Sogar das deutsche Musterland rutscht in die Job-Krise
Der Arbeitslosenstatistik glaube ich nicht. Das ist ein Satz, der in Deutschland seit einigen Monaten häufiger ertönt. Während die Bundesagentur für Arbeit weiter niedrige Quoten von Jobsuchern meldet, erleben viele Menschen die Realität vor Ort ganz anders. Sie hören von Stellenstreichung und Kurzarbeit, kennen jemand, der davon betroffen ist oder müssen sogar befürchten, dass es sie selber trifft.
Bei näherer Betrachtung der Realität lässt sich das Paradoxon auflösen, wenngleich nicht unbedingt zur Beruhigung der hiesigen Arbeitnehmer. Denn während die Zahl der Menschen auf Jobsuche tatsächlich weiter zurückgegangen ist, sieht es in einigen Gebieten vollkommen anders aus: Die Zahl der Kreise und Städte mit steigender Arbeitslosigkeit nimmt spürbar zu.
„Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresende stärker verschlechtert, als es die stabile deutschlandweite Arbeitslosenquote suggeriert“, sagt Felix Hüfner, Chefökonom bei der Schweizer Großbank UBS. Seine Auswertung zeigt, dass der Anteil der Menschen auf Jobsuche im Dezember in 45 Prozent der 400 deutschen Landkreise höher war als ein Jahr zuvor. In fast der Hälfte des Staatsgebiets kann von Entspannung also keine Rede mehr sein.
Zahl der Kurzarbeiter im Januar wohl auf 113.000 gestiegen
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Die Analyse lässt darauf schließen, dass die Stimmung im Jahr elf des deutschen Jobwunders umschlagen könnte. Tatsächlich ist die Zahl der Kreise mit zunehmender Arbeitslosigkeit so hoch wie seit dem Jahr 2013 nicht mehr.
Die unterschwellige Verschlechterung der Lage wird durch die wachsende Zahl der Kurzarbeiter unterstrichen. Im Januar dürfte die Zahl von Kurzarbeit Betroffener deutschlandweit auf 113.000 gesprungen sein, schätzen die Experten der Bundesagentur für Arbeit. Das wäre der höchste Stand seit dem europäischen Krisenjahr 2011. „Die Gefahr, dass die gesamtdeutsche Arbeitslosenquote in den nächsten Monaten steigt, hat weiter zugenommen“, erklärt Hüfner. Historisch gesehen sei das immer dann der Fall gewesen, wenn 60 Prozent der Kreise eine höhere Zahl von Menschen auf Jobsuche melden. Der Volkswirt hat die Daten bis zurück in die 1980er auf Muster untersucht.
Die Arbeitslosenzahlen offenbaren eine sehr große Diskrepanz zwischen den Regionen, und es sind ausgerechnet die industriell starken Bundesländer, die die schlechteste Entwicklung erkennen lassen. Im Industrieland Baden-Württemberg, Sitz von Automobilherstellern und Zulieferern, vermeldeten zuletzt bereits drei Viertel der Kreise eine auf Jahressicht höhere Arbeitslosigkeit.
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