Es wird das Recht verkauft, bei Dir als Schuldner die Schulden eintreiben zu dürfen. Dadurch werden ja die Schulden nicht weniger! Der Gläubiger bekommt deshalb weniger für den Kredit, weil eben ein Risiko besteht, dass am Ende weniger Geld rauskommt, als geschuldet wird
Äh...ich weiß wovon ich rede. Natürlich werden sie nicht weniger, obwohl der Gläubiger weniger dafür erlöst.
Ich finds aber nunmal in moralischer Hinsicht eine Schweinerei, dass der Schuldner nicht für den selben Betrag ablösen darf, für den ein Gläubiger die Forderung weitergibt. Dass das ganze derzeit juristisch einwandfrei ist, ist mir vollkommmen klar. Mit einem solchen Vorkaufsrecht wären die ganzen Kreditverkaufsgeschichten erledigt, wäre viel zu riskant, jemand könnte nur auf den Verkauf warten und wäre plötzlich aus der Schuldknechtschaft befreit; und viele Überschuldete hätten eine Möglichkeit, aus eigener Kraft ihre Schulden abzutragen, ohne Bankrott, ohne gnädigen Nachlass der Bank. Dass die vernünftigeren unter den Bänkern sich einer solchen Lösung nicht verschließen mag sein, aber die sind selten, die meisten ruinieren lieber Existenzen als mal mit der Kundschaft zu reden. Ich hab schon Fälle erlebt, da wurde lieber für 20% verkauft, als für 30 % bar vom Schuldner abgelöst.
Ein solches Vorkaufsrecht muss her, gesetzlich. Alleine schon um die Vertragsfreiheit wiederherzustellen. Der aktuelle Gläubiger wird damit nicht geschädigt, nur der Forderungsaufkäufer. Den braucht man aber nicht zu schützen, mit dem hat der Schuldner nie einen Vertrag abgeschlossen. Viele der Forderungen, die da verkauft werden, entstanden, bevor die Rechtslage einen solchen Verkauf hergab. Der Gesetzgeber hat sich da einfach über jeden Grundsatz der Rechtssicherheit hinweggesetzt.
Und ja, es macht einen Unterschied, wer mein Vertragspartner ist, einen enormen. Je finanzstärker der Gegner, desto sinnloser jede Verhandlung. Ich geh doch nicht extra zur kleinstmöglichen Dorfbank, um dann vom Milliardenschweren Konzern abgewickelt zu werden. Eine vermeidbare Abschreibung von ein paar zehntausend € ist in der HV einer AG ein Fliegenschiss, in der Genossenschaftsversammlung einer Raiffeisenbank kanns für ordentlich Zunder sorgen.
Übrigens, weil hier manche gar so schlau über Darlehen reden, ich weiß ja nicht ob ihr alle mit dem heutigen Wissen auf die Welt gekommen seid (oder gibts da Seminare für den Rotary Club Nachwuchs? ), viele, die meisten Arbeitnehmer haben solche Kredite an der Backe seit sie jung und unbedarft das erste mal vernünftig verdient haben und sind eben nicht mit großartig schlauen Ratschlägen der finanziell erfahrenen Eltern ins Leben gestartet. Derzeit mags offensichtlich dumm sein, großartig Immobilien auf Kredit zu erwerben. In den 80ern und 90ern denk ich wars keineswegs offensichtlich. Da wär ich auch reingefallen.