Ich habe einmal einen Vortrag von Senf in einem youtube-video gesehen. War nicht sehr überzeugend. Eines der Probleme ist sicherlich die Tatsache, dass er keinerlei praktische Erfahrung mit der Funktionsweise des Geldes und den Anforderungen an Geld hat, z.B. als Kaufmann.
Das erste Problem, das er in die Welt setzt, ist die Vorstellung, dass Geld eine Ware sein könnte. Wenn es aber eine Ware ist, dann ist es kein Geld mehr.
Geld fungiert in erster Linie als Tauschmittel, 1)
in zweiter Linie als Wertaufbewahrungsmittel 2)
und in dritter Linie als Investitionsmittel 3)
Die drei Funktionen greifen ineinander.
Das zweite Problem, das er in die Welt setzt, ist das Kindermärchen vom Abschaffen des Zinses oder Zinseszinses. Der Zinseszins entfällt, sobald der Zins "ausgezahlt" wird. D.h. der Zins auf den Zins entsteht nur dadurch, dass ein neuer Geldbetrag (der Zins) verliehen wird. Würde dieser Betrag ausgegeben d.h. verbraucht, so entstünde kein Zinseszins.
Würde der Zins abgeschafft, so entfiele Punkt 3) der Funktion des Geldes, die Investitionskraft. Um das deutlicher zu machen kann man sich vorstellen, dass A ein Haus gebaut hat und B kostenlos darin wohnen läßt. A hat also keinerlei Einkünfte durch das Haus und muß die durch das "Benutzen" entstehenden Kosten selbst tragen. Das Haus hat also keinen Investitionswert mehr, sondern lediglich einen Wertaufbewahrungswert, der sich jedoch durch die "Benutzung" verringert. - Das Geld, das zinslos verliehen wird, behält seinen Wertaufbewahrungswert (keine Inflation vorausgesetzt), der Verleiher hat jedoch das Risiko zu tragen, dass der Schuldner das Geld (aus irgendwelchen Gründen) nicht mehr zurück zahlen kann.
In beiden Fälle würden bestimmte "Entscheidungen" der Eigentümer ausgelöst.
a. Geld würde nicht mehr verliehen (es gibt keinen Grund, das zu tun), sondern nur gehortet und getauscht.
b. Häuser, die der Eigentümer nicht selbst benutzt würden nicht mehr gebaut
Die einzige Möglichkeit, die Entscheidungen der Eigentümer zu verändern sehe ich darin, dass sie ein anderes "Entgelt" bekommen, z.B. eine Dienstleistung oder eine Ware (das würde dann aber unter die Rubrik "Tauschhandel" fallen) oder aber dass man ihnen das Hirn verdreht durch Drogen, religiöse Vorschriften oder durch Drohung bzw. Folter.
Die Crux unseres Geldsystems liegt meiner Ansicht also nicht darin, dass ein Zins gezahlt wird (wie beim Mietzins auch), sondern darin, dass das Bankensystem aufgrund einer Geldeinlage zügellos weiteres (ungedecktes) Kreditgeld schaffen kann. 4)
Ein "greifbarer" (z.B. Gold) oder "definierbarer" (z.B. Dienstleistung) Wert (Deckung) müßte meiner Ansicht nach zwingend gegeben sein, damit das Geldsystem nicht "explodiert". Siehe 4)
Auch hier kann man nur spekulieren, wie sich ein solches System entwickeln würde und welche anderen Arten von Betrug und Vorteilsnahme sich gewissenlose, egozentrische Menschen einfallen lassen, um mehr als den gerechten Lohn für sich herauszuholen.
Zins JA = Wucherzins = NEIN!!!