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Auch andere Kreditgeber verklappen ihre US-Treasuries, wie die amerikanischen Schuldtitel an den Märkten genannt werden. Darunter die zweitgrößte Wirtschaftsmacht China. Rein rechnerisch hat die Volksrepublik sogar mehr abgegeben als Japan, seit Juni 2016 hat Peking das Volumen seiner Kredite an Amerika um rund 200 Milliarden Dollar gekappt. Die jüngste Bewegung ist der stärkste Ausstieg von Ausländern aus dem Treasury-Markt seit Anfang des Jahrhunderts, wie aus Daten des Finanzinformationsdiensts Bloomberg hervorgeht.
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Aktuell halten Ausländer noch Papiere im Volumen von 5,94 Billionen Dollar, das sind 43 Prozent aller börsengehandelten US-Schulden. Im Jahr 2008 betrug der Anteil einmal 56 Prozent.
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„Schon die US-Krise von 2008/2009 war die Ausgeburt einer Verschuldungskrise“, sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank (BLB). Eine nachhaltige Konsolidierung hätten die Amerikaner seither nicht einmal versucht, auch deshalb, weil die Wirtschaft des Landes durch Neuverschuldung am Laufen gehalten wurde. „Nach der Krise wurde in den USA zu großen Teilen das Geschäftsmodell wiederholt, das zu den Ereignissen von 2008 und 2009 führte. Der private US-Sektor ist heute kritischer aufgestellt als 2008 vor der Lehman-Pleite“, sagt der Ökonom.
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Noch furchteinflößender klingt die Verschuldung, wenn man sie auf jeden einzelnen Bürger herunterrechnet: Dann steht jeder Amerikaner, vom Baby bis zum Greis, mit rund 61.000 Dollar in der Kreide. Zum Vergleich: Jeder Deutsche ist rechnerisch mit 27.000 Dollar verschuldet, wiederum nur auf die öffentlichen, nicht die privaten Verbindlichkeiten bezogen.
Das dauerkriselnde Griechenland bringt es pro Kopf mit 33.000 Dollar auf nur etwa halb so viele Staatsschulden wie die USA, wie aus Zahlen der Ratingfirma Fitch hervorgeht. Allerdings ist die griechische Wirtschaft weitaus weniger leistungsfähig als die amerikanische.
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„Die aufstrebenden Länder versuchen, sich mit eigenen Strukturen von den USA zu emanzipieren“, sagt Landesbanker Hellmeyer. Er nennt zahlreiche Beispiele, etwa die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) als Alternative zur Weltbank, die New Development Bank als Alternative zum IWF oder CIPS als Alternative zum Zahlungssystem Swift.
Auch der Abschied von den Treasuries bestätige dieses Muster: „Insbesondere China und Russland wenden sich vom Dollar als Reservewährung ab und vollziehen eine Hinwendung zu Gold als Devisenreserve“, sagt der Ökonom. „Dieser Prozess ist strategisch, und er wird sich fortsetzen.“
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Freilich bleibt Trump noch ein Ausweg. Sollten die ausländischen Investoren den Konflikt suchen, könnte die amerikanische Notenbank Fed als Retter einspringen und ihr Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen. Bereits jetzt sind die amerikanischen Währungshüter mit einem Volumen von 2,5 Billionen Dollar der größte Gläubiger Amerikas.
Trump kann demnächst drei freie Plätze im Entscheidungsgremium der Fed mit eigenen Leuten besetzen – und so dafür sorgen, dass er seine kompromisslose Politik des „America first“ fortsetzen kann.