Manche Ameisen sammeln Gold und bringen es unter grossen Schwierigkeiten in ihren Bau:
[Goldgrabende Ameisen.] Wohl keine naturhistorische Sage des Altertums hat mehr Federn in Bewegung gesetzt, als die zuerst von Herodot erzählte, dann von Strabon, Arrian, Älian, Plinius und zahlreichen andern alten Schriftstellern wiederholte Sage von den beinahe hundsgroßen Ameisen Indiens, die bei ihren Erdbauten Haufen von Goldkörnern aus der Erde schaffen und diejenigen, welche sie derselben zu berauben kämen, mit gefährlicher Schnelligkeit verfolgen sollten.
Ameisenbär - Ameisenpf
[Blockierte Grafik: https://peter-hug.ch/meyers/thumb/19/19_0036.jpeg]* 40 Seite 19.36.Hunderte von gelehrten Abhandlungen haben sich mit der Deutung dieser Sage beschäftigt, von der Wilson nachgewiesen hat, daß sie wirklich indischen Ursprunges ist, und ein französischer Forscher, Vercontre, sucht nunmehr zum Jubiläum der Entdeckung Amerikas den Beweis zu führen, daß die Inder diese Sage aus Amerika haben müssen, weil dort wirklich eine goldgrabende Ameise vorkommt, und daß daraus der Beweiseines Verkehrs mit jenem Weltteil in grauer Vorzeit zu führen sei. Es ist die durch McCook genau beschriebene Ernteameise von Texas und Colorado (Pogonomyrmex occidentalis), welche nicht nur große Magazine von eingeernteten Sämereien anlegt, sondern auch sonst sehr merkwürdige Instinkte entwickelt, namentlich ihren Hügel mit einer Mosaik kleiner Steine panzert und das einzige, sorgsam mit Steinen ausgelegte Thor abends pünktlich schließt. McCook erwähnt, daß man am Platte River unter den zu diesem Steinmantel benutzten Brocken Goldkörner bemerkt habe, und ¶
Vercontre fügt hinzu, daß in den Gegenden Colorados und Neumexikos, welche goldführende Quarzschichten enthalten, die Ameisenbauten so reich an Goldkörnern wären, daß die Indianer auszögen, um sich derselben zu bemächtigen, und die Ameisenbauten als Goldgruben ausbeuteten. Diese Nachrichten müßten aber im Altertum nach Europa gelangt sein, weil man in der Alten Welt keine Ameisenart kenne, welche diesen Instinkt für glänzende Steine entwickle.
Es ist McCook und, wie es scheint, auch Vercontre unbekannt geblieben, daß Alexander v. Humboldt schon im September 1803 diese Vorliebe gewisser amerikanischer Ameisen für glänzende Steine beobachtet hat. Auf dem Wege von Valladolid nach dem Jorullovulkan hatte er nach den Einschlüssen von Obsidiankörnern und glasigem Feldspat in den vulkanischen Steinen gesucht, aber nur wenige finden können, da sie im ganzen selten schienen. »Um so mehr war ich verwundert«, erzählt Humboldt im »Kosmos« (Bd. 4, S. 638),
Granatfels - Granatstü
[Blockierte Grafik: https://peter-hug.ch/meyers/thumb/07/07_0612.jpeg]* 41 Granaten.»als ich zwischen Capulo und Patzcuaro, vorzüglich bei Yurisapundaro, alle Ameisenhaufen mit schön glänzenden Körnern von Obsidian und Sanidin erfüllt fand.« Später bemerkte Jules Marcou, daß die Ameisen der Hochplateaus in den Felsengebirgen beim Fort Defiance ebenfalls die glänzendsten Steine bis zur Größe eines Maiskorns zusammensuchen und nach ihrem Bau schleppen, und er fand oft darin die schönsten klarenGranaten [* 41] und Quarzkristalle. Die Mühe, welche sie anwenden, mit vereinten Kräften schwere Steinbrocken, viel größer, als sie selbst sind, auf ihren Bau zu schaffen, hat McCook genau beschrieben und abgebildet.
Es ist daher nicht mehr zu bezweifeln, daß es goldgrabende Ameisen wirklich gibt, aber wahrscheinlich ist derselbe Instinkt auch bei altweltlichen Arten beobachtet worden, da wir ja auch in wärmern LändernErnteameisen wie in Amerika haben, von denen unsre Naturforscher erst vor einigen Jahrzehnten Kundschaft brachten, während die Bibel [* 42] und andre Schriften des Altertums oft von ihnen sprechen. Wie sich aber aus derartigen Beobachtungen die Sage von den großen Goldsammlern Indiens entwickeln konnte, hat Friedrich Schiern mit ziemlicher Wahrscheinkeit (Anmerkung des Editors: richtig: Wahrscheinlichkeit) feststellen können, ohne zu wissen, daß es wirklich goldsammelnde Ameisen gibt. Im altindischen Epos »Mahâbhârata« wird erzählt, daß die Völker des Nordens einem der Pandusöhne, dem König Judhischtira, Tribut brachten, darunter Ameisengold (païpilika),
also nicht nur goldgeile Menschen handeln so, auch kleine Insekten...
Im Übrigen gibt es noch die Aufkonzentration von Golderz durch Bakterien: finde gerade den Link nicht