Nach aktuellen Zahlen der amerikanischen Vereinigung der Hypothekenbanken war die Zahl der Zwangsversteigerungen im vierten Quartal 2006 so hoch wie seit 37 Jahren nicht mehr. Den betroffenen Haushalten droht ein Vermögensverlust von rund 164 Mrd. USD. "Das wird sich natürlich auf den privaten Konsum und somit auf die US-Konjunktur auswirken, zumal in der Vergangenheit den Haushalten aufgrund der stark gestiegenen Hauspreise im Prinzip ein zweites Einkommen zur Verfügung stand. Trotzdem gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft so robust ist, dass sie diese kleine Krise relativ schadlos überstehen wird. Wir erwarten für 2007 insgesamt eine Wachstumsdelle, die von einer spürbaren Erholung im Jahr 2008 abgelöst wird", glaubt Wolfgang Kubatzki, Leiter Real Estate bei Feri Rating & Research.
Keine Wirtschaftskrise - Preise bleiben stabil
Auch Christine Schäfer ist sich sicher, dass die US-Wirtschaft zwar etwas gebremst, im Jahresverlauf jedoch wieder an Fahrt gewinnen wird. "Die aktuelle Krise wird bereits in der zweiten Jahreshälfte beendet sein, weil viele Banken recht schnell auf die stagnierenden Hauspreise reagiert und eine restriktivere Kreditvergabe eingeführt haben", argumentiert Schäfer. Was momentan stattfindet, bezeichnet Frank Lamby, Vorstandssprecher der Hypo Real Estate Bank International, als Marktbereinigung, die sich jedoch auf das Subprime-Segment beschränkt: "Die Anbieter werden kurzfristig entweder in die Insolvenz geraten oder übernommen. Auf jeden Fall wird sich dieser Teilmarkt in kurzer Zeit wieder konsolidieren."
Starke Korrekturen der Häuserpreise erwarten die Marktbeobachter nicht. Lediglich einzelne Regionen, die ohnehin zu den schwächeren Märkten zählen, würden auch von leichten Preisrückgängen betroffen sein. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln glaubt ebenfalls nicht an einen Verfall der Häuserpreise in den USA, sondern eher an eine Seitwärtsbewegung. Da bereits seit einigen Jahren über die hohen Immobilienpreise diskutiert und vor möglichen Risiken gewarnt wurde, seien die Marktteilnehmer auf die momentane Situation einigermaßen vorbereitet gewesen. Deshalb kann auch Voigtländer sich eine Ausweitung der Krise auf die gesamte US-Wirtschaft nicht vorstellen: "Um die amerikanische Wirtschaft ernsthaft ins Wanken zu bringen, bedarf es eines Massenphänomens. Die Schwäche auf einem Teil des Hypothekenmarkts reicht dafür bei weitem nicht aus", erläutert Voigtländer.