Wir sind mitten in der schwersten Weltwirtschaftskrise seit 100 Jahren - und viele glauben immer noch, alles sei normal und werde schon bald wieder in geordneten Bahnen verlaufen.
Am Donnerstag meldete sich die US-Regierung mit einer weiteren Finanzspritze im dreistelligen Milliardenbereich zu Wort, diesmal wird die Bank of America (BAC) mit läppischen 138 Milliarden US-Dollar gerettet. Und die Anleger feiern die Meldung als ganz tolle Nachricht. Darf man in aller Bescheidenheit einmal daran erinnern, dass US-Finanzminister Henry Paulson noch vor etwa 14 Monaten tönte, es werde keine Übernahme angeschlagener Konzerne durch die US-Regierung geben?
Der Platz würde nicht ausreichen, all die Kandidaten aufzuzählen, die in den USA jetzt unter staatlicher Obhut stehen.
Und 100 Milliarden US-Dollar, da war sich Henry Paulson sicher, die würden ausreichen, um die Finanzkrise zu lösen. 100 Milliarden!
Mit solchen Kleckerbeträgen gibt man sich heute nicht mehr zufrieden.
Und so geht es weiter. Tag für Tag werden wir von Negativrekorden überrascht, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. In dieser Woche, nur als Beispiel, musste die Deutsche Bank mit einem Minus von fast fünf Milliarden Euro den größten Quartalsverlust ihrer Firmengeschichte einräumen.
Dass in den USA die Arbeitsplätze derzeit mit einer Geschwindigkeit verloren gehen, wie man das seit fast 100 Jahren nicht mehr gesehen hat, das sollte jeden wachrütteln: In Deutschland wird es in einigen Monaten nämlich ganz genauso sein. Die deutsche Konjunktur hinkt der US-amerikanischen um einige Monate hinterher. Nur deshalb ist es hier zu Lande im Moment noch nicht ganz so schlimm.
Schon vor Jahren hätte man gegensteuern und eine Rezession auch einmal zulassen müssen. Als reinigenden Prozess, gewissermaßen. Das ist ja gerade ein wichtiges Merkmal der freien Marktwirtschaft: Dass ungesunde Entwicklungen auch von alleine korrigiert werden, wenn man es zulässt. Doch genau das man hat man versäumt. Zu groß war die Gier, zu verlockend der Reichtum auf Pump. Jetzt wird uns die Rechnung präsentiert – und zwar uns allen.
Um es mit Albert Einstein zu sagen:
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“.
Wir alle werden noch viel lernen in den kommenden Jahren. Doch das alles darf nicht dazu führen, dass man jetzt den Kopf in den Sand steckt. Je länger diese Krise dauert, desto stärker wird uns allen bewusst werden, dass wir mitten in der größten Weltwirtschaftskrise seit 1929 stecken.
Daran ändern auch die rührenden Appelle nichts, mit denen Bundespräsident Horst Köhler in dieser Woche mahnte, man solle die Krise nicht andauernd mit 1929 vergleichen, sie sei schließlich „anders“. Das stimmt natürlich. In den kommenden Jahren werden wir vermutlich erkennen müssen, dass sie noch weitaus schwerwiegender ist. Allein die Verschuldung in den USA bezogen auf das Bruttosozialprodukt ist in etwa doppelt so hoch.
In den 1930er Jahr befand sich Amerika im Aufstieg, das galt sowohl für die Währung, wie auch für die Gesellschaft, den Staat und die Industrie. Es sollte ein einzigartiger Aufstieg werden. Und die Leute sparten und legten Geld für schlechte Zeiten zurück. Dies übrigens ist einer der Hauptgründe, warum es diesmal weitaus schlimmer werden wird als nach 1929: Die zweite Weltwirtschaftskrise der neueren Zeitrechnung hat gerade erst angefangen und viele Menschen in den USA sind schon jetzt pleite.
Nur ein Beispiel: Die Zahl der Zwangsvollstreckungen bei verschuldeten Eigenheimbesitzern ist in den USA in 2008 um 81 Prozent auf 860.000 explodiert. Insgesamt sind 2,3 Millionen Immobilienbesitzer von Zwangsvollstreckung bedroht. Da bei den Versteigerungen meist nur etwa die Hälfte des ursprünglichen Verkaufspreises erlöst wird, stehen die Leute am Ende nicht nur mit leeren Händen da sondern haben auch noch einen Berg Schulden am Hals. Neben der wirtschaftlichen Katastrophe, die das für viele Familien bedeutet, birgt das auch politischen und sozialen Sprengstoff.
So wie die Dinge sich jetzt entwickeln, werden die kommenden Jahre nicht nur Verwerfungen bei den Vermögenswerten mit sich bringen. Allmählich sollte man sich auch mit dem Gedanken befassen, Haus und Hof, die eigene Gesundheit und das ganz alltägliche Leben krisensicher zu machen.
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