Hi Misanthrop,
Dann sind wir uns also einig, dass der Future-Markt neben einigen realen Hedgern gleichermassen von Kaeufern und Verkaeufern als Spekulationsplattform genuzt wird und es nicht nur die Verkaeufer sind, die manipulieren? Ich stimme ja voll und ganz mit Dir ueberein, dass der future Markt ein riesiger Spekulationsmarkt ist (wie erwaehnt kommen <10% zur physischen Andienung), nur gilt das eben sowohl fuer denjenigen, der auf Deinem Marktplatz "HIER" schreit wenn's ums Kaufen geht, dabei aber gar kein wirkliches Kaufinteresse hat, als auch fuer die bekannten Verkaeufer, die die Ware noch gar nicht besitzen.
Das ist wirklich gehuepft wie gesprungen - ob man nun in grossen Mengen Silber mit Lieferung in der Zukunft kauft ohne heute zu bezahlen und ohne es spaeter wirklich haben zu wollen oder ob man es heute mit Lieferung in der Zukunft verkauft ohne es bisher zu haben macht faktisch keinen Unterschied. Nachweislich hat die Mehrheit am Terminmarkt kein Interesse am physischen Material - und das gilt fuer Kaeufer und Verkaeufer... nicht nur fuer Verkaeufer.
Wenn man also von Manipulation spricht (und die leugne ich gar nicht), dann muss man sie auf beiden Seiten sehen und nicht nur beim Verkaeufer. Die ausufernde Spekulation an den Terminboersen fuehrt naemlich nicht, wie von einigen hier postuliert, zu tieferen Preisen als fundamental gerechtfertigt, sondern schlicht zu hoeherer Volatilitaet. Preise werden von "manipulierenden" Spekulanten in beide Richtungen gedrueckt.. kurzfristig unabhaengig vom Verbrauch der Industrie und von der Foerderung durch Mienen. Volatilitaet kann man also kritisieren, aber tiefe Preise?
Nebenbei gesagt waere es doch ein Leichtes, all die Leerverkaeufer ins offene Messer laufen zu lassen. Die Future-Kaeufer muessten ihre Positionen einfach nur bis zum Liefertag halten und die gekaufte Ware komplett bezahlen. Dann muessten die Leerverkaeufer physisches Silber liefern. Gerade wo es Dollar doch in der Ueberzahl gibt und Silber so knapp ist, sollte das doch ein Kinderspiel sein. Nur finden sich einfach nicht genuegend Kaeufer, die (a) das physische Material wirklich haben und lagern wollen und (b) es auch tatsaechlich voll bezahlen koennten (statt nur eine 5% Margin an der Comex zu hinterlegen). Die Nachfrage nach der physischen Ware ist also nicht gross genug - ergo frage ich mich, was man hier dann kritisiert...
Und ein kurzer Kommentar zu Amerikanischen vs. Europaeischen Optionen:
Du verwechselst da einiges. Es gibt Optionen mit physical und Optionen mit financial settlement, also Optionen die bei Ausuebung in einen physischen forward / future Kontrakt muenden und solche die lediglich zur Ausgleichszahlung fuehren. Das settlement (physical or financial) ist voellig unabhaengig vom "style" der Option, i.e. Amerikanisch oder Europaeisch. Amerikanische Optionen verbriefen das Recht, die Option jederzeit (!) vor Laufzeitende auszuueben (das fuehrt bei financial settled American options aber nicht zur physischen Ware). Europaeische Optionen verbriefen das Recht, die Option lediglich am Laufzeitende (und nicht davor) auszuueben - und auch hier ist financial oder physical settlement denkbar. Du bringst also ein paar Dinge durcheinander, wenn Du schreibst, dass nur Amerikanische Optionen "echte" Optionen seien.
Ganz nebenbei freu ich mich ja ueber Goldseiten-Leser wie Dich, weil Du Dich quasi fuer die Allgemeinheit opferst und durch Deine physischen Kaeufe das Angebot kuenstlich verknappst. Ich als Spekulant profitiere davon in ueblicherweise deutlich groesserem Ausmass als Du und kann mein Geld verzinslich anlegen, statt die physischen Barren rumliegen zu haben.
Physische Ware hat allerdings den Vorteil der Unabhaengigkeit vom Staat. In Zeiten in denen ueber Vermoegenssteuer ab Eigenkaputal > 1 mio EUR nachgedacht wird, haben Gelder auf Bankkonten und Derivate so ihre Nachteile gegenueber dem ein oder anderen Kilogramm Gold. Ich hatte Jahrelang 10kg Gold und 150kg Silber als eiserne Reserve liegen - argumentiere also nicht gegen den Kauf physischer Ware, nur gegen die einseitigen und paranoiden Verschwoerungsgeschichten.
Gruss