"... veralteten Buchwerten ... im Schnitt um fünf bis zehn Prozent sinkenden Vermögenswerten ... Potenzielle Käufer warten derzeit lieber ab ... Investmentmarkt erlebt einen kompletten Transaktionsstopp ... Die Käufer hätten „Angst, ein fallendes Messer zu fangen“ ..."
Handelsblatt: Immobilienriesen unter Druck
Europas größte Vermieter planen eine Reihe umfangreicher Immobilienverkäufe, um angesichts steigender Zinsen ihre Schulden abzubauen. Doch das wird schwieriger als gedacht.
So will beispielsweise Vonovia 49 Prozent des Wohnungsportfolios der baden-württembergischen Immobilienfirma Südewo im Wert von mehreren Milliarden Euro Buchwert an einen Investor abgeben. Ursprünglich sollten erste Gebote im Herbst eingehen, doch das Projekt stockt, heißt es in Finanzkreisen. Angesichts einer verbreiteten Käuferzurückhaltung will Vonovia nun lieber abwarten, als einen niedrigeren Preis zu akzeptieren. „Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass größere Veräußerungen bevorstehen, nicht zuletzt, weil das Vonovia-Management an veralteten Buchwerten festhält“, schrieb das Immobilienanalyseunternehmen Green Street jüngst in einer Mitteilung an seine Kunden. Eine Vonovia-Sprecherin betonte, dass sich der Konzern erst bei einem Abschluss zu dem Thema wieder äußern werde.
Der Fall Südewo ist einer von vielen: Immobilienfirmen haben eine Reihe von Portfolios zum Verkauf gestellt, meist um ihre Schulden abzubauen. Angesichts gestiegener Zinsen müssen sie selbst bei der Kreditaufnahme mehr bezahlen. Gleichzeitig steigt ihre relative Verschuldung mit den derzeit im Schnitt um fünf bis zehn Prozent sinkenden Vermögenswerten. Potenzielle Käufer warten derzeit lieber ab. Angesichts der Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Zinsen und der Immobilienpreise halten sie sich mit Akquisitionen lieber zurück. „Der Investmentmarkt erlebt einen kompletten Transaktionsstopp“, klagte Thierry Beaudemoulin, Chef des kriselnden Immobilienkonzerns Adler, jüngst unverhohlen. Die Käufer hätten „Angst, ein fallendes Messer zu fangen“.