Risiko Anleihen: In Bilanzen der Banken schlummern Milliardenverluste
Laut einem Artikel aus dem Wall Street Journal vom 11. November schlummern in den Bilanzen der Banken immense Risiken, die Erträge und Liquidität der Institute massiv beeinträchtigen könnten: Denn die rasante Zinserhöhung der FED hat die Kurse von Anleihen in diesem Jahr stark belastet. Schließlich sorgen steigende Zinsen bei Anleihen für fallende Kurse, um sich dem neuen Marktzins anzupassen. Die Banken stecken somit in einem Dilemma, denn während die Zinsen, die sie für Einlagen und andere Finanzierungsquellen bezahlen, steigen, bleiben die Renditen der Anleihen, die sie besitzen, niedrig. Die Zinsen, die aktuell am Markt aufgerufen werden, waren schließlich noch vor gut einem Jahr unvorstellbar. Teilweise lagen sie bei Staatsanleihen höchster Bonität sogar im negativen Bereich.
Die Zinserhöhungen der FED bedeuten also, dass die meisten der von den Banken gehaltenen Anleihen unter dem Kurs gehandelt werden, die sie dafür bezahlt haben. In ihren Bilanzen können Banken die Anleihen zu den Anschaffungskosten ausweisen, sofern sie diese mit dem „Held-to-Matury-Label“ (HTM) kennzeichnen (Übersetzung: bis zur Endfälligkeit gehalten).
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Welche Banken aus dem KBW-Index stehen besonders schlecht da?
Die Bank of America ist das Institut mit der größten Lücke zwischen Buch- und Marktwert. Ihre letzte Bilanz wies Anleihen mit dem „Held-to-Maturity-Label“ in einem Wert von 644 Milliarden US-Dollar aus, der aktuelle Marktwert dieser Position beträgt 528 Milliarden US-Dollar. Die Differenz von 116 Milliarden US-Dollar entspricht 43 Prozent des gesamten Eigenkapitals von 270 Milliarden US-Dollar, bewertet zum 30. September. Vor Beginn der Zinserhöhungen lag die Lücke zwischen Markt- und Bilanzwert bei nur knapp einem Prozent. Die Bank of America hat sich hierzu über ihren Sprecher William Halldin in einer Email geäußert: „Unser Kapital und unsere Liquidität bleiben stark und liegen weit über den Anforderungen.“ Obwohl die Bank mit Einlagen überschwemmt wird, hat sie die Zinsen auf diesen Konten nicht sonderlich erhöht. Nun wird klar, warum das so ist.
Bei der SVB Financial Group, der Muttergesellschaft der Silicon Valley Bank, beträgt die Differenz zwischen Buch- und Marktwert zum 30. September 15,9 Milliarden US-Dollar und übersteigt sogar leicht das gesamte Eigenkapital von 15,8 Milliarden US-Dollar. Der Finanzvorstand der SVB, Dan Beck, äußerte sich hierzu ebenfalls in einer Email: „Dies hat keine Auswirkungen auf die SVB, da wir, wie bereits in unserer Telefonkonferenz zum 3. Quartal dargelegt, nicht beabsichtigen, unsere HTM-Wertpapiere zu verkaufen.“
Wells Fargo & Co. weist eine Lücke zwischen Buch- und Marktwert von fast 45 Milliarden US-Dollar zum 30. September aus. Dies entspricht rund 25 Prozent des Eigenkapitals. Wells Fargo lehnte bisher jede Stellungnahme zu diesem Thema ab.
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Welche Möglichkeiten haben Banken, ihre Anleihen in der Bilanz auszuweisen?
Die Banken haben drei Möglichkeiten, ihre Anleihen-Bestände in der Bilanz auszuweisen. Bei der Kennzeichnung mit dem „Held-to-Maturity-Label“ werden die Verluste nicht ausgewiesen und fallen aus der Formel zur Berechnung des Eigenkapitals durch die Regulierungsbehörden raus. Würden die Banken die Position als „Handel“ einstufen, wären sie verpflichtet, die nicht realisierten Verluste bei der Berechnung des Eigenkapitals und der Erträge auszuweisen. Die dritte Möglichkeit „zum Verkauf verfügbar“ schließt die Verluste zwar aus den Erträgen aus, allerdings nicht aus dem Eigenkapital. Mittlerweile haben die ersten Banken bereits damit begonnen, Positionen aus dem „Handel“ und dem „zum Verkauf verfügbar“ in die HTM-Kategorie umzuschreiben, um die Auswirkungen für das Eigenkapital zu minimieren.
Das Konzept der HTM-Bewertung basiert auf der Annahme, dass die Banken ihr Kapital ja zurück erhalten. Dadurch verringert sich die Volatilität bei den ausgewiesenen Erträgen. Aber es gibt auch unvorhergesehene Marktentwicklungen, die zu einem Verkauf zwingen könnten. So waren viele britische Pensionsfonds im letzten Monat gezwungen, Staatsanleihen zu verkaufen, um Margin-Calls zu bedienen, die durch den schnellen Anstieg der Anleihen-Renditen ausgelöst wurden. Finanzmarktwelt.de hat hierüber ausführlich berichtet.
Droht eine neue Finanzkrise im Bankensystem? Ed Ketz, Professor für Rechnungswesen an der Pennsylvania State University, spricht die lauernde Gefahr etwas deutlicher aus: „Aber stellen sie die Frage, was ist, wenn die Inflation nicht vorrübergehend ist? Die Bestände sind riesig, absolut riesig.“
Mein Kommentar:
Die Banken sind sozusagen mit einem hohen Anteil ihres (Eigen-)Kapitals in niedrig verzinsten Staatsanleihen gefangen. Da sie für Einlagen höhere Zinsen zahlen müssen, als sie aus den Anleihen erhalten, führt das letztlich zu Verlusten in der Bilanz. Die Frage lautet also, ob es für die Banken von Vorteil ist abzuwarten und die Probleme auszusitzen?
Das ist m. M. n. ganz eindeutig nicht der Fall!
Bei einem Verkauf großer Anleihebestände fällt deren Kurs und die Buchverluste der Banken, die noch nicht verkauft haben nehmen zu. Das bedeutet, wer zuerst umfällt, hat den geringsten Schaden. - Wer möchte da nicht erster sein?
@woernie - Dir war aufgefallen, wie schlecht die US Bonds gegenüber Junkbonds abschneiden. - Das könnte eine Erklärung sein.
Interessante Zeiten.
LG Vatapitta