Beiträge von Bembelpetzer

    Das Thema ist nicht neu, hier hatte ich Anfang Dezember dazu eine Kleine Anfrage der CDU/CSU gepostet
    Was ist eigentlich in Deutschland los???

    Ergänzend zu meinem Post #2727 und #2733 ...


    Dezember 2022: Bafin schaltet in Alarm-Modus und befragt 1.500 hiesige Banken zu Zinsrisiken


    […] So haben Bafin und Bundesbank vergangene Woche eine Umfrage unter sämtlichen nach HGB bilanzierenden Banken und Sparkassen hierzulande initiiert. Zweck der Übung: Die Aufseher wollen das Ausmaß der vom Zinsschock verursachten Verheerungen in den Bilanzen eruieren. Betroffen sind schätzungsweise rund 1.500 Institute. Ausgenommen von der Erhebung wurden lediglich die nach IFRS bilanzierenden Häuser, also vor allem die von der EZB direkt überwachten Großbanken.[…]
    Eigentlich sind solche Ad-hoc-Umfragen bei Banken verpönt, denn sie bedeuten einen hohen Extra-Aufwand auf allen Seiten. Dass die Finanzaufseher kurz vor Weihnachten nun trotzdem nach aktuellen Daten fragen, zeigt, wie viel Druck im Kessel herrscht. […]
    Wie sehr sich die Lage verschärft hat, deutete sich Ende November bereits bei der Vorlage des Finanzstabilitäts-Berichts an. Daraus ging hervor, dass bei Sparkassen und Genobanken allein im ersten Halbjahr sage und schreibe 21,8 Mrd. Euro an stillen Reserven verdampft sind. Die Bundesbank stellte in ihrem Bericht nüchtern fest: „Den Banken stehen damit im Aggregat vorerst keine stillen Reserven mehr zur Verfügung, weshalb weitere Wertverluste unmittelbar zu entsprechenden Abschreibungen und Verlusten führen würden.“ Zugleich mussten Sparkassen und Genossen dem Bericht zufolge auf ihre Wertpapierbestände 12,3 Mrd. Euro abschreiben, mithin 5,6% ihres harten Kernkapitals
    Parallel berichtete Finanz-Szene seinerzeit, dass in zumindest einem Sparkassen-Regionalverband die sogenannte Warnampel zur Überwachung der Risikolage bei rund der Hälfte der Institute auf Gelb oder gar Rot steht; in anderen Regionalverbänden soll es kaum anders aussehen […] Die exakten Daten sind bis zum 13. Januar einzureichen. […]
    Eingeweihte sagen, wer seine Aktiva fristengerecht refinanziert habe, müsse von der aktuellen Übung wenig befürchten. Wer freilich bis zur Zinswende langlaufende Immobilienkredite zu Kampfkonditionen gewährt und diese womöglich kurzfristig refinanziert habe – für den gehe es nun ans Eingemachte.
    Pikant: Bei ihrer Erhebung interessieren sich die Aufseher sehr konkret dafür, wie die einzelnen Institute „Einlagen mit unbestimmter Zinsbindung und Verweildauer“ modellieren. Dies dürfte auf die immensen Bestände an Tagesgeld sowie Kontokorrent-Einlagen in den Verbünden gemünzt sein. Denn bei manchen Sparkassen- und VR-Banken entfallen nach Jahren des Zinstiefs rund zwei Drittel des Depositenbestands auf Sichteinlagen, die zu einem guten Teil als Refinanzierung langlaufender Kredite dienen. Konkret kalkulieren die Institute dabei natürlich ein, dass Kunden täglich abrufbare Einlagen tatsächlich ad-hoc abrufen – aber eben nur zum Teil.
    Dem übrigen Volumen weisen die Institute, je nach Aggressivität ihrer Berechnungen, verschiedene Laufzeitenbänder und damit eine Haltedauer von bis zu 20 Jahren zu, wie in der Branche berichtet wird. Das damit einhergehende Zinsänderungsrisiko werde je nach Wagemut abgesichert bzw. teils in Kauf genommen. Wohl auch vor diesem Hintergrund bitten die Aufseher die Institute nun „um die Darstellung der für Ihre interne Modellierung verwendeten Mischungsverhältnisse bei Einlagen mit unbestimmter Zinsbindung und Verweildauer“.
    Im Zeitalter von Open Banking und Einlagen-Plattformen hat sich die Flüchtigkeit dieser Art der Refinanzierung erhöht. Was, wenn Privatkunden angesichts steigender Zinsen nun Tagesgeld im großen Stil umschichten? […]

    Auf der Webseite der Bundesbank hatte diese im Dezember Zahlen zum Baufinanzierungsgeschäft veröffentlicht (Stand Ende Q3 2022) - zwei Grafiken daraus hier anbei.



    Einmal eine Verteilung der Zinsbindungsfristen...



    Einmal die indexierte und bereinigte Veränderung des Auftragseingangs im Baugewerbe.

    Im Text und in den Rohdaten findet man den Hinweis, dass im Oktober es eine Volumenreduzierung um 39% gegenüber dem Vorjahresmonat gab.

    Zitat

    Das wurde doch auch schon vor Weihnachten berichtet und auch hier gepostet.


    In letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass einige gleiche "Meldungen/Nachrichten" immer zwei Wellen haben, eine erste und dann 1-2 Wochen später die zweite.


    Also entweder werden die (Ab-)Schreiberlinge unterschiedlich wach/aktiv,
    oder es ist gezielt, um die Meldung stärker in die Köpfe zu bringen.

    Ich hatte es auch bereits Anfang Juli geschrieben, dass man nun 10jährige Laufzeiten höher refinanziert, denn seit dem refinanziert man ja schon in der Regel zu einem höheren Zins. Die, deren 10jährige Laufzeiten seit Sommer 2022 auslaufen, werden es erst fühlen, dann spüren, die ersten lauten Schreie wird es wahrscheinlich in 2024 geben, da da die Differenz merklich größer wird. Spätestens da kann der anfängliche Tilgungsanteil nicht mehr ohne weiteres reduziert werden, um den höheren Zins zu kompensieren. Für sehr viele wird dann der Traum einer abbezahlten Immobilie zum Renteneintritt (zumindest was die erstmalige Finanzierung der Immo betrifft) platzen.
    Und Forwards haben die allerwenigsten abgeschlossen, selbst nach Hinweis nicht ... kostet ja doch Geld, was man nicht über hatte.

    Und das Framing geht weiter…. Dem Michel muss eingehämmert werden:
    Grün ist gut und wenn du ein Grünidiot bist, dann bist du nicht alleine….




    Anbei die zu Grunde liegenden Einzelwerte der Meldung mit den "dramatischen" Veränderungen ...


    "... veralteten Buchwerten ... im Schnitt um fünf bis zehn Prozent sinkenden Vermögenswerten ... Potenzielle Käufer warten derzeit lieber ab ... Investmentmarkt erlebt einen kompletten Transaktionsstopp ... Die Käufer hätten „Angst, ein fallendes Messer zu fangen“ ..."



    Handelsblatt: Immobilienriesen unter Druck


    Europas größte Vermieter planen eine Reihe umfangreicher Immobilienverkäufe, um angesichts steigender Zinsen ihre Schulden abzubauen. Doch das wird schwieriger als gedacht.


    So will beispielsweise Vonovia 49 Prozent des Wohnungsportfolios der baden-württembergischen Immobilienfirma Südewo im Wert von mehreren Milliarden Euro Buchwert an einen Investor abgeben. Ursprünglich sollten erste Gebote im Herbst eingehen, doch das Projekt stockt, heißt es in Finanzkreisen. Angesichts einer verbreiteten Käuferzurückhaltung will Vonovia nun lieber abwarten, als einen niedrigeren Preis zu akzeptieren. „Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass größere Veräußerungen bevorstehen, nicht zuletzt, weil das Vonovia-Management an veralteten Buchwerten festhält“, schrieb das Immobilienanalyseunternehmen Green Street jüngst in einer Mitteilung an seine Kunden. Eine Vonovia-Sprecherin betonte, dass sich der Konzern erst bei einem Abschluss zu dem Thema wieder äußern werde.


    Der Fall Südewo ist einer von vielen: Immobilienfirmen haben eine Reihe von Portfolios zum Verkauf gestellt, meist um ihre Schulden abzubauen. Angesichts gestiegener Zinsen müssen sie selbst bei der Kreditaufnahme mehr bezahlen. Gleichzeitig steigt ihre relative Verschuldung mit den derzeit im Schnitt um fünf bis zehn Prozent sinkenden Vermögenswerten. Potenzielle Käufer warten derzeit lieber ab. Angesichts der Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Zinsen und der Immobilienpreise halten sie sich mit Akquisitionen lieber zurück. „Der Investmentmarkt erlebt einen kompletten Transaktionsstopp“, klagte Thierry Beaudemoulin, Chef des kriselnden Immobilienkonzerns Adler, jüngst unverhohlen. Die Käufer hätten „Angst, ein fallendes Messer zu fangen“.

    Weitere Aspekte, die sich auf die Bautätigkeit von Privatpersonen zur Eigennutzung auswirken sollte ...


    KfW-Newsletter vom 01.01.2023


    Antragsstopp im Zuschuss Baukindergeld (424)
    Der Zuschuss wurde finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Dafür stellte der Bund Fördermittel in Höhe von insgesamt 9,9 Mrd. Euro bereit. Die Förderung war sehr erfolgreich, die Fördermittel sind erschöpft. Bitte stellen Sie keinen Antrag mehr.
    Bitte beachten Sie: Ab dem Jahr 2023 stehen keine Fördermittel für das Baukindergeld zur Verfügung.
    Laufende Anträge sind nicht betroffen


    Antragsstopp im Zuschuss Brennstoffzelle (433)
    Ab sofort können Sie keine Anträge mehr für das Programm "Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle" stellen.
    Bereits eingereichte Anträge sind nicht betroffen.

    Update per Ende Juni:10 Jahre von 1,00% auf 3,35%, macht +235%
    15 Jahre von 1,28% auf 3,59%, macht +180%
    20 Jahre von 1,43% auf 3,68%, macht +157%


    Laut Chart liegen die Zinsen der herausgegebenen Konditionsangeboten nun höher als in den letzten 10 Jahren ... weiter zurück reicht der Chart leider nicht.

    Zum Jahresabschluss wollte ich zumindest den Jahresendstand noch posten...


    1y-Chart


    hier der 15y-Chart (10y-Werte ab Beginn 2013, senkrechte Linie)

    Ist aber auch nichts wirklich neues, das war früher nur seltener und subtiler.Beim George-Schimanski-Tatort schon z.B. hatte man die "normalen" Folgen mit dem Standard-Regieseur alle 6-10 Folgen wurde der dann gewechselt und es gab dann für irgendein Modethema einen "Erziehungskrimi".


    Heute gibts sowieso nicht anderes mehr, auch immer dieselbe Rollenverteilung, besonders bei "Soko XY-Scheissstadt". Frau Super-Kommissar/in die alles weiß, ihr versiffter Sidekick mit 3-Tage Bart und Klamotten aus der Altkleidersammlung, und im Büro haben se dann noch den halbsenilen Quoten-Boomer zur Zuschauerbindung.

    Schon in einem der allerersten Tatorte mit dem Titel "Frankfurter Gold" wurde Gold in ein schlechtes Licht gesetzt.

    Eine von der Universität Passau veröffentlichte Studie mit dem Titel ...


    Die Verengung der Welt Zur medialen Konstruktion Deutschlands unter Covid-19 anhand der Formate "ARD Extra - Die Coronalage" und "ZDF Spezial"


    Abstract
    Die Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2 und der damit einhergehenden Erkrankung Covid-19 lässt sich auch als eine Geschichte einer Pandemie der Medien beschreiben. Genauso, wie sich das Virus global verbreitet hat, ist auch für die Medien schon rein quantitativ eine immense Verbreitung der Berichterstattung zum Coronavirus zu diagnostizieren. Signifikant ist bereits die Tatsache, dass ab der zweiten Märzwoche 2020 bis in den Juni hinein die öffentlich-rechtlichen Programme ARD und ZDF nahezu täglich nach der Hauptnachrichtensendung am Abend eine Sondersendung («ARD Extra: Die Corona Lage» und «ZDF Spezial») zum Coronavirus ausstrahlen. In unserem Beitrag wollen wir aus einer medien- und kultursemiotischen Perspektive die in den Sondersendungen vermittelten Weltmodelle analysieren: Wir verstehen die Fernsehsondersendungen als abgeschlossene Modelle von Welt, die implizite Regeln, Werte und Ideologien aufweisen, die wir analytisch offenlegen wollen.


    gekürzte Passage am Ende der Studie:
    [...] Wir haben die Inszenierungsstrategien, Argumentationsstrategien und verhandelten Diskurse der Sondersendungen analysiert und diagnostiziert, dass diese das narrative Prinzip der Krise redundant und selbstreflexiv installieren. [...] die Weltmodelle der Sendungen sprechen hier für sich selbst. Kaum präsent [...] ist die medizinische [...] Perspektive. Lediglich die Frage nach Impfstoffen und Medikamenten wird verhandelt, die aber wiederum lediglich vor dem Hintergrund möglicher Lockerungen der politischen Maßnahmen gestellt wird, nicht aus einer medizinischen Perspektive. Prominent ist als Leerstelle aber vor allem eine tiefergehende Kritik an den von der Politik getroffenen Maßnahmen zu nennen. [...] Wenn die Moderatoren die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen im Zusammenhang mit der Einschränkung der Grundrechte stellen, so sind diese Fragen jedoch im Prinzip als rhetorische Fragen zu verstehen, deren Beantwortung [...] die ideologische Marschrichtung der Politik konsolidiert. Was den Sendungen auf der Grundlage der Analyse der Weltmodelle in jedem Fall attestiert werden muss, ist, dass ihnen aufgrund sowohl ihrer dramaturgischen Struktur als auch ihrer Bildauswahl eine Tendenz zur Redundanz und damit vor allem zur Krisenerhaltung inhärent ist. [...]

    ok, verstanden.


    Aber heute beträgt das Durchschnittseinkommen ~39.000€ brutto bzw. ~23.000€ netto.
    Bei vier Jahreseinkommen wären wir da bei 156k€/92k€ ... dafür bekomme ich hier noch nicht mal ein Baugrundstück, geschweige denn noch ein Haus inklusive.


    Ich denke, in Deutschland kauft aktuell niemand ein Baugrundstück und baut da noch ein Haus drauf - alles für insgesamt 156k€ ... und wenn doch, da nur mit erheblichen Abstrichen.