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Beinahe ist es heute tatsächlich so, als ob jetzt geklingelt werden würde. Vielleicht hat es seit dem Jahr 1982 niemals mehr eine so gute Gelegenheit zum Aktienkauf gegeben wie jetzt. Die Situation ist beinahe schon zu gut und zu perfekt. Denn was will man mehr als man heute bekommt?
Die Märkte sind heftig gefallen und stehen mehr als 40 Prozent unter ihren Höchstständen. Die Wirtschaftsleistung ist in epochaler Größenordnung eingebrochen, erholt sich jetzt jedoch erkennbar wieder. Die Zinsen sind niedrig und die Geld- und Fiskalpolitik sind so expansiv wie noch niemals in der Menschheitsgeschichte. Trotzdem gibt es keinerlei Inflation und wird auch keine geben, weil der Konkurrenzdruck der Globalisierung das verhindert. Die Unternehmen haben die Krise gut überstanden, haben zwar Gewinneinbußen erzielt, und niemand weiß so recht, wann genau diese wieder ausgebügelt sein werden, aber eine Pleitewelle steht keinesfalls an.
Wenn ich dagegen an alle anderen Crashs der Vergangenheit denke, wird mir viel mulmiger. 1987 dachte ich, jetzt fliegt uns alles um die Ohren. Da war so ein heftiger Crash noch etwas völlig Neues und Ungewohntes. 1998 war ich schon zuversichtlicher, dass wird da gut herauskommen, und 2003 auch, doch hier hatte sich der Pessimismus in einem Ausmaß festgesetzt, dass man schon Nerven wie Stahlseile benötigte.
Und selbst 1982 sah es viel düsterer aus. Ich darf daran erinnern, dass wir damals gerade aus den letzten Wehen der großen Inflation der Ölpreisschocks und der Babyboomjahre kamen. Hier lagen die Renditen der Staatspapiere in den USA im zweistelligen Bereichen, und der Verbraucherpreisindex kam von knapp 15 Prozent jährlich und zeigte selbst 1982 noch immer auf über 10 Prozent. Zudem hatte eine extreme Bremspolitik der Notenbank die Wirtschaft in eine heftige Krise gestürzt.
Dagegen sieht es heute wirklich rosig aus. Denn was soll jetzt noch passieren? Die Gefahr einer Systemkrise ist gemeistert, die Staaten haben beherzt eingegriffen und werden diese Eingriffe notfalls wiederholen oder sogar noch verstärken. Die Wirtschaft wird sich daher ganz sicher erholen. Und die Inflation bleibt garantiert niedrig. Dies wird nur von vielen Marktteilnehmern nicht begriffen, die aus den Geldmengensteigerungen zukünftig hohe Inflationsraten herauslesen, was jedoch auf einer falschen Theorie basiert. Inflationen sind immer realwirtschaftliche Phänomene, und es kann sie nur dann geben, wenn die Löhne deutlich steigen, was derzeit jedoch völlig ausgeschlossen ist.
Die einzige Inflation, die sich daher ergeben kann und auch ergeben wird, ist eine Asset-Inflation. Wenn die Unsicherheit sich noch weiter gelegt hat, werden die Marktteilnehmer schneller versuchen, ihr Geld in Assets zu investieren, als die Notenbanken dieses Geld wieder aus dem Kreislauf heraus schleusen können. Die etwas lockere Redewendung, dass durch die Rettungsmaßnahmen bereits die Grundlage für die nächste Blase gelegt ist, ist daher im Kern durchaus richtig.
Genau aus diesem Grunde heißt es jetzt ja auch: Kaufen! Wir werden eine neue Kursblase bekommen. Und da will man doch nicht griesgrämig außen vor bleiben – oder?
Autor: Bernd Niquet