Ich bin jetzt auch kein Harry-Dent-Fan, aber etwas ernster sollte man die Deflationsthese schon nehmen. Stellt Euch mal vor, Staaten und Private hätten sich in den letzten Jahrzehnten nicht verschuldet. Dann hätte es eine riesige Nachfragelücke gegeben, wir säßen längst tief in einer Depression, schlimmer als die der Dreißigerjahre. Jetzt kommen die Schuldaufnehmer nach und nach an ihre Verschuldungsgrenzen, manche sind schon darüber, so wie bisher geht es nicht weiter. Als letzte Reserve wurden die Notenbanken an die Front geworfen, aber sie haben ihr Pulver auch schon weitgehend verschossen. Die massenhafte Geldschöpfung ist doch ein Verzweiflungsakt.
In der Depression herrscht allgemeiner Geldmangel, deshalb sinken die Preise. Firmen gehen reihenweise hops, Produktion und Versorgung brechen ein und schließlich zusammen. Wem das Geld für Brot und Milch nicht reicht, der kauft kein Gold. Und wenn schließlich der Bäckerladen geschlossen ist und Aldi keine Margarine mehr verkauft, dann gibt niemand seine letzten Lebensmittel für Gold her.
Aus Kindertagen (1945 - 1948) erinnere ich mich gut an Berichte über Städter, die mit ihren Preziosen aufs Land zogen, um Lebensmittel einzutauschen, und bitter darüber klagten, wie wenig sie von den Bauern bekamen, wenn überhaupt etwas. Ich empfand damals kein Mitleid mit diesen Leuten. Es gab den Begriff Zigarettenwährung, für Gold hat sich niemand interessiert. Der schwäbische Volksmund weiß übrigens seit alters: Mir brauchet koi Konscht, mir brauchet Grombiere. (Für Sprachunkundige: Wir brauchen keine Kunst, wir brauchen Kartoffeln.) Gold ist hier auch Kunst.
Die wichtigste menschliche Fähigkeit ist und bleibt die Fähigkeit, Zusammenarbeit zu organisieren. In ihr liegt die einzige Sicherheit, die es gibt.
Gruß! Fritz