gutso
Aber natürlich ist Gold keine Anlage, da eben keine Rendite. Wenn ich Gold langfristig halte, werde ich nicht reicher. Nenne es Spekulation, Währungsspekulation vielleicht.
Gold bleibt langfristig stabil relativ zu Warenpreisen, das war es auch schon. Reich wird man damit mit Sicherheit nicht.
(...) Und das ist eben das Problem, wo gibt es denn noch Stabilität?
Auch meine Pachinko Werte sind keine Anlagen, entweder Cash oder Land.
Gruß
S.
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Hallo Saccard!
Mich freut es auch, dass Du wieder einmal mehr substanzielle Sachen hier schreibst! Deine Äusserungen waren für mich immer wieder ein Prüfstein, ob das was ich denke weiterhin für mich Sinn macht, oder nicht.
So ist es auch dieses Mal wieder. 
Was mir an Deiner Argumentation auffällt, ist, dass darin eine starke Trennung zwischen Anlage (mit eher planbarer Rendite verbunden) und Spekulation angenommen wird, die für Gold in Deinem Sinn bedeutet, dass es generell eine im besten Fall währungsähnliche Spekulation ohne Planungssicherheit sei und für konventionelle Aktien, dass es bei der passenden Auswahl der Werte eher um Anlageformen ginge, da hier einigermaßen sicher planbare Rendite möglich oder gegeben sei, - bei Gold dagegen nicht.
Ich halte genau dieses Argumentmuster für sehr wichtig, da es mir deutlich zeigt, wie grundlegend die letzten 25-35 Jahre das Bewusstsein ökonomisch denkender Menschen durch die Finanzmärkte und die sie in dieser - in meinen Augen extremen - Form ermöglichende angloamerikanische Wirtschaftspolitik beeinflusst und geprägt wurde.
Gewohnt ketzerisch möchte ich da aber ganz entschieden einwenden, dass umgekehrt die Suche nach und der Erhalt von Rendite eben auch nichts weiter als reine Spekulation darstellt! Die Frage ist für mich also gar nicht, ob Gold Rendite abwirft oder "nur Spekulationsgewinne", sondern, ob nicht Zinsen und sogenannte Renditen eben nichts weiter sind, als von den Umständen begünstige Spekulationsgewinne (in Zeiten, wo das eben schlicht als möglich und sinnvoll erscheinen mag). ***
Ich denke deshalb auch, dieses - zugegeben einfache - Argument stellt das derzeitige angloamerikanische Ökonomiedenken für mich ausreichend anschaulich vom Kopf auf die Füsse. Denn, wer wirklich ernsthaft glaubt, dass auf dieser Welt das Erhalten von Zinsen, Dividenden und langfristigen Kursgewinnen andauernd möglich sei und deshalb als Anlage auch abgrenzbar gegenüber anderen, größeren Schwankungen unterworfenen Formen, tätigt damit ja erst einmal auch nichts weiter als eine Grundannahme, die von der Vergangenheit geprägt ist und von der weiteren künftigen Entwicklung entweder bestätigt oder widerlegt werden wird. Argumentativ mächtig wird eine solche Grundannahme dann alleine durch die vergangene Entwicklung. Deine Argumentation kommt also dem altbekannten Motto gleich: The trend is your friend, oder anders gesagt, weil es jahrzehntelang so war, wird es wohl auch vorerst so bleiben. Man darf hier durchaus skeptisch sein, vor allem angesichts der weltweiten Ungleichgewichte bei Schulden und Assetpreisen.
Was mich betrifft: Deshalb kaufe ich ja seit Ende 2014 wieder Edelmetallaktien, und seit Februar 2015 bisher ausschließlich Goldexplorer-Aktien. Bisher hat sich das bewährt, sie sind im aktuellen Umfeld stabiler als die Produzenten.
Ich denke zudem ganz grundsätzlich, dass die Zeit der seligen Geld- und Schuldenvermehrung sich abermals dem Zeitpunkt der Überspannung nähert und es bei den derzeitigen Kursen am Minenmarkt nicht wirklich falsch sein kann, auf fundamental gute Werte zu setzen (zu den Kriterien siehe unten). Und hier überschneiden wir uns dann wieder ganz kurz ... . Wobei ich eben im Gegensatz zu Dir auf ganz andere Parameter schaue.
Und ab hier wirds jetzt kurz technisch, alle dies nicht interessiert, weghören.
Mich interessieren schlicht die Unzen im Boden, der Wert pro Tonne Gestein (bzw. Erz), das vorhandene Cash sowie der absehbare Umgang damit, die Marktkapitalisierung, die Qualität des Managements und die Ore-Grades je nach Oberflächen- oder Tiefenvorkommen gesplittet. Zusätzlich sind dann natürlich auch die absehbaren Kosten für den Bau der Mine selbst wichtig und die Internal Rates of Return bei bestimmten Schwellenwerten im Spotpreis.
Dafür gibts die geduldigen Tabellenkalkulationen - und schon geht sie eigentlich ab die Luzie. Dargestellt und stabil dokumentiert habe ich das alles seit Monaten im Musterdepot-Teil dieses Forums. 
Momentan schiele ich sogar wieder auf erste Silberminenaktien, allerdings bin ich bei den Werten die mich interessieren nicht sicher genug, wie sie in einem voraussichtlich anstehenden Abwärtssog an den Weltbörsen mitgehen, deshalb habe ich da noch nichts gemacht, sondern stärke erst einmal meine Cashposition dahingehend weiter.
Grüße,
gutso
PPS: *** Mir kam da beim Schreiben das Bild vom Gewimmel von geschäftigen Einzellern in einer Pfütze an einem warmen Sonnentag nach dem Regen. Wenn es zwei Sonnentage sind wird es stärker. Wenn es drei sind noch stärker. Am vierten Tag wird das Gewimmel hazardeurisch. Sollte die Sonne ohne Regen weitere drei Tage scheinen, werden aber nur die überleben, die in der Lage sind radikal andere Zustände auszuhalten.