"Das klassische Szenario"
Nach dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans war die Kühlung des Reaktors 1 in Fukushima 1 ausgefallen. Dadurch droht eine Kernschmelze. Der ehemalige Chef der Atomaufsicht in Deutschland, Wolfgang Renneberg, sieht keine Chance mehr für eine Kontrolle des Meilers. "Das ist das klassische Szenario, das den sogenannten Super-GAU umschreibt", sagte Renneberg. Eine Kühlung des Reaktors sei offenkundig nicht mehr möglich, die Batterien zur Versorgung des Systems müssten am Samstagmorgen erschöpft gewesen sein. "Das ist das, was in manchen Kinofilmen inszeniert wurde." Japan bliebe offenkundig nur noch der Katastrophenschutz wie Evakuierungen oder das Verteilen von Jod-Tabletten. "Das sind aber keine Maßnahmen mehr, um den Reaktor zu kontrollieren." Aufgrund der großen Entfernung werde Deutschland aber von Radioaktivität praktisch nicht getroffen werden. China und Russland seien dagegen gefährdet.
Das Austreten von Strahlung könne nach einer Schmelze des überhitzten Siedewasser-Reaktors nicht mehr gebremst werden: "Man kann sich das vorstellen, wie bei einem Dampfdrucktopf, wenn der Deckel geöffnet wird." Rund zwei Wochen lang würde dann radioaktive Partikel vor allem im gasförmigen Zustand wie etwa Cäsium und Jod in die Luft gelangen. "Danach hat man das Schlimmste überstanden."
Die Kernschmelze sei auch nicht mit Wasser zu bekämpfen, man könne nur versuchen, sie mit Sand oder Beton zu verdünnen. Eher positiv bewertete Renneberg, dass Fukushima direkt am Meer liege. Ein Teil der Radioaktivität werde so ins Wasser entweichen und stelle keine unmittelbare Gefahr dar. "Aber natürlich kommt das dann über die Nahrungskette wieder auf den Teller."