Erhaltungsgrad - Münzen richtig beurteilen

  • Hunnenstämme, Hephthaliten. Phromo Kesaro, ca. 738-745 n. Chr, Silber-Drachme (32 mm, 3,74 g), mit baktrischen Legenden und Gegenstempel.



    Basismünze: Nachahmung einer Drachme des Hormizd IV. (579–590) aus der Münzstätte Balkh in Baktrien (geprägt ca. 620 n. Chr bis ca. 680 n. Chr.


    Vs.: Drapierte Büste des Hormizd IV. nach rechts; er trägt eine aufwendige Mauerkrone mit frontalem Halbmond und einem auf einem Halbmond ruhenden Korymbos hinter dem Kopf. Vor dem Kopf die Inschrift AFZUT („möge es sich mehren“ in Pahlavi), dahinter WHLMZD („Hormizd“ in Pahlavi);


    Rs.: Feueraltar, flankiert von zwei Begleitern; im oberen linken Feld ein sechsstrahliger Stern, im oberen rechten Feld ein Halbmond; rechts Datumsangabe in Pahlavi, darunter BHL (Balkh, Name der Münzstätte in Pahlavi);



    Gegenstempelung: ca. 738-745 n. Chr.


    Gegenstempel im Außenrand der Vorderseite mit dem behelmten Kopf eines Hunnen, der einen Ohrring trägt.


    Gegenstempel im Außenrand der Rückseite mit der Inschrift oρoρο in baktrischer Schrift. Vondrovec-Typ O.IV.


    Erhaltung: Das Gesicht des Gegenstempels ist scharf ausgeprägt und besser als vorzüglich erhalten, die Basismünze ist schwach ausgeprägt und dem ersten Anschein nach sehr schön erhalten, tatsächlich aber deutlich besser.


    Diese Münze repräsentiert die komplexe Transformation Zentralasiens nach dem Zusammenbruch des Sassanidenreiches. Sie ist unter der Referenz Vondrovec Typ O.IV (Nachahmung von Hormizd IV. mit Gegenstempeln) katalogisiert.



    Das Wichtigste: Die gesamte Münze ist ohne Korrosion.

  • Deutschland, mittleres und ausgehendes 18. Jahrhundert: zweimal anderthalb Pfennige. Beides Erstabschläge mir viel Originalglanz bzw. viel Resten davon. Erhaltungsgrad: sehr gutes vz.


    Den Thüringer (Sachsen-Altenburg, 1760) hatte ich schon mal vorgestellt, der aus Sachsen-Coburg-Saalfeld (Jahrgang: 1799) ist neu.

  • Polierte Platte, Proof, Spiegelglanz


    Der heilige Graal und das High-End-Segment der Numismatik des späten 19. und 20. Jahrhunderts.


    In Nullkommanix sind sie berührt, berieben oder binnen weniger Jahre in Schatullen oxidiert oder beschlagen und: von nun an geht´s bergab.


    Dass das nicht so sein muss, zeigt diese Münze: Die Bekannte eines guten Freundes hatte geerbt und wollte wissen, "was Ambach ist". Verklebt, beschlagen aber sicher in Samt eingewickelt kam sie vor gefühlt etwa einem Jahr damit auf Geheiß eines Freundes zu mir nach Deutschland. Nachdem Schmodder und Belag weg waren verblieben Patina und eine Münze, die auch bei echtem Glühbirnenlicht keinerlei "Haarlinien" aufweist. Verkaufen wollte sie vorerst nicht, ein paar Fotos zur Dokumentation war jedoch drin.


    Ich denke, PR68 oder 69 wären hier locker drin. Im Netz gab es damals kein perfekteres Stück mit zudem noch originalbelassenen Oberflächen und Original stumpffreier, ebenmäßiger Spiegelglanz. Die braunen Flecken sind der Nachweis, dass nicht dran rumgepfuscht wurde. Bei kaputtgereinigten Stücken sieht man, wenn man sucht, immer noch die Spuren dieser Flecken oder eben überall Putzspuren, Tauchbad- und Ultraschallkorrision.


    Leider nichts für Normalbürger / Normalverdiener. Dennoch schön anzusehen war sie, wenn auch ziemlich surreal wirkend. Eine 2-Pence-Münze von 1797 (56 g Kupfer) dient als Größenmaßstab.


    Damit hat der wenige Jahre später verstorbene, brutale Diktator "Doc Duvallier" sich sein "Denkmal" geschaffen, dass dem eigenen Größenwahn und der eigenen Skrupellosigkeit voll entsprechen dürfte.


    Wenn nicht der, wer dann?

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