Beiträge von Königswasser

    Eilmeldung auf FTD:


    Lehman Brothers wirft Vorstände raus
    Die US-Bank Lehman Brothers zieht angesichts der Finanzkrise personelle Konsequenzen: Das Unternehmen teilte mit, dass sowohl der Finanzvorstand als auch der für das Tagesgeschäft zuständige COO ersetzt werden.

    Andererseits werden aber die Kreditvergaben durch die Zentralbanken zur Dauereinrichtung, die den Banken gar nicht lange genug dauern kann, denn sie selbst verlangen ja von den Kreditnehmern inzwischen ungleich mehr, als sie für ihr billiges inflationstreibendes Zentralbankgeld bezahlen, ganz zu schweigen von den Phantasiebewertungen der hinterlegten Sicherheiten à la CDS, ABS und ähnlichen Kram.

    Danke auratico, für die sehr treffende Zusammenfassung dessen, was sich derzeit im Interbankengeschäft abspielt!

    Allerdings sind da noch ein paar Fragen offen...
    wird der "$62 [US-]trillion market" rückabgewickelt und alles über das neue Clearinghouse geschickt oder nur eine beliebige Auswahl der Handelspartner oder wird das Clearinghouse nur für zukünftige Aktivitäten genützt?
    Und bis wann soll es soweit sein ("...and we expect to make meaningful progress over the next six months'')?

    Genaueres wird wohl erst durchsickern, wenn das Ding Gestalt annimmt, also in etwa einem halben Jahr.


    Ich poste hier mal den Kommentar von Jim Sinclair:
    Clearly the members cannot guarantee the trillions of dollar in guarantees that all the credit default derivatives represent. The to-be members of the fantasy clearing house are already at the Fed begging bowl window because of the need for capital. The only entity that can handle the risk of this fantasy clearing house is the US Federal Reserve as they can print the capital required, making this a Begging Bowl Clearing Account, not a clearing house.



    Die 17 beteiligten Investmenthäuser wären völlig überfordert mit den Summen, die dort im Raume stehen, zumal sie bereits jetzt über das Liquiditätsfenster des Fed künstlich am Leben gehalten werden. Die Risiken können wenn überhaupt nur durch das Fed begrenzt werden, da die das benötigte Kapital notfalls schlicht drucken kann. Eine reine Alimentierungsveranstaltung also, bei der die Fed mit 17 Bettlern an einem Tisch sitzt.

    Who we are: Information on the first independent clearinghouse for futures markets in the United States.

    Unabhängig macht sich doch immer gut ;) .
    Das Fed spendiert dem 'clearinghouse' wahrscheinlich eine "super-size toilet", wo der ganze faule Dreck weggespült wird. Aus dem Papierspender kommen dann schöne saubere Staatsanleihen.


    Tengu
    es geht um 62 Billionen (nicht Billiarden).


    auratico
    Mit deiner Vermutung hinsichtlich des psychologischen Effekts könntest du richtig liegen. Für das Fed ist die Welt erst dann wieder in Ordnung, wenn die Risikobereitschaft wieder zurückkehrt.

    Fed, Banks Agree Default-Swap Changes to Reduce Risk


    Regulators and banks agreed to changes aimed at easing the risk of a collapse in the $62 trillion market for credit-default swaps. Morgan Stanley, Deutsche Bank AG and Goldman Sachs Group Inc. are among the 17 banks creating a system to move trades through a clearinghouse that would absorb a failure by one of the market-makers, the Federal Reserve Bank of New York said yesterday in a statement following a meeting with the firms.


    Sieht so aus, als ob die Fed den gesamten CDS-Markt unter ihre Fittiche nimmt.

    2,8 Mrd. statt der erwarteten 1 Mrd. Verlust. Kennt man ja schon.


    Jim Sinclair’s Commentary
    No problem. All this means is a call to the Fed and the gapping financial hole will be filled. All you have to do is deliver all your junk to the Fed.


    Weitere Abschreibungen voraus.

    Gegenfrage: Lohnen sich höhere Löhne bei der kalten Progression? Das schlimme an unserem Steuersystem ist doch, dass das meiste beim gefräsigen gevatter Staat wieder aufschlägt.

    Das kommt auf deinen Steuersatz drauf an. Aber Zustimmung: Das Steuersystem ist mittlerweile der größte Feind der Gewerkschaften. Nicht mehr reformierbar und es führt geradewegs in die Verarmung breiter Schichten.

    Sorry, ich habe mich wohl falsch ausgedrückt: die sprunghaft angestiegenen Gewinne SIND die Zweitrundeneffekte.

    Ich nenne das die "systemische Inflation", die einer wachstumsorientierten Ökonomie zwangsläufig innewohnt. Und die zwangsläufig irgendwann einen parabolischen Verlauf nimmt.

    hättest Du was anderes erwartet?

    Ja, hätte ich. Aber kann ja noch kommen, wenn die Leute den nächsten Winter über frieren müssen, weil sie sich die Energiekosten nicht mehr leisten können...

    Es gibt sowas wie eine "Gewinn-Inflation", ersichtlich aus der Gewinnquote am BIP. Diese betrug in 2002 rund 7%, heute steht sie bei rund 13%, also fast doppelt so hoch. Woher das wohl kommt?

    Diese Gewinn-Inflation wird vom Bürger ja doch auch wahrgenommen (Managergehälter-Diskussion, Reichen-Debatte) und auf die eigene Situation reflektiert. Das müsste in Verbindung mit dem gefühlten Kaufkraftverlust durch Inflation eigentlich "echte" Zweitrundeneffekte befeuern. Bisher verhalten die Gewerkschaften sich allerdings noch sehr gemäßigt, was mich, ehrlich gesagt, zunehmend irritiert. Zur Zeit wird ausschließlich nach dem Staat gerufen (Benzinsteuer runter, etc.). Wollen die Leute keine höheren Löhne mehr?

    Pauli
    Unter Kommentatoren und Marktbeobachtern wird mehrheitlich eine Stagflation für das wahrscheinlichste Szenario der kommenden Jahre gehalten. Was die Masse denkt, wissen wir nicht - aber vermutlich könnten dir nur wenige erklären, was Stagflation für die Wirtschaft bedeutet.


    Ich will den ZEIT-Beitrag auch gar nicht groß verteidigen. 'Es geht ja um den Vergleich zu den 70er Jahren und der Autor zieht einen Systemkollaps sowieso nicht in Betracht. Brauchen wir nicht weiter zu diskutieren. Genauso wenig, wie die Gesinnungsfrage, die du notorisch in allen deinen Postings stellst. Gepostet habe ich den Link wegen dieser Passage, die mir ganz interessant erscheint:


    Heute machen in den USA der billige Dollar das Öl und andere Importprodukte besonders teuer. Dennoch erwarten die Verbraucher laut Umfragen, dass die Preise in den kommenden fünf bis zehn Jahren im Schnitt nur um drei Prozent steigen werden. Sie rechnen also mit einer höheren Inflation, aber nicht mit einer unkontrollierten oder gar unkontrollierbaren. Im Euroland geht erst recht niemand von einer enthemmten Teuerung aus, zumal die Zentralbank bei jeder Gelegenheit ankündigt, notfalls mit Zinserhöhungen dazwischenzuhauen. »Das Stag haben wir noch nicht im Griff«, bekräftigt ein europäischer Notenbanker, »aber Sie können sicher sein, dass wir flation nicht zulassen.«


    Hier geht es um die eminent wichtige Inflationserwartung, die für die Zentralbanken der Schlüssel für ihre Geldpolitik ist. Die tatsächliche Inflation ist für die Notenbanker nämlich eher von untergeordneter Bedeutung, nicht aber das, was die Mehrheit für die Zukunft erwartet. Und das ist dann vielleicht mal etwas, über das man diskutieren könnte.