Wildkatze,
Eure Lebensweise, wie Du sie schilderst, erinnert mich lebhaft an unsere Wohngemeinschaft seit 1972. Allerdings leben wir in der Stadt, Landwirtschaft ist nicht, nur ein für die Lage großer Garten. Auch haben wir nicht die ganzen Einkommen sozialisiert, sondern nur 60 %. Davon haben wir das Haus bezahlt (anfangs hoch verschuldet) und alles, was im Haus ge- und verbraucht wurde. Alkohol, Klamotten, Urlaub usw. blieben privat.
Beim Einzug, der nur in Raten möglich war, waren wir vier Familien: acht Erwachsene und sechs Kinder. Das siebte wurde nach sechs Wochen geboren, das achte nach zwei Jahren. Auch kamen Einzelpersonen dazu. In der Spitze waren wir, glaube ich, 18 Personen. Heute sind davon noch drei Alte übrig, die Jüngste ist 76. Die drei haben zusammen sieben Kinder und vierzehn Enkelkinder. Die leben übers Land verstreut, kommen aber alle gerne her, weshalb wir viel Platz für Besuch haben.
Die Vorteile einer solchen Lebensweise sind ungeheuer: Nur eine Küche und nur einmal die Woche kochen; dafür lohnt es sich dann auch. Nur eine Waschmaschine usw. Nur eine Fahrt zum und vom Kinderladen täglich statt vier. Immer Spielgefährten für die Kinder zur Hand; die Kindergruppe gewinnt an Selbständigkeit, was die Erwachsenen entlastet. Mehr als zwei erwachsene Ansprechpartner für die Kinder; gemeinsame Kinderbetreuung. Und jeder Erwachsene kann berufliche und häusliche Tätigkeit nach Gusto kombinieren, natürlich unter Beachtung der Notwendigkeiten, aber es hat immer gepasst.
Die Kleinfamilie hat eine deutlich suboptimale Betriebsgröße, der/die Single erst recht. Würde man sich öfter fragen, wem die fortschreitende Vereinzelung eigentlich nützt, könnte man wichtige Erkenntnisse gewinnen. Und wenn ich das Gejammer der Alleinerziehenden höre, frage ich mich immer: Wer hindert sie denn, sich zusammenzutun? Sie brauchen ja deshalb nicht gleich lesbisch zu werden.
Gruß! Fritz