Zur Matrix:
Auffallend ist in diesem Film der über den Horizont normaler Actionfilme hinausgehende philosophische Inhalt wie:
(Platons Höhlengleichnis, Gnostizismus, Zen-Buddhismus, die Analogie des Plots zum Neuen Testament der Bibel und dem Alten Testament der jüdischen Tanach).
Nicht nur die Grundidee, sondern auch ganze Textpassagen der Charaktere liefern Referenzen an die Romane Sterntagebücher und Also sprach Golem des polnischen Autors StanisBaw Lem oder auch das Buch Simulacra and Simulation des französischen Philosophen Jean Baudrillard und Simulacron-3 von Daniel F. Galouye. Letzteren benutzte bereits 1973 der deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder.
So ist es kein Wunder, das manche in dem Film der Matrix philosophische Grundideen wiederentdecken. Denn Platon gilt nach Heidegger als der Beginn der Metaphysik. Im Film wurde also Philosophie erzählerisch ausgestaltet, vornehmlich nach den Erzählungen des Stanislaw Lem, von dem ich im Internet im Spiegel folgendes interessantes Interview, das kurz vor seinem Tode 2006 gemacht wurde, gefunden habe. Lem ist als Jungfraugeborener ein Warner. Hier warnt er vor einem Nuklearkrieg. Zu spät wie ich meine, wenn man weiss was „DU-Geschosse“ sind. Uranmunition und DU-Geschosse.
"Wir steuern auf einen Nuklearkrieg zu!"
In einem seiner letzten Interviews – am 16.12.2005 - ließ Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem seinem Frust über die Welt freien Lauf. Er fluchte über Präsident Bush, schimpfte über seine Heimat Polen. Am Ende seines Lebens war der große alte Mann des Zukunftsromans vor allem ein Pessimist.
Frage:
Ich wollte Sie fragen, ob das Leben einen Sinn hat. Aber die Frage ist vielleicht zu allgemein und zu banal, daher frage ich lieber: Hat das Leben eine Zukunft?
Lem: Bei der Frage nach der Zukunft der Menschheit verspüre ich immer eine gewisse Unruhe. Denn wir steuern unaufhaltsam auf einen Nuklearkrieg zu. Leider weiß ich nicht, wann der endgültige Zusammenstoß stattfinden wird. Wenn ich es wüsste, würde ich mich möglichst in den Panzerschrank des amerikanischen Präsidenten setzen.
Frage: Das ist ja eine fürchterliche Prognose.
Lem: Fürchterlich, aber auf Tatsachen gestützt. Es reicht doch, wenn man sich einen Teil der politischen Landschaft vor Augen führt: Als Teheran verkündete, das Nuklearprogramm fortzusetzen, sagte der israelische Politiker Benjamin Netanjahu, dass er einen Plan habe, die iranischen Atomanlagen zu bombardieren. Als Reaktion darauf kaufte Teheran in Russland Raketen mittlerer und großer Reichweite, um sie im Fall eines Angriffs einzusetzen. So eine Spannung kündigt keinen dauerhaften Frieden an.
Frage: Meinen Sie, die Vereinigten Staaten könnten die Kontrolle in diesem Konflikt verlieren?
Lem: Die Vereinigten Staaten sind - wie es schon der kanadische Premierminister gesagt hat - ein Riese ohne Kopf. Präsident Bush hat die Eigenschaft, dumm zu sein. Davon zeugt zum Beispiel die Tatsache, dass er gegen die Evolutionstheorie auftritt, zugunsten eines sogenannten intelligenten Projekts, bei dem es darum geht, dass man nicht weiß, worum es geht. Seine ganze Administration verfechtet diese idiotische Theorie, ihren Mitgliedern mangelt es an Verstand.
Frage: Mit Bushs "intelligentem Projekt" meinen Sie die Vorstellung, dass Gott in der Evolution seine Finger mit im Spiel hat. Das wird von der Wissenschaft verneint, nicht jedoch von der Rechten. Berät sich Bush auch bei seinen Entscheidungen mit dem Schöpfer?
Lem: Nicht alle Rechten sind dumm, es gibt auch vernünftige Rechte. Die englischen Konservativen sind zum Beispiel keine Idioten.
Frage: Und die polnischen Rechten, die gerade an die Macht gekommen sind?
Lem: Worüber reden wir hier? Verzeihen Sie, Polen ist am Arsch der Welt - was Zivilisation angeht, und es zählt in der Welt nichts. Es interessiert keinen, dass wir hier irgendwelche Enteriche haben. Wenn ich 30 Jahre jünger wäre, würde ich Polen erneut verlassen. Aber wo soll man hingehen? Es ist ja überall unangenehm. Die Schweiz ist langweilig, die USA dumm ...
Frage: Was halten Sie von der Lustration, von der Entsühnung der Gesellschaft, die sich die Kaczynskis auf die Fahnen geschrieben haben?
(...) Die Welt spaltet sich immer mehr. Der Irak liegt im Argen. In Syrien ist auch nicht alles in Ordnung. Teheran wird sich vor dem Sicherheitsrat der Uno nicht erschrecken. Ich glaube wirklich, dass es ganz unwichtig ist, wer Präsident in Polen ist. Es ist wichtig, wer Präsident in Amerika ist. Jeden Tag sterben Dutzende Menschen im Irak und dieser Dummkopf sagt, es werde immer besser. Was kann man mit so einem Menschen anfangen?
Frage: Hoffen Sie auf eine Amtsenthebung Bushs?
Lem: Dafür gibt keine gesetzliche Grundlage. Selbst wenn er von einem hässlichen Araber getroffen würde, hätten wir noch den stellvertretenden Präsidenten, Cheney, der nicht besser ist als Bush. Wegen solcher Leute wird die Welt immer schlechter.
Frage: Gibt es keine Hoffnung?
Lem: Für die Welt? Schlechte Aussichten. Wie kann man wirksam den zunehmenden Terrorismus bekämpfen, wenn in diesem Fall nicht einmal die Todesstrafe hilft? Die Terroristen warten doch nur darauf zu sterben. So wie ich anfangs gesagt habe: Langsam aber unvermeidlich gehen wir auf einen nuklearen Konflikt zu. Das ist keine besondere Erkenntnis, sondern bloße Selbstverständlichkeit.
ZUR PERSON
Stanislaw Lem, 84, wurde als Sohn eines jüdischen Arztes im galizischen Lwow (Lemberg) am 12.09.1921 als „Jungfrau“ geboren. Mit einem Intelligenzquotienten von 180 soll er das intelligenteste Kind Südpolens gewesen sein. Lem studierte Medizin, Physik, Biologie, Kosmologie und Philosophie. 2004 wurde er in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen "Sterntagebücher", "Robotermärchen", "Philosophie des Zufalls" und "Die Vergangenheit der Zukunft". Die Verfilmung seines Romans "Solaris" wurde ein Welterfolg.
Lem: Das hat keinen Sinn. Man muss in die Zukunft schauen, nicht in die Vergangenheit. (...) Wir stehen jetzt vor anderen Herausforderungen. Die Scharen der Mohair-Barett-Trägerinnen werden uns nicht helfen, wenn irgendwelche Araber in der Warschauer U-Bahn eine Bombe legen.
Zusatz
ZitatVor einiger Zeit wurde ein Experiment gemacht in der Absicht, die Aufmerksamkeit der polnischen Gesellschaft im Fall eines Terrorangriffs zu testen. An einem öffentlichen Ort wurde ein Paket platziert. Und was passiert? Hat jemand die Polizei benachrichtigt? Nein! Weil einer unserer Landsleute das Paket gestohlen hat!
So sieht unsere (polnisch) bürgerliche Einstellung aus. Daran sollte man arbeiten, und nicht an der Vergangenheit, die es nicht mehr gibt und nicht mehr geben wird.
ZitatDas Interview führte Przemyslaw Szubartowicz. Es erschien am 16.12.2005 in der polnischen Zeitung "Przeglad". SPIEGEL ONLINE veröffentlicht Auszüge daraus. Übersetzung: Marta Glowacka
Spica dazu:
Das polnische Experiment hat Stil und Humor. Weiss gar nicht, was Lem sich über die polnische Gesellschaft so schockiert. Denn von uns weiss doch jeder: Kaum gestohlen - schon in Polen. Das wird dem Raketenabwehrschild der USA in Polen in umgekehrter Weise ebenso passieren. Kaum in Polen - schon gestohlen. Ich vertrete nicht die Meinung von Lem, der wie gesagt eine vorsichtige, alleswahrnehmende Jungfrau ist, mit übertriebenen kaum beherrschbaren Ängsten. Mir gefällt da vielmehr die Wahrnehmnung der amerikanischen Jungfrau Warren Buffet - dem Orakel von Omaha. Er formuliert die Bombe als Derivatebombe. Auch dies wundert mich nur wenig, denn wenn ein Mensch die Urknalltheorie in der Evolution vertritt, die nichts anderes ist als eine Explosion, ist alles explosiv. Dagegen steht das ruhende Sein Spicas. Platons Höhlengleichnis trifft nur die Höhlenbewohner, die aber richtig, das aber ist nicht Schicksal sondern Verhängnis.
Im übrigen findet am 11.12.2007 die Jupiter/Pluto Konjunktion statt, deren Inhalt auf eine weitere Expansion der Schulden hindeutet und die institutionelle Anleger und Banken symbolisiert die trotz der schlechten Lage ihre Gewinne einstreichen. Dei Konstellation deutet also auf eine weitere Expansion des Schuldkometen USA-Holmes hin, die ihre Bestätigung findet dadurch, das zu gleicher Zeit Venus durch den Skorpion wandert: Exakt von 05.12.2007 bis 31.12.2007, während Mars bis zum 31.12.07 rückläufig bleibt. Verkündet nicht die FED am 10.12.07 ihre neue Strategie? Wenn ja, dann heßt dies: Günstigere Kredite als weiteres Pfand auf die dämmernde Zukunft.