Beiträge von Königswasser

    Waehrend in der Inflation die Schulder gewinnen, verlieren sie in der Deflation. Umgekehrt sieht es fuer die Glaeubiger aus, sie verlieren in der Inflation und gewinnen in der Deflation. Wuerde nur Inflation vorherrschen, waeren die Schuldner immer nur Gewinner. In der Realitaet sieht es aber eher umgekehrt aus, oeffentlichen und privaten Haushalten steigen die Schulden ueber den Kopf waehrend die Glaeubiger an einem immer hoeheren Anteil der Sachwerte zum Eigentuemer werden. Erklaerbar ist das nur durch Deflation und dadurch dass der Wechsel von Inflation und Deflation die Glaeubiger der letzten Instanz letzten Endes immer bevorteilt. Wenn das kein Zufall ist ? Wenn der Staat nun hier eindeutig der Verlierer ist, stellt sich die Frage: warum laesst er sich das gefallen ? Er hat doch die Hoheit ueber alle "Spielregeln" ? Oder etwa nicht

    Die Schulden bleiben in der derzeitigen deflationären Phase vollständig erhalten, der Gläubiger (Bank) steht relativ gut da - soweit Zustimmung. In einer inflationären Phase verliert der Gläubiger aber nicht in dem Maße, wie das oft dargestellt wird. Die Mär von der Entschuldung durch (Hyper)inflation ist historisch längst widerlegt. Altschuldner bleiben durch Anpassungsklauseln in der Kreditfalle, nur Neuschuldner können dann profitieren.

    Sieht mir fast so aus, als werden die Verluste mit Goldverkäufen wieder ausgebügelt ? Oder gibt es eine andere sinnvollere Erklärung für dieses Muster ?

    Ich sehe das ähnlich wie auratico weiter oben. Es sieht so aus, dass große Investoren ihre Goldpositionen abbauen und in gut verzinste und zudem staatlich garantierte Unternehmensanleihen gehen. Siehe Commerzbank und HSH. Im akuten Defla-Szenario kann man das auch nicht gerade als dumm bezeichnen.

    Im Fractional Reserve Banking sind die Banken in letzter Instanz die Glaeubiger allen Geldes. Diese werden sich Ihre Vermoegen nicht durch Inflation entwerten lassen.

    Tollar, eine Defla mag für die Geschäftsbanken das kleiner Übel sein (auch wenn sie dann auf Staatshilfe angewiesen sind), für die Zentralbanken und den Staat ist sie aber eindeutig das größere Übel. Dementsprechend sehen wir "monetary easing" auf Seiten der ZB's und Konjunkturprogramme der Politik, die unzweifelhaft ein Inflationsproblem in der Zukunft schaffen. Die Defla wird in eine Infla umschlagen. Bis dahin wird noch etwas Zeit ins Land gehen, aber die Infla dann sehr schnell und unvermutet zuschlagen. Soweit meine Glaskugel. :D

    Die Leute sind vielleicht blöde, aber auch sicher nicht so blöde das sie Produkte Kaufen würden, die nach einem 3%igen Rabatt noch genau so viel kosten würden wie vor dem Rabatt! Das ist doch absolut unlogisch!

    Deshalb würde die Industrie zunächst nur 1-2% auf ihre Produkte aufschlagen, um den Stimulus mitzunehmen. Danach folgen Preisanpassungen auf das frühere Preisniveau, das der Verbraucher gewohnt ist. Einzig harter Wettbewerbsdruck - nicht aber staatlicher Verzicht auf Einnahmen - führen zu sinkenden Preisen. Eine MwSt-Senkung allein löst keinen Preisverfall aus.

    Nur eine theoretsiche Vorstellung, die in der Realitaet eben nicht existiert. Der Mann weiss sicher, was man tun muss, aber als intelligenter Mann er weiss bestimmt auch, was er tun darf.

    Mir sind keine glaubwürdigen Informationen bekannt, wonach Bernanke als gesteuerte Marionette einer allmächtigen Finanzelite agiert. Nur Wahnsinnige würden eine Deflation gezielt einleiten. Denn sie wären selbst vom Substanzverfall betroffen. Deflation is fatal - wieder erinnere ich dich an deine Signatur. ;)
    Nein, Bernanke ist niemandem verpflichtet. Er handelt aus eigenem Antrieb. Und er will obsiegen.

    LOL, klar würde die Senkung von 19 auf 16 % beim Verbraucher ankommen.

    ROFL, woher nimmst du denn diesen Optimismus? Der Effekt ist bisher doch noch jedesmal vollständig verpufft. Deshalb ist MwSt-Senkung ein absolutes Tabu in der Finanzpolitik. Verzichtet der Staat auf seinen Obulus, nimmt ihn sich der Unternehmer. Wäre höchstens als Rettungpaket für die Realwirtschaft salonfähig, der Verbraucher geht da leer aus.

    Irgendwie klingt das so: Wie wild reflationieren um dann die Inflation zu bekaempfen um dann wieder zu reflationieren usw. immer haarscharf an der Deflation vorbei. Wenn Ben das kann, haetten wir keine Phasen der Inflation und Deflation mehr, aber will der seine Eigentuemer etwa arm machen ? Ich glaube ihm kein Wort, der Notenbanker ist fuer mich nur ein Propaganda-Minister des Fractional-Reserve-Systems.

    Blenden wir mal die Hintermänner der Fed aus und stellen wir uns einen Mann vor, der weitgehend unabhängig agieren kann:
    Bernanke sieht sich vor einer Herausforderung wie 1929. Auf diesem Gebiet wähnt er sich als Kenner, denn über die Great Depression hat er promoviert. Er glaubt erkannt zu haben, welche Fehler damals gemacht wurden, die dann zur Weltwirtschaftskrise führten. Man hat damals Skrupel hinsichtlich des Einsatzes monetärer Instrumente gehabt, die er heute nicht hat. Er glaubt, mit einer Politik des "quantitative easing" der deflationären Depression entkommen zu können und setzt vermutlich darauf, die kommende Infla dann über eine Zinspolitik alá Volcker in den Griff zu kriegen. Wie soll das gehen? Weiss der eigentlich, wie hoch die Zinsen laufen müssen, um das wieder rauszunehmen, was er (und vor allem Greenspan) reingeschossen hat? Zinsen in Höhe von 12% und mehr werden ALLES zunichte machen, was er dann mit seinem leichten Geld erreicht haben wird. Er wird scheitern. Nicht an der Deflation, aber an dem was danach kommt.

    @Koenigswasser: Die FED hat Sorgen, die vielleicht in 2..3 Jahren auf den Plan kommen. Akutes Problem ist erst mal die Reflationierung auf 2006-Level .

    Ich bin wie der Autor des o.g. Blogbeitrags der Meinung, dass sich die Fed in Sachen Inflation - zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt - keinerlei Sorgen macht. Inflation is manageable - Bernanke will das beweisen. Angesichts der historischen Dimension dieser Krise ist dies ein Experiment mit höchst ungewissem Ausgang.
    Wie kann man auf ein Level reflationieren? Er muß MIT ALLEN MITTELN UND AUF TEUFEL KOMM RAUS reflationieren, um eine deflationäre Abwärtsspirale zu verhindern. Inflate or die. Um die Inflation kümmern wir uns dann später ...

    Bernanke's game plan is becoming more apparent. Based on a reading of his papers and his public statements, here is a distilled view of what we think is his game plan.


    1. Grow the money supply quickly and abundantly
    2. Stabilize the Banking System to avoid destructive banking failures
    3. Do not withdraw the monetary stimulus prematurely to fight inflation.
    4. Manage 'confidence' aggressively to dampen the expectation of inflation later, and a panic liquidation now.


    Each of these legs of his policy is a reaction to lessons he believes the Fed learned from the Great Depression.
    As you consider the specific things he is doing, it is likely that they will fit very nicely into this framework.
    He is obviously fighting the 'last war,' the last great battle that the Fed is known to have waged, and lost. For it did lose, as there was no lasting recovery until the world suffered through the Second World War.
    Whether he will be successful or not remains to be seen. It is important to bear in mind that the Fed is absolutely confident that they know how to stop inflation once it gets started, even if it becomes rather serious.
    The over-arching theme is that this is an emergency, and so long term niceties like moral hazard and systemic reform will be left for later: the ends justify the means.
    William Poole says that this is a dangerous approach, because longer term consequences like inflation appear with a one to two year lag after a significant monetary stimulus such as we have just seen.
    The timing of the Fed's dampening of inflation will be critical, and perhaps constrained by the real economy. How can the Fed tighten sufficiently if the real economy remains sluggish?
    Bernanke is determined to err on the side of too much stimulus, given the trauma of the Fed's experience in the Great Depression. Coupled with the Fed's confidence in their ability to stop any monetary inflation, this raises a higher level of probability in the most likely outcome of the Fed's latest and greatest monetary experiment.
    We cannot help but wonder what he thinks the Fed will be doing this time that will be different than 2003-2007 when they reflated the financial system after a market crash the last time without meaningful reforms, resulting in the stock market and housing bubbles.


    Whatever happens, it will certainly provide the raw material for economic papers yet unwritten.
    (Jesse's Café Américain)

    Der gute Ambose mit einer schönen Zusammenfassung der Situation am Bondsmarkt:


    The bond bubble is an accident waiting to happen

    Zitat

    The Fed's "Monetary Multiplier" has collapsed, falling below 1. This is unthinkable. We are in a liquidity trap.

    Liquiditätsfalle: Dollars die die Fed erschafft, steigern die Geldmenge nicht mehr in dem Maße, wie das sein sollte. Die Banken horten Liquidität.
    (s.a. Bernankes kleiner Multiplikatoreffekt )

    Zitat

    My tentative guess is that Bernanke's blitz will "work" – perhaps later this year. Markets will start to look beyond deflation. They will remember that the Fed is boosting its balance sheet from $800bn to $3,000bn, and that it sits on an overhang of bonds that must be sold again. "The euthanasia of the rentier" will wear off, to borrow from Keynes. That is when the next crisis begins.

    Die "sanfte Euthanasie des Rentiers", wie sie Keynes vorschlug, könnte demnächst auch die Halter vermeintlich sicherer Staatsanleihen ereilen. Platzt die Bond-Bubble und kommt dann die Gold-Bubble als ultimativ letzte Blase?

    Welche weiteren indirekten Möglichkeiten hat der Bund noch zur Schuldenaufnahme?

    Da wäre vor allem Budgetausgliederung als Sondervermögen zu nennen, praktiziert z.B. beim Fonds Deutsche Einheit, Teuhandanstalt, Erblasttilgungsfonds oder - jüngstes Beispiel - der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). Der Begriff "Sondervermögen" ist irreführend, meist handelt es sich um "Sonderschulden", denn tatsächlich bringt der Staat gerne Lasten mit erheblichem Risiko für den Haushalt in solchem Sondervermögen ein. Die benötigten Kreditmittel des Sondervermögens muss der Finanzminister nicht als Staatsschulden bilanzieren, Schuldner ist die ausgegliederte Einheit (Fonds/Sondervermögen) selbst. Man spricht hier auch von verdeckter Staatsverschuldung.

    Deshalb springt der Staat ein und macht riesige neue Schulden und bringt wieder Geld in Umlauf (Konjunkturprogramme).
    Das Geld kommt hauptsächlich von den Banken.

    Missverständlich. Weder die Geschäftsbanken noch die EZB schöpfen Geld für den Staat. Das machen ausschließlich die nationalen Notenbanken, hier also die BuBa. Dazu muss der Staat Anleihen (=notenbankfähige Schuldverschreibungen) emittieren. Finden sich dafür Abnehmer bei den Auktionen des Bundes, dann reicht die Finanzagentur diese Schuldverschreibungen an die BuBa weiter, die diese als Aktiva in die Bilanz nimmt und auf der Passivseite "entsteht" Geld. Dieser Prozess des "Gelddruckens" funktioniert allerdings nur solange, wie die Anleihen begehrt sind. Wie man an den jüngsten Auktionen des Bundes sehen kann, bekommen in einem deflationären Umfeld auch Staaten mit höchster Bonität zunehmend Probleme mit dieser Art von Schuldenaufnahme. Es ist also nur theoretisch ein unerschöpfliches Mittel. Der Bund hat aber noch weitere (indirekte) Möglichkeiten zur Aufnahme von Schulden.

    Früher oder später schlüpft Joe untern Schirm.

    Klar tut er das - die Frage ist nur, ob er es wegen dem Eigenkapital muss oder nicht. Man darf gespannt sein, wie Joe die Verluste in Höhe von rund 2 Mrd. Euro allein für die 30%-Beteiligung an der Postbank unterbringt. Bilanzierungswunder darf man von der DeuBa jederzeit erwarten.
    Die Derivate in den Bilanzen bleiben solange eine Zeitbombe, wie die Gefahr des Zusammenbruchs eines anderen großen Spielers in diesem Geschäft nicht gebannt ist. Vermutlich hätte bei einer Insolvenz der Commerz hier schon erhebliches Risiko für die DeuBa bestanden. Aber so genau weiss das niemand.