Beiträge von Königswasser

    Eichelburg unterschätzt m.E. die politischen Möglichkeiten zur Bewältigung von Staatsbankrotten und Währungskrisen (Schuldenerlasse, Stützungskäufe etc.). Er unterschätzt ferner die irreversiblen Effekte der Globalisierung. Sie zwingt alle Staaten zur Kooperation untereinander und mit dem Weltschuldner USA. Es ist noch nicht klar, zu welchen Zugeständnissen die Gläubiger den Schuldner zwingen werden können, aber eines ist sicher: man wird die USA in ihrer Funktion als bedeutenden globalen Absatzmarkt erhalten und respektieren müssen.

    Ich denke, die unmittelbare Deflation ist ein nicht kontrollierbares oder beherrschbares Problem.

    Ich glaube, Bernanke sieht das anders. Er muss die Defla bekämpfen. Es ist sein politischer Auftrag. Eine Defla schadet der politischen Klasse und fördert Extremismus. Deshalb können Demokratien keine Defla zulassen. Die fatale Konsequenz der Logik: Inflate or die.

    Aber die Deflationisten haben hier nach m.M. Oberwasser, weil sie mit der klassischen Inflationsdefinition (Inflation der Geldmenge) den eindeutigen Trend zur Deflation feststellen.

    Alle Zeichen deuten in Richtung Deflation, keine Frage. Deshalb unternimmt die Fed alles, um gegenzusteuern und greift - nachdem qualitative Maßnahmen (Zins) weitgehend wirkungslos verpufft sind - zu ungewöhnlich agressiven Mitteln ("quantitative easing" = Heli-Geld). Damit handelt sie sich schon auf mittlere Sicht ein sehr schwierig zu kontrollierendes Problem ein. Wie nimmt man die eingeschossene Quantität nach der möglicherweise erfolgreichen Abwendung der Defla wieder aus dem System, ohne den dann zaghaften Aufschwung und Optimismus zu gefährden? Das geht nur sehr behutsam und die Gefahr ist groß, dass die dann reichlich vorhandene Liquidität zu einer starken Inflation an den Rohstoffmärkten bzw. einer erzwungenen massiven Abwertung des Dollar führt.

    Inflation und Deflation gleichzeitig geht einfach nicht.

    Wenn man Infla bzw. Defla als übergeordneten ökonomischen Zyklus versteht, hast du sicherlich recht. Nun gibt es aber Leute, die von Asset-Deflation bei gleichzeitiger Geldmengen- oder Wasweissich-Inflation reden, damit aber eigentlich rezessive bzw. inflatorische Entwicklungen in wirtschaftlichen Teilbereichen meinen. Da kann man dann schön aneinander vorbeireden.

    Wir sehen eine Suckers-Rally - nochmal eine gute Gelegenheit auszusteigen und mit blauem Auge davonzukommen. Der Baerenmarkt wird m.E. nicht vor 2011 zu Ende sein.

    Na ja, nach zwei Tagen up im Dow von einer Sucker's Rally zu reden ist etwas verwegen. Aber aller Erfahrung nach kommt eine solche, wenn die Verzweiflung an den Märkten am größten ist. Die große Depression liegt aber noch vor uns - und damit auch die Stunde der Sucker. :D
    Und ja: dieser Bärmarkt wird historisch sein.

    Die 25% haben wir schon laengst erreicht. Allein in 2008 fielen die Preise um 19% im US-Durchschnitt. In einigen Regionen sind wir schon 50% vom ATH, wie in der SF Bay Area oder Suedkalifornien. Der Preisverfall hat sich dabei in den letzten Monaten noch beschleunigt. Ich denke aber, die groesste Geschwindigeit des Preisverfalls ist jetzt erreicht, die Preise werden in Zukunft langsamer fallen. Im Presiverfall sind wir jetzt ca. auf Halbzeit, also noch mindestens 2 Jahre bis zur Bodenbildung.

    Hi Tollar,
    ich meinte nicht 25% relativen Rückgang, sondern ein absolutes Niveau in Höhe von 25% vom ATH. Ein Haus bewertet mit $1,000,000 im Juli 2007 kann im Preis also bis auf $250,000 und darunter sinken! Die 50% relativen Rückgang in CA kann ich bestätigen. Der Abschwung bei den Immopreisen dürfte sich erst nach dem ersten Quartal 2009 beruhigen. Die Zeitschiene bis zur Bodenbildung sehe ich ähnlich wie du.

    In Deutschland haben wir solch eine Entwicklung absolut nicht gehabt.

    Völlig richtig, Lupus. Dennoch werden wir auch in D in diesem Jahr absolut sinkende Immopreise sehen, allerdings in sehr viel moderaterem Ausmaß als in USA. Die dortige Immo-Bubble wird weiter ungebremst zusammenfallen. Ein Rückgang der Häuserpreise auf im Schnitt nur noch 25% vom ATH ist nicht unrealistisch. Da die Amerikaner Konsum und Altervorsorge vorrangig über ihre Immobilien (Wertzuwachs!) finanzieren, ist absehbar, was weiter fallende Immopreise im Einzelhandel und am Aktien- und Bondsmarkt anrichten werden.

    Goldregen
    Die "Kommersant"-Aktion richtet sich gegen die Informationspolitik der russischen Regierung. Deswegen wird in der Ausgabe auch auf ein Gesetz hingewiesen, das die öffentliche Bekanntmachung von Unternehmensinsolvenzen vorschreibt. Die Regierung Medwedew hat die Presse wiederholt beschuldigt, mit ihren redaktionell kritischen Berichten teilverantwortlich zu sein für die Krise.
    Die Wahrheit sieht anders aus: die russischen Oligarchen haben jahrelang massiv auf Kredit expandiert, Verdreifachung der Schulden innert 3 Jahren, 78 Mrd. USD akuter (Neu-)Kreditbedarf, aber keine Kreditgeber. Das ist auch der Grund, warum hier die Insolvenzia besonders früh und grausam wütet. Im Endeffekt will Putin die Krise nutzen, um die wichtigsten Unternehmen wieder zu verstaatlichen. Dafür aber muss die weitere Entwicklung dem Volke als "schicksalhaft und unvorhersehbar" erscheinen, damit der Staat schlußendlich als "Retter in der Not" in Aktion treten kann.
    Der Preisverfall im Rohstoffmarkt trifft Russland - im Unterschied zu D und USA - mitten ins Herz: Russland droht Haushaltsdefizit in Milliardenhöhe

    Gold (22 Uhr, WDR)
    Der nicht ganz geglückte Versuch des Bond-Regisseurs Peter Hunt, mit dem damals neuen Bond-Darsteller Roger Moore einen Abenteuerfilm mit politischen Untertönen zu drehen. Als Schichtführer einer Goldmine in Südafrika deckt Moore den Plan von Spekulanten auf, eine Mine fluten zu wollen, um den Goldpreis in die Höhe zu treiben. Da haben sie die Rechnung ohne den Moore gemacht ...
    Obwohl es weitaus perfidere Methoden gibt, eine Mine absaufen zu lassen, ist hier dennoch spannende Unterhaltung garantiert.

    möchte auch ich euch alles Gute für die Weihnachtsfeiertage wünschen. Ein spezieller Dank geht an Edel Man, der das Forum in diesem Jahr durch eine schwierige Phase geführt hat. Seine besonnene, unaufgeregte Art sowie seine vielen sachkundigen Beiträge hier und an anderer Stelle haben den Auszug der Eldo-Jünger (fast ;) ) vergessen lassen. Danke für deinen unermüdlichen Einsatz!


    Hi Supergold,
    das Szenario einer Hyperinfla auf kurze Sicht ist eher unwahrscheinlich. Darauf kann man nur setzen, wenn man den Akteuren Vorsatz unterstellt (Entschuldung durch Geldentwertung etc.). Zur Zeit beobachten wir Asset-Defla bei gleichzeitigem Anheizen der Infla über Rettungspakete für die Realwirtschaft. Die ZB's setzen wohl eher darauf, dass sie die möglichen Effekte ihrer beispiellos lockeren Geldpolitik über die Zinsen kontrollieren können. Eine klassische Hyperinfla "passiert" nicht einfach (im Unterschied zur Defla) - es gibt vorher eindeutige Warnzeichen. Oder wie sagt es dottore aus dem DGF: "Die Defla kommt zackig um die Ecke und die Infla stinkt schon 10 Meilen gegen den Wind."


    Frohes Fest,
    kw

    Zitat

    ich habe ein grosses herz - auch für dollars!
    ich nehme auch ganze rettungspakete an!

    Hi Lis'chen,
    wo du so ein großes Herz hast - Verstand hast du ja sowieso - geh hin und bereichere dieses Forum des öfteren mit deinen Beiträgen. Ein Rettungspaket brauchst du doch gar nicht. Dein Gewerbe gilt immerhin als einigermaßen krisenfest, oder wie stehen die Aktien? :rolleyes:
    Gruß,
    kw

    Fekete erläutert seine Gedanken zu Gold und Backwardation.


    Backward Thinking on Backwardation


    Ultra-Kurzfassung:
    Die bis zum 16.12. zu beobachtende BW sei ein Signal dafür, dass immer mehr Gold in die privaten Hände geht. Er sieht primär keine Krise der Comex, sondern eine Krise des monetären Systems, in der versucht wird, die sich auftürmenden Schulden mit uneinlösbaren Versprechen der ZBs zu reduzieren. Dies sei eine Krise der Mainstream-Ökonomie, die in 1971 den Sündenfall schuf, Gold als den ultimativen Zerstörer von Schulden aus dem monetären System zu verbannen.
    Keine umwerfenden Erkenntnisse - zumindest für Leser von Ferdinand Lips. [smilie_denk]