Ich erlaube mir wieder mal eine fundamentale Betrachtung der Weltlage.
Warum es keine Griechenland-Lösung geben kann:
Hut ab vor allen Optimisten, die glauben, die Griechenlandstory kann ein gutes Ende nehmen (von Portugal und Konsorten reden wir schon gar nicht).
Das Hauptproblem der EU ist doch, dass man im Gegensatz zu den USA nicht solidarisch sein will/kann untereinander. Das ist doch auch gut nachvollziehbar. Wenn man Konvergenzkriterien festlegt und jemand macht trotzdem zuviel Schulden, dann ist es doch logisch, dass man nicht einen andern dafür zahlen lässt. Selber schuld und basta. Nun, so einfach ist es zwar auch nicht, schliesslich hat Deutschland jahrelang dabei zugesehen, wie andere Länder misswirtschafteten, und dabei nichts unternommen. Ein wenig selber schuld ist D deshalb schon, an eine Schönwetterunion zu glauben. Aber Deutschland muss und wie es aussieht wird weiterhin verhindern, dass die Geldschleusen für alle Länder geöffnet werden, ums sich gesund zu sanieren auf Deutschlands Kosten.
Kommen wir zu Griechenland (gilt im selben Masse auch für die nächsten Kandidaten): Das Hauptproblem ist die Währungsunion. Damit wurde den Mitgliedstaaten die wichtigste Waffe geraubt in einer Wirtschaftskrise, nämlich die Abschwächung der eigenen Währung. Dass in einem so heterogenen Wirtschaftsraum wie der EU dies ein Riesenproblem sein würde, lernt man in der 2. Stunde Volkswirtschaftslehre. Bei allen Vorteilen einer Union, dass dies offenbar zuwenig ernst genommen wurde, verwundert doch ein bisschen. Bereits viel früher hätte man andere Mittel ausschöpfen müssen. Insbesondere Haushaltsdisziplin aufzwingen und Strukturverbesserungen verschiedenster Art. Jetzt ist es einfach zu spät. Egal welche Scheinlösung: Schmerzen tut es auf jeden Fall. Die vernünftigste Lösung wäre ein Neustart mit einer neuen Währung aus meiner Sicht. Dazu müsste man die Grösse haben, die aktuelle Währungsunion als gescheitert zu betrachten. Dies wäre nicht unbedingt das Ende des Euros.
Es kann sich somit keine gute Lösung abzeichnen. Im übrigen herrscht in Europa Rezession. Da fragt man sich, wieso Aktienindizes so hoch notieren. Man mag meinen, dass die Aktien den nächsten Aufschwund vorweg nehmen, aber dies ist Humbug. Wenn sich Aktien von einem Tief jetzt langsam erholen würden, könnte ich mich damit anfreunden, aber von einem Tief kann nicht die Rede sein. Der Grund ist natürlich die Liquidität, die in den Markt geschwemmt wird, insbesondere in den USA.
USA: Dort sind die Märkte am höchsten gestiegen. Mag sein, dass die Wirtschaftszahlen aktuell etwas besser sind als zuvor und als in Europa, aber berauschend sind sie nach wie vor nicht und noch lange kein Grund, weshalb Aktien seit Monaten nur noch rauf gehen. Die Liquidität, die vom Fed auf den Markt geworfen wird, ist so hoch, dass es für alle vom Fed gestützten Assets nur noch eine Richtung gibt. Diese Assets sind sowohl Aktien als auch Bonds, und beide befinden sich in einer Blase. Immerhin kann bei Aktien gesagt werden, dass die Luft in der Blase unter Umständen und mit der Zeit durch Substanz ersetzt werden könnte und sich die Blase zurückbilden könnte. Bei Bonds sehe ich dies nicht. Nun hat das Fed einen langen Atem und dies könnte noch monatelnng, evt. gar jahrelang so weitergehen. Insofern kann man daraus keine Anlageempfehlung ableiten.
Hier sieht man auch den Unterschied von USA zu Europa. Die USA können unbeschränkt Geld in den Markt pumpen, da man sich einig ist, dass die USA insgesamt profitiert von dieser Schwemme. Ob damit die Inflation angeheizt wird oder nicht, ist egal. Im Gegenteil: Die vielen Schulden verlieren dauernd an Wert. Im heterogenen Europa ist dies nicht nicht der Fall. Es gibt bei jeder Entscheidung Gewinner und Verlierer, eine Einigkeit kann es nicht geben.
Diese Geldschwemme ist verantwortlich dafür, dass sich die verschiedenen Assets teilweise irrational verhalten. Nicht fundamentale Entwicklungen, sondern Manipulationen und Staatsinterventionen sind entscheidend. Dies macht das Anlegen nicht einfacher......
Was ist eure Meinung? Ich bitte um Äusserungen