (La Tribune), aber die schlichte Ankündigung - wiederum dankbar von der Presse und Analysten aufgegriffen und verbreitet -, dass das Unternehmen 3.500 Stellen im Jahr 2007 abbauen werde, führt zu einem steigenden Aktienkurs. Es ist hierbei interessant festzuhalten, dass, wie auch bei Microsoft mit seiner XBox, Motorola zwar seinen Umsatz steigern konnte; aber offensichtlich zwingen die abnehmende Kaufkraft der US-Verbraucher und die sich verschärfende europäische und asiatische Konkurrenz das Unternehmen, seine Produkte mit Verlust zu verkaufen. Damit erweist sich auch hier: die Achillesferse der US-Wirtschaft sind die Zahlungsunfähigkeit der US-Verbraucher (GEAB N°9) und die Globalisierung. Das mag die herrschende veröffentlichte Meinung so anders sehen wie sie will; eine noch so große Zahl an Zeitungsartikeln und Pressemittteilungen vermag nicht die Wirklichkeit zu ändern.
5. Caterpillar kann nur dank seiner Umsätze im Ausland noch gute Bilanzzahlen vorlegen, denn in den USA ist Umsatz wegen der Krise am Immobilienmarkt eingebrochen, aber die Analysten interpretieren die Zahlen von Caterpillar als ein gutes Vorzeichen für die US-Wirtschaft ... mit der Begründung, dass gute Caterpillarzahlen traditionnel Rückschlüsse auf eine gute US-Wirtschaftlsage zulassen. Jedoch weisen diese Zahlen, genauso wie die Verlautbarungen des Unternehmenvorstands, gerade auf das Gegenteil hin; denn nach ihnen werden auch im Jahr 2007 gute Erträge erzielt werden "trotz eines erheblichen Rückgangs von zwei Schlüsselbereichen in Nordamerika, nämlich der Nachfrage nach Baumaschinen für Hoch - und Tiefbau, sowie einer voraussichtlichen Reduzierung der Lagerhaltung der Konzessionäre" (Boston Business Globe). Das sind natürlich gute Gründe für einen Anstieg des Aktienkurs, wie er in der letzten Woche verzeichnet werden konnte.
6. Während Ford die größten Verluste in seiner 103-jährigen Geschichte bekannt geben muss (MSNBC), nämlich beinahe 13 Milliarden US-Dollar, verzögert General Motors aus unerfindlichen Gründen die Veröffentlichung seines Geschäftsberichts um eine noch nicht genau bestimmte Zeit (CNN Money). Hierzu sei angemerkt, dass vor kurzem zwei große US-Unternehmen genauso vorgegangen waren, nämlich KB Home (Market Watch Dow Jones) und Fanny May (GEAB N°11), um dann mit einigen Monaten Verspätung Riesenverluste bekannt zu geben. Aber die Aktienkurse von Ford und GM kletterten letzte Woche dennoch, denn die Finanzpresse und die Geschäftspresse ließen verlauten "Morgen sieht es besser aus".
Wir können hier nicht über alle Unternehmen und Kurse schreiben, denn die Liste wäre zu lang. Jedoch gibt es eine einfache Erklärung für die von der Finanzpresse und den Geschäftsbanken betriebenen Falschinformationen: die großen Geschäftsbanken in den USA sind selber unentwirrbar in die Spekulationswelle der letzten Jahre verstrickt, deren Hauptvektoren die Hedgefonds und die Finanzierungsmethoden der US-Immobilienblase sind. Wegen der nun einsetzenden US-Rezession bleibt ihnen, um einen Absturz zu vermeiden, nur, Zeit zu schinden, während sie sich auf anderen Bereichen positionieren, indem sie den Aktieninvestoren und einachen Sparern vorgaukeln, mit der US-Wirtschaft sehe es weiter rosig aus. Wenn die Rezession sich wegen des Platzens der Kreditblase zu einer Depression vertiefen wird, werden die großen Banken und Investoren schon den Markt verlassen haben. Und die anderen haben halt Pech gehabt!
Zur Klarstellung: "Unser Blick hinter die veröffentlichten Nachrichten" sowie die anderen Veröffentlichung von LEAP/E2020 sind nicht für die geschrieben, die um jeden Preis ihre rosarote Brille auf der Nase behalten wollen! Wenn eine Krise droht, ist Weitsicht die einzige Hoffnung, sich vor Schaden zu bewahren.
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