Moin Moin,
Chinas Immobilienkrise: Die Evergrande-Gruppe beantragt Insolvenz, NZZ 18.08. 2023
Vor zwei Jahren geriet der Immobilienentwickler aus Südchina in schwere Turbulenzen. Seitdem versucht er eine Restrukturierung seiner Schulden. Jetzt hat der Konzern Gläubigerschutz beantragt.
Am Donnerstagabend hat der schwer angeschlagene Evergrande-Konzern bei einem New Yorker Gericht Gläubigerschutz nach Chapter 15 beantragt. Mit dem Schritt will das mit 300 Milliarden Dollar verschuldete Unternehmen seine Vermögenswerte in den USA vor dem Zugriff von Gläubigern schützen, während das Management über eine Restrukturierung der Schulden verhandelt.
Evergrandes Insolvenzantrag kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die Immobilienkrise in China rasch ausweitet und droht, auf den Finanzsektor überzugreifen. Inzwischen ist auch der bis vor kurzem als gesund geltende Entwickler Country Garden in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Experten gehen davon aus, dass bald weitere Konzerne folgen werden.
Evergrande, Chinas zweitgrösster Immobilienkonzern, verhandelt seit Monaten mit ausländischen Gläubigern über eine Restrukturierung seiner Schulden. Im April erklärte das Unternehmen, es sei noch nicht gelungen, eine Einigung über den Plan für eine Umschuldung zu erzielen.
Am Mittwoch hatte Evergrande bekanntgegeben, dass ein für den 23. August geplantes Treffen mit Gläubigern auf den 28. August verschoben worden sei. Auch die Evergrande-Tochter Tianji beantragte am Donnerstag bei einem Gericht in Manhattan Gläubigerschutz nach Chapter 15.
Eine erfolgreiche Restrukturierung ist kritisch
Eine erfolgreiche Restrukturierung der Evergrande-Schulden ist kritisch für Chinas Finanzsystem. Ein Scheitern hätte vermutlich gravierende Folgen für chinesische Banken, aber auch für Chinesinnen und Chinesen, die bei Evergrande eine Wohnung gekauft haben.
Im Dezember 2021 hatte der Konzern aus dem südchinesischen Guangdong eine Obligation nicht mehr bedienen können. Für die Jahre 2021 und 2022 verbuchte das Unternehmen einen Verlust von insgesamt 81 Milliarden Dollar.
Hunderttausende von Chinesen haben bei Evergrande Wohnungen gekauft, die noch nicht fertiggestellt sind. Als das Unternehmen zeitweilig die Bauarbeiten wegen Liquiditätsproblemen einstellen musste, hatten aufgebrachte Käufer die Ratenzahlungen für ihre Darlehen gestoppt.
Auch Country Garden soll gemäss chinesischer Medienberichte 650 000 Wohnungen verkauft haben, mit deren Bau noch nicht einmal begonnen wurde. Die Immobilienkrise birgt deshalb enormen sozialen Sprengstoff. Die meisten Chinesinnen und Chinesen haben das Vertrauen in den Markt inzwischen restlos verloren.
Chinas Regierung ist alarmiert. Am Donnerstagabend erklärte die Zentralbank, sie werde eine spezielle Kreditlinie für Immobilienentwickler bis Mai 2024 verlängern. Im vergangenen November hatte die Zentralbank Geschäftsbanken eine Kreditlinie mit einem Volumen von 28 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Die Banken können damit zinsfreie Kredite an Immobilienentwickler vergeben. Mit dem Geld sollen diese bereits verkaufte Wohnungen fertigstellen.
Auch staatliche Unternehmen geraten in den Abwärtsstrudel
Chinas Immobilienkrise zieht indes immer weitere Kreise, nicht mehr nur private, sondern auch Unternehmen in Staatshand geraten offenbar in Schwierigkeiten. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichneten 18 von 38 staatlich kontrollierten Immobilienentwickler in der ersten Jahreshälfte Verluste. Im Vorjahreszeitraum waren es bloss 11 gewesen.
Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht, denn die Chinesen, die in der Vergangenheit zum Grossteil Wohnungen als Geldanlage gekauft haben, haben den Glauben an stetig steigende Preise verloren. Die Folge: Gerechnet nach Fläche sanken die Verkäufe von Wohnungen und Häusern während der ersten sieben Monate des Jahres um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Wohnungspreise in den 70 grössten Städten fielen im Juli im Vergleich zum Juni um 0,23 Prozent.
Mein Kommentar:
Was ist das Geld wert, wenn es nichts kostet?
Wer wird nach den Pleiten von Evergrande und Country Garden in China noch eine nicht fertig gestellte Immobilie kaufen? Der Immobilienmarkt dürfte für lange Zeit dahinsiechen. Die Immobilien stehen, wenn ich mich recht erinnere, für 30% des chinesischen BIPs und da dürfte noch mehr dran hängen. Ein Riesentanker legt eine Vollbremsung hin. Der Verbrauch von Rohstoffen dürfte stark zurückgehen - ebenso die Preise. Die 0% Kredite stehen ja nur für die Fertigstellung der verkauften Immobilen zur Verfügung.
Die Schulden haben jetzt die Banken in den Büchern - auch westliche. Evergrande wird letztlich die Vermögenswerte außerhalb Chinas für einen Vergleich mit den westlichen Banken herausgeben müssen. Die wollen keine Immos in China.
Die Insolvenz hat Auswirkungen auf liquide Assets, wie Anleihen, Aktien, Bitcoin und EM, die verkauft wurden und werden um die Liquidität der Betroffenen Institute zu sichern - so sieht es zumindest Christian Vartian.
Zitat: "Einen Ölpreis quotiert und vertraglich ausgemacht in USD mußte man nie in USD zahlen (man konnte), man hätte ihn schon immer in Rupien oder polnischen Zloty ... zum Tageskurs zahlen können. Man brauchte schon seit Jahren keine USD zu halten, um Öl zu kaufen. Eine wirkliche erste Chance zur "Bedeutungsreduktion des USD" gibt es genau jetzt und zwar: Die PBoC senkte ihr ein Jahres Repo auf sehr interessante 2,5% bis 2,6% Jahreszins in YUAN.
Wenn sie das zu diesen Konditionen jetzt auch jedem Ausländer borgt, DANN beginnt der YUAN massiv an Bedeutung zu gewinnen. 2,6% ist deutlich billiger als der Zinssatz in USD oder EUR. Eine weltweite Zunahme der Verschuldung in YUAN wäre der lange angekündigte Bedeutungsgewinn, das Tor ist offen, der Tormann (die FED) auf selbstgewähltem Urlaub und der Elfmeter leicht zu schießen, FALLS CHINA WILL."
Also raus mit den frisch gedruckten Yuan in die Welt. Kreditausfälle werden - nach harten Verhandlungen - mit der Notenpresse ausgeglichen. Die Droge Fiat kommt dann eben aus China?
Bonds, Aktien, Bitcoin und EM explodieren in YUAN und ... wenn die anderen nachziehen.
Also der endgültige Crackup Boom - die Katastrophenhausse?
Ich vermute, dass nun erst einmal überall nachgerechnet und überlegt wird, was die 380 Mrd. (300 von Country Garden) "plötzlich" verschwunden Dollar für das eigene Unternehmen (nicht nur Banken auch Lieferanten und Bondhalter=Pensionskassen können betroffen sein) bedeuten.
Vielleicht sehen wir schon am Montag erste Reaktionen an den Märkten?
Vielleicht könnt ihr trotz des Sonnenscheins eure Einschätzung hier teilen.
LG Vatapitta