Dr. Michael Burry (der Mann, der den Immobiliencrash vor der Finanzkrise 2007 richtig vorhergesagt hat und damit reich geworden ist) sagt den hyperinflationären US-Dollar-Crash voraus und vergleich die heutige Situation mit Weimar:
Die Inflation in Deutschland kann nicht rein monetär verstanden werden, sondern nur im Zusammenhang der allgemeinen Geschichte: Weltkrieg, Niederlage, Revolution, Ruhrbesetzung und passiver Widerstand dagegen ("Ruhrkampf").
Mit wenig Ausnahmen hatte das Volk im Krieg alles gegeben: In runden Zahlen eine Million Kriegsfreiwillige, über 13 Millionen Einberufene (d.h. etwa jede fünfte Person, praktisch alle tauglichen Männer von 18 bis 45), zwei Millionen Gefallene, vier Millionen Verwundete, davon eine Million invalide, eine Million in fremder Gefangenschaft, Hunger, "Gold gab ich für Eisen"... Ich werte das nicht, ich stelle nur fest. Alles war umsonst, das Ergebnis war Versailles. Dazu der Verlust der Monarchie, an der viele hingen. Das wirkte desillusionierend und demoralisierend.
Im Krieg hatte man Steuererhöhungen möglichst vermieden, um das Volk nicht auch noch damit zu belasten. Über Kriegsanleihen nahm man das überschüssige Geld wieder aus dem Kreislauf. Das funktionierte lange gut, zuletzt nicht mehr. Wieder in runden Zahlen: Volkseinkommen bei Kriegsbeginn 50 Milliarden Mark, Kriegsausgaben 150 Mrd., davon durch Kriegsanleihen gedeckt 100 Mrd., Rest kurzfristige Reichsbanktitel.
Dann kamen gewaltige Reparationslasten in Geld und in Natur, zusätzlich zu den Kriegsfolgen im Innern. Trotz allem funktionierte die Währung, wenn auch nicht ohne Wertverlust, wie Burry ja beschreibt.
Und dann kam die Ruhrbesetzung, begründet mit Rückständen bei Reparationen; der wahre Grund war wohl die französische Angst vor einem Wiedererstarken Deutschlands. Passiver Widerstand dagegen war die einzige Möglichkeit und nationale Pflicht, da konnte man keine Rücksicht auf die Währung nehmen. Nach einigen Monaten brach sie dann zusammen, d.h. sie hörte auf zu funktionieren.
Sind vier Jahre Trump ebenso demoralisierend wie vier Jahre verlorener Weltkrieg? Bei aller Abneigung gegen Trump kann ich das nicht bejahen. Ist Corona vergleichbar mit dem Ruhrkampf? Auch das glaube ich nicht. Beide male wird zwar viel Geld ausgegeben, aber die Ausgangslage ist sehr verschieden. Die USA haben eine ganz andere Stellung in der Welt als Deutschland 1923. Die Produktivkräfte sind außerdem viel weiter entwickelt als damals.
Fazit: Mit historischen Vergleichen sollte man vorsichtig sein. Der Dollar wird an Wert verlieren (wieviel?), aber nicht zusammenbrechen - denke ich.
Gruß! Fritz