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Aus der FTD vom 6.9.2004
Edelmetalle: Goldmarkt droht längere Verlustphase
Von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Den Investoren am Goldmarkt droht eine längere Durststrecke. Nachdem die Goldpreise bereits nach den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag eingebrochen waren, erwarten Analysten weitere Kursverluste.
Gold in Dollar je Unze
Große Teile der Gewinne der jüngsten Vergangenheit standen mit Terminsicherungsgeschäften großer Minen in Verbindung. Diese Sonderkonjunktur, die sich unter anderem an einem stark gestiegenen Goldpreis auf Euro-Basis zeigte, ist aber nun vorbei.
Auch die Charttechnik ist beim Gold kritisch. Der wichtige Unterstützungspunkt von 401 $ je Unze wurde am Freitag zwischenzeitlich unterschritten. Die nächste technische Unterstützung liegt danach bei 392,50 $ je Unze. Wie sehr Händler inzwischen weitere Verluste für wahrscheinlich halten, zeigt sich auch an der deutlich erhöhten Nachfrage nach Gold-Verkaufsoptionen. Derivate in Höhe von mehreren hunderttausend Unzen wurden alleine am Donnerstag gekauft.
Nachfragehoch durch Insolvenz
Zu Wochenbeginn hatte das Bild trotz des zu diesem Zeitpunkt bereits erstarkten Dollars noch deutlich positiver ausgesehen. Nachdem die australische Minengesellschaft Sons of Gwalia unter die Aufsicht eines Insolvenzverwalters gestellt wurde, spekulierte der Markt, dass zumindest ein Teil der von der Gesellschaft in der Vergangenheit eingegangenen Terminsicherungsgeschäfte zurückgekauft werden müsste. Die sich daraus entwickelnde Nachfrage brachte das Gold dann auf das Wochenhoch von 411 $ je Unze.
Für eine Überraschung sorgte eine Absichtserklärung des englischen Edelmetallverarbeiters Johnson Matthey, nach der die traditionsreiche Gold- und Silberscheideanstalt in Royston 2005 geschlossen werden solle. Die Entscheidung der Briten ist ohne Zweifel eine Folge des angesichts globaler Überkapazitäten wachsenden Wettbewerbs.
Dass der Goldmarkt inzwischen nicht mehr rund läuft, zeigte sich auch an einer Mitteilung des World Gold Council. Die Marketingorganisation der Minenindustrie will den Schmuckabsatz mit einer 10 Mio. $ teure Werbekampagne fördern. Dieser Schritt bedeutet eine Abkehr von der in den vergangenen Jahren schwerpunktmäßig beworbenen Rolle des Goldes als Investmentmetall und ist ein Eingeständnis, dass der erhoffte Absatz bei den privaten und institutionellen Anlegern deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben ist.
Silber folgt dem Goldpreis
Das Silber folgte in den vergangenen Tagen überwiegend dem Goldpreis. Mit 6,80 $ je Unze erreichte es dabei schon am Montag das Wochenhoch, verzeichnete danach aber nur leichte Einbußen. Das positive Bild wandelte sich am Freitag. Dem Gold folgend, fiel Silber auf nur noch 6,46 $ je Unze - ein Niveau, von dem es sich bis zum Börsenschluss in New York kaum absetzen konnte.
Beim Platin betrug die Handelsspanne in der vergangenen Woche rund 20 $. Den Tiefstkurs von 854 $ je Unze erreichte das Metall zunächst am Montag und dann wieder am Freitag. Der Höchstkurs wurde dann am Donnerstag im japanischen Markt verzeichnet. Rückkäufe von Minuspositionen durch Fonds, aber auch vereinzelte, industrielle Nachfrage hatten den Markt zwischenzeitlich gestützt.
Außerdem nahmen Befürchtungen zu, dass es in der südafrikanischen Minenindustrie zu einem neuerlichen Streik kommen könnte. In dieser Woche wird es nun vor allem darauf ankommen, ob das aktuelle, charttechnisch wichtige Niveau gehalten werden kann. Sollte es durchbrochen werden, könnte die Notierung auf bis zu 825 $ je Unze zurückfallen.
Wolfgang Wrzesniok-Roßbach ist Produktmanager Edelmetalle und Rohstoffe bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt.
ZitatDie Entscheidung der Briten ist ohne Zweifel eine Folge des angesichts globaler Überkapazitäten wachsenden Wettbewerbs
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