07. September 2007
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„Während die Krise anhält, verschärft sie sich“
Wie unwillig die Geschäftsbanken jedoch sind, anderen Kreditinstituten über einen etwas längeren
Zeitraum Geld auszuleihen, zeigt sich daran, dass der Satz für Dreimonatsgeld weiter ungewöhnlich
hoch ist. In Großbritannien ist er mit 6,89 Prozent sogar über den Strafzins von 6,75 Prozent gestiegen,
den die Bank von England für Finanzierungsgeschäfte über ihre Notfallkreditlinie berechnet.
............. „Während die Krise anhält, verschärft sie sich, weil sie auf andere Marktsegmente übergreift.
Dies heißt, die Zentralbanken müssen intensiver handeln“, warnt Dresdner Kleinwort.
Auch bei Barclays Capital heißt es, die Gefahr sei groß, dass über die derzeit völlig verzerrten
Geldmarktsätze auch die Liquidität an den Swap- und Devisenterminmärkten austrockne, weil diese
Märkte über die Referenz zu den Geldmarktsätzen (Libor und Eonia) direkt an den Geldmarkt
gekoppelt seien.
„Das wird Sie lehren, nicht mehr zu rauchen“
Wie ernst zumindest einige Marktteilnehmer die Situation sehen, drückte ein Aufruf von Paul Mortimer-
Lee, Chef für Market Economics bei der französischen Bank BNP Paribas, in einem Leserbrief in der
„Financial Times“ aus. Er warf den Notenbanken vor, in dieser Krise viel zu sehr auf ihr Mandat der
Inflationsbekämpfung zu achten. Sie wollten um jeden Preis den Eindruck vermeiden, den Banken
ungerechtfertigt aus der Patsche zu helfen.
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Die Notenbanken müssten die Zinsen senken, in „massiver Höhe“ Liquidität in den Markt geben und
die Banken anhalten, untereinander mehr Geld auszuleihen. .......... „Die bisherigen Liquiditätszufuhren
haben versagt, die längerfristigen Geldmarktgeschäfte funktionieren nicht mehr, und die Kreditklemme
kommt.“
Sind Zinssenkungen als Ansporn für Banken geeignet?
„Je nachdem, wie sich die Krise entwickelt, wird die Europäische Zentralbank die bei
Geldmarktgeschäften verlangten Sicherheiten anpassen müssen“, heißt es bei Goldman Sachs. Nach
der Federal Reserve reagierte am Donnerstag die australische Notenbank und verkündete, sie werde
für Geldmarktoperationen als Sicherheit nun auch mit Hypotheken besicherte Wertpapiere und
forderungsbesicherte Commercial Paper (ABCP) akzeptieren.
„Angesichts einer solchen Krise sollte gelten: Alles, was sich irgendwie bewerten lässt, sollte als
Sicherheit für Geldmarktgeschäfte, vor allem für die Notfallkreditlinie, akzeptiert werden“, sagt Willem
Buiter, Professor an der London School of Economics European Institute. Wenn sich derzeit keine
Marktpreise finden ließen, müsse die Notenbank selbst einen Preis mit Abschlag festlegen. Die
Notenbanken müssten Banken auch einräumen, sich im Notfall nicht nur über Nacht, sondern bis zu 30
Tage zu refinanzieren.
„Es könnte zu einer ernsten Kreditklemme kommen“
Barclays Capital fordert, möglicherweise müssten gar die Vorschriften für die
Eigenkapitalunterlegung kurzfristig gelockert werden. Zahlreiche Banken müssen derzeit nämlich mit
eigener Liquidität einspringen, um die von ihnen aufgesetzten Zweckgesellschaften (Conduits) zu
finanzieren. ............, müssen die Banken einspringen, ihre Conduits selbst finanzieren und damit auf
die Bilanz nehmen.
Diese Verlängerung der Bilanz muss freilich finanziert werden. Die Banken tun dies, in dem sie
überschüssige Liquidität nicht mehr an den Markt abgeben, was zu den derzeit so extrem hohen
Geldmarktsätzen führt. Wollen sie zusätzlich zur Finanzierung ihrer Zweckgesellschaften neues
Kreditgeschäft tätigen, müssten sie möglicherweise nach derzeitigen Eigenkapitalanforderungen
Kapital aufnehmen oder Anlagepositionen verkaufen, warnt Barclays Capital. „Sollten die
Eigenkapitalanforderungen also unverändert beibehalten werden, könnte es in nächster Zeit, wenn
sich die Banken refinanzieren müssen, zu einer ernsten Kreditklemme kommen“, warnt die britische
Bank.
„Gefahr, dass Banken in die Insolvenz schlittern“
Barclays Capital fordert zudem, dass die Krise am Geldmarkt schnell gelöst werden müsse. Derzeit gibt
es zahlreiche Banken, die sich nur noch tagesweise am Markt refinanzieren können. „Keine Bank kann
aber effizient funktionieren, wenn sie gezwungen ist, sich jeden Tag aufs Neue Geld zu beschaffen“,
warnt Barclays Capital. „Wenn die Klemme am Geldmarkt nicht gelöst wird, werden die
Volkswirtschaften letztlich einer Situation ausgesetzt sein, die einer extrem restriktiven Geldpolitik
gleichkommt. Die Gefahr ist, dass Banken in die Insolvenz schlittern“,warnt Barclays Capital.