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Goldpreis steigt an, Ölpreise sinken leicht
30.06.2004 15:49:00
Der Goldpreis ist gestern gestiegen. Dagegen ging der Kurs der Futures für Öl der Sorten Light Crude (leichtes US-Öl) und für Heating Oil im New Yorker Terminhandel zurück.
Dieser leichte Ölpreisrückgang geht auf die irakische Souveränität zurück, sowie die Tatsache, dass das Land nach verschiedenen Anschläge auf seine Ölpipelines wieder lieferfähig ist.
Bärisch wirkt auch der Regierungsbeschluss in Oslo, die Beendigung des Streiks norwegischer Ölarbeiter anzuordnen. Der Streik drohte zu eskalieren, nachdem die Arbeitgeber Aussperrungen androhten. Nach Gewerkschaftsangaben hätte der andauernde Arbeitskampf zu Lieferausfällen von rund 456.000 Barrel pro Tag (bpd) führten können. Rund 200 norwegische Ölarbeiter haben ihre Arbeit niedergelegt und kämpfen für ihre Pensionsansprüche und eine verbesserte Arbeitssicherheit. Norwegen produziert täglich 3 Millionen Barrel und ist nach Saudi-Arabien und Russland der drittgrößte Ölexporteur.
Auch die OPEC sorgt mit einer hohen Versorgungsmenge für eine Entspannung der Märkte. Die zu Anfang Juni beschlossene Quotenerhöhung wird durch die realen Liefermengen weit überschritten. Hierdurch füllen sich die Rohöllager stetig und US-Rohölvorräte erreichen mittlerweile den höchsten Stand seit August 2002.
Am 03. Juni trafen sich die OPEC-Minister im libanesischen Beirut zu einer Sondersitzung, um über die weitere Ölversorgung zu beraten. Dabei beschloss das Kartell, die offizielle Fördermenge von derzeit 23,5 Million barrel per day zum 01. Juli um 2,0 Millionen und ab 01. August um weitere 0,5 Millionen Barrel zu steigern.
Von den Märkten wurde eine deutliche Ausweitung der offiziellen Fördermenge erwartet. Da aber die meisten OPEC-Staaten aber bereits an ihrer Kapazitätsgrenze produzieren, muss die höhere Produktion vor allem von Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabische Emirate getragen werden. Saudi-Arabien hat noch einen Spielraum von rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag und auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich zu einer Produktionsausweitung um 400.000 Barrel bereit erklärt. Inzwischen fördert die OPEC bereits 1,2 Millionen bpd mehr als im Mai.
Trotz der jüngsten Entspannung ist die Aussicht auf deutlich sinkende Preise gering. Ursache sind die steigende Nachfrage und die anhaltende Terrorangst. Aus Sorge vor Anschlägen hat die US-Zivilverwaltung völlig überraschend die Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung, die ursprünglich für den 30. Juni angekündigt war, um zwei Tage vorverlegt. Die 150.000 Soldaten der Besatzungskoalition bleiben aber weiter für die Sicherheit zuständig.
In der kurz- und mittelfristigen Betrachtung verhindert jedoch die angespannte Lage um die US-Benzinversorgung einen deutlichen Preisrückgang. Die weltweiten Raffineriekapazitäten für die Verarbeitung des Rohöls (z.B. in Benzin) sind zu gering, um den steigenden Bedarf zu decken. Zum einen gibt es immer wieder Raffinerieausfälle in den USA, zum anderen entsprechen die alten Anlagen nicht mehr den neuesten Umweltschutzbestimmungen. Der Schwefelgehalt im Benzin muss nach den neuen US-Umweltschutzvorschriften niedriger sein als früher. Viele Raffinerien in den USA können diese Normen nicht erfüllen, somit fallen Produktionskapazitäten aus. Es lohnt sich nicht, die teilweise maroden Raffinerien mit ausreichender Entschwefelungstechnologie aufzurüsten, infolgedessen geraten die USA noch stärker in die Abhängigkeit von Öl- und nun auch von Benzinproduzenten in der Golfregion und in Fernost. Der Bau neuer Raffinerien wird sehr viel Zeit kosten.
Längerfristig besteht die Möglichkeit steigender Preise, da der Ölbedarf in den kommenden Jahren rasant wachsen wird. Neue Märkte wie China verursachen eine zusätzliche Verknappung des Ölangebots. China benötigt für sein beeindruckendes Wirtschaftswachstum viel Öl. Zudem wächst im Reich der Mitte der Autoabsatz beträchtlich und dementsprechend auch der Benzinbedarf. Allein in China wuchs die Ölnachfrage im ersten Quartal um etwa 1,0 Million Barrel pro Tag. Durch seine Verschwendung ist das Reich der Mitte, die mittlerweile sechstgrößte Wirtschaft der Erde, zum zweitgrößten Ölverbraucher aufgestiegen. Nach dem BIP-Wachstum von 9,1 Prozent in 2003 waren Sorgen vor einer Überhitzung der Wirtschaft aufgekommen und die Regierung in Peking reagierte mit Maßnahmen zur Abkühlung der Konjunktur. Diese Maßnahmen gegen eine Überhitzung der Konjunktur zeigen bereits erste Wirkungen.
Auch die anhaltenden Terroranschläge auf Öleinrichtungen sprechen in der langfristigen Betrachtung für einen fortgesetzten Aufwärtstrend. Der Unsicherheitsaufschlag kann sich nur langsam auflösen, wenn sich die geopolitischen Umstände entspannen.
Der Kurs des Euro stieg von 1,2082 Dollar am letzten Handelstag auf nun 1,2174 Dollar. Mitte Februar erreichte der Euro ein Rekordhoch von 1,2927 Dollar, und liegt heute über seinem Kurs bei der Einführung der Gemeinschaftswährung am 04. Januar 1999 von 1,1886 Dollar. Ein schwächerer Dollar macht das in US-Dollar angeschriebene Gold und Öl für Anleger aus anderen Währungsräumen billiger und damit attraktiver. Allerdings führt er auch dazu, dass die OPEC nichts gegen die hohen Preise unternimmt, da die Einnahmen des Kartells an Wert verlieren.
Feinunze Gold: 394,10 Dollar (+1,30 Dolllar)
Feinunze Silber: 5,950 Dollar (+0,077 Dollar)
Light Crude: 35,66 Dollar (-0,58 Dollar)
Brent Crude: 33,47 Dollar (+0,19 Dollar)
Heating Oil: 0,972 Dollar (-0,011 Dollar)
Die unterschiedlichen Preise werden durch die Qualität des Öls gerechtfertigt. Je höherwertiger das Öl ist, um so kostengünstiger ist seine Weiterverarbeitung
Quelle: http://finanzen.net/news/news_detail.asp?NewsNr=199349