Am kommenden Donnerstag lädt die Securities Industry and Financial Markets Association, kurz Sifma, zum großen "Dark Pools Symposium". Doch auf Anfrage teilte der Interessenverband der Investmentbanken nur lapidar mit, dass Presse nicht erwünscht sei.
In den vergangenen Jahren war es kein Problem, als Journalist an den Tagungen der Sifma teilzunehmen. Bei dem Symposium diesmal geht es um High Frequency Trading (HFT), Regulierung und eben um Dark Pools. Jüngsten Statistiken zufolge, machen die über Großrechner gesteuerten HFTs bereits über 50 Prozent des US-Aktiengeschäfts aus. "Es geht doch gar nicht mehr um News", wetterte diese Woche ein Händler. "Wir haben hier doch kaum noch Volumen. Diese Algorithmen machen doch bereits eher rund 70 Prozent des Handels aus."
Die Computerprogramme versuchen, in Millisekunden bestimmte Kauf- und Verkaufsstrategien der Marktteilnehmer zu ermitteln und setzen dann in Sekundenbruchteilen dagegen. "Das geht blitzschnell. Wie beim Pingpong - peng, peng, peng," erzählt ein anderer traditioneller Broker auf dem Parkett. "Das ist schon brillant, und die Spieler verdienen gigantisch", gerät der Händler fast schon ins Schwärmen. Und die Dark Pools - dahinter verbergen sich unregulierte und unkontrollierte Handelsplätze, etwa zwischen den Banken - versuchen in völliger Anonymität, die HFTs auszuhebeln. "Ach, letztendlich spielen doch Firmen wie Goldman Sachs auf allen Seiten mit und verdienen damit prächtig", so der Broker.
Ob Washington endlich auf den Plan tritt und diese Geschäfte reguliert, darum geht es jetzt bei dem anstehenden Sifma-Termin. Für einen Moment stehen die Trader auf dem Parkett und die Regulierer in Washington auf derselben Seite. "So wie wir an der Börse wird doch kaum jemand kontrolliert und reguliert. Das ist Wettbewerbsverzerrung", lautet die Klage auf dem Floor. Doch allzu groß ist die Hoffnung, daran könnte sich etwas ändern, nicht. Washington sei doch wie Moskau in den 80ern, sagt Igor, der vor etwa 20 Jahren aus der damaligen Sowjetunion in die USA übersiedelte und dann an die Wall Street kam: Um ein Problem zu lösen, wird ein neues kreiert.