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Große rote Kerzen und 10.000 Dow-Punkte
Von Jochen Steffens
Ein Schmunzeln lag gestern auf meinen Lippen, als ich die Kursverläufe der Amis um 22.00 Uhr anschaute. Große rote Kerzen, verdatterte Börsenkommentatoren, die sich in Schulterzucken übten – wobei deswegen habe ich nicht geschmunzelt. Ich kann Ihnen auch nicht ganz genau sagen, warum die Börse gefallen ist. Manche sagen, es hätte etwas mit Microsoft zu tun. Die Nachricht, dass Microsoft 75 Mrd. Dollar an die Aktionäre auszahlen will, sei ein Zeichen dafür, dass Microsoft KEINE lukrativen Anlagemöglichkeiten für sein Geld gefunden habe. Das wäre wahrlich ein schlechtes Zeichen ...
Doch direkt so ein Abverkauf? Immerhin hat der Dow mal wieder die 10.000 Punkte Marke getestet, das dritte Mal in diesem Jahr. Ich habe geschmunzelt, weil die Börse wieder einmal den Weg des Schmerzes geht, die ersten Bullen haben eins aufs Näschen gekriegt, die Bären wittern Morgenluft. Doch, so möchte ich warnend den Zeigerfinger heben, wir befinden uns in den Monaten Juli/August, die gemeinhin bekannt sind für solch seltsamen Kursbewegungen. Das macht genauere Analysen schwierig.
Jetzt noch short einzusteigen ist, ohne dass es zuvor zu einer stärkeren Gegenbewegung gekommen wäre, sowieso zu spät. Aggressiv Long zu gehen ist ebenso wenig anzuraten. So kann man sich gelassen zurücklehnen, das sich verbessernde Wetter genießen, zuschauen und darauf warten, wann und wo sich der nächste Boden bildet. Dort sollten Sie eine erste kleine Position aufbauen, warten bis wichtige Marken nach oben brechen, weitere Positionen eingehen, warten bis die obere Begrenzungslinie der Seitwärtsbewegung bei 4170 Punkten erreicht wird, bei Überschreitung noch weitere Positionen ausbauen, dann darunter einen Stop im Gewinn setzten und abwarten bis die Wahlrallye ihr Hoch findet.
Aber natürlich ist eine Prognose, der man sich zu sicher ist, immer gefährlich. Was wäre, wenn es nicht zu einer Wahlrallye kommt? Ich hege leise Zweifel. Mir kommen Zweifel, weil mittlerweile zu viele Leute genauso wie ich selbst auf eine US-Wahlrallye setzten – zu viele Menschen davon ausgehen, dass der Dax im Herbst oder Ende des Jahres höher als jetzt steht. Die Quote soll bei 65 % stehen. Das ist bedenklich ...
Aber auch die Informationen, dass der US-Wahlkampf seltsam ruhig bleibt – und so das Gefühl entsteht, dass irgendetwas nicht wirklich stimmt, treibt mich unruhig umher. Wenn doch endlich die ersten klaren Zeichen am Horizont erscheinen würden – ein drastisch sinkender Ölpreis, steigende Kurse – die ersten Kommentare, die von einer Ölschwemme reden – dann wüsste ich, dass ich mit meiner Prognose richtig liege.
Wenn das jedoch nicht eintreten sollte – bestätigt sich wenigstens meine Lieblingsbörsenweisheit: Eins an den Börsen ist gewiss: ihre Ungewissheit.
65 % sollen bullish sein? Nur offenbar kauft keiner – was machen also diese Bullen? Wahrscheinlich sitzen diese, genauso wie ich vor ihren Monitoren, beobachten nervös den Markt und hoffen, endlich ein klares Umkehrsignal ausmachen zu können. Die meisten Anleger rechnen wohl mit einer Trendwende in der Nähe der 3700er Marke. Aber auch diesmal gilt: Das ist die unwahrscheinlichste aller Möglichkeiten. Entweder dreht der Markt vorher oder er bricht diese Marke deutlich nach unten – nur eins wird er nicht tun, genau an dieser Marke drehen.
Es wird also spannend zu erfahren, wo sich der Boden im Dax ausbilden wird. Ich würde nach wie vor auf unter 3692 Punkten tippen – der Weg des größten Schmerzes.
Etwas betrüblich finde ich, dass die Rohstoffpreise allgemein etwas im Fallen begriffen sind – wirklich schlimm ist das nicht. Ein Invest in Rohstoffe ist eine langfristige Positionierung auf Sicht von mehreren Jahren. Der Einbruch im Moment ist deutlich in den Rohstoffindizes abbildenden Zertifikaten spürbar. Ich bin mir aber sicher, dass sich das bald wieder ändert.
Damit komme ich zum letzten Punkt: Gold. Gold sollte eigentlich steigen, da die Ankündigung von lediglich moderaten Zinssteigerungen den Goldpreis stützen sollte. Es gibt noch einen weiteren Grund. Gold ist ein zyklisches Invest – im ersten Quartal neigt es zur Schwäche (das war auch in diesem Jahr so), im zweiten erholt es sich (auch das ist geschehen), im dritten und vierten Quartal ist es häufig stärker. Das hat etwas mit der physischen Nachfrage zu tun. Verantwortlich dafür ist besonders die Nachfrage in Indien und in arabischen Ländern, die besonders in der zweiten Jahreshälfte zulegt.
Nur, in Indien ist der Monsum in diesem Jahr nicht besonders regenreich gewesen, das belastet die Ernte – niedrigere Einkommen durch die niedrigere Ernte werden auch die physischen Goldkäufe belasten. Aus diesem Grund ist Gold für den kurzfristigen Anleger eher uninteressant. Für den langfristigen Investor bleibt Gold immer noch einer der sichersten Investments.
Quelle:http://www.instock.de/Kommentare/10144170.html
...nun das ist auch eine Erklärung... der Goldpreis sinkt... weil es in Indien wenig regnet... da sträuben sich mir die Haare...Ideen haben die Leute...
....ach halt, hat es dafür bei uns nicht genug geregnet...
Ist Börse wirklich so einfach?