Es geht aufwärts, der GEC ist ausgeblieben.
Die US-Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal stabilisiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um ein Prozent und damit deutlich langsamer als zuvor. Das Minus in den ersten drei Monaten des Jahres wurde von 5,5 auf 6,4 Prozent revidiert. Volkswirte hatten für das zweite Vierteljahr einen Rückgang um 1,5 Prozent erwartet. Die Märkte reagierten sehr verunsichert auf die aktuellen Zahlen. An den Aktienmärkten in Europa ging es zunächst für wenige Sekunden steil nach oben, dann rutschten die Indizes deutlich ins Minus. Der Euro gab nach anfänglichen Gewinnen gegenüber dem Dollar nach auf zuletzt 1,4109 $. Seit Dezember 2007 befinden sich die Vereinigten Staaten in der Rezession. Das BIP ist nun zum vierten Mal in Folge zurückgegangen. Das ist die längste Periode rückläufiger Wirtschaftstätigkeit seit Beginn der Datenaufzeichnung 1947. Wie heftig die Rezession die USA beutelt, zeigt sich auch in weiteren Korrekturen: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung vom vierten Quartal 2007 zu den letzten drei Monaten des Jahres 2008 wird nun mit 1,9 Prozent angegeben. Zuvor waren die Behörden von einem Minus von 0,8 Prozent ausgegangen. Am stärksten fiel die Korrektur für das dritte Quartal 2008 aus: Das Minus liegt hier jetzt bei 2,7 Prozent, nach zuvor 0,5 Prozent. Die Konsumausgaben, die fast 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, gingen im vierten Quartal 2008 im Jahresvergleich um 1,8 Prozent statt wie bisher angegeben um 1,5 Prozent zurück.
Investitionen stabilisieren sich
Inzwischen mehren sich allerdings die Anzeichen, dass es wieder aufwärts geht. Geringere Bestände an Industrieerzeugnissen und unverkauften Häusern führen dazu, dass Produktion und Preise ihre Abwärtsbewegung stoppen. In den 20 größten Metropolen der USA beispielsweise gingen die Immobilienpreise im Mai laut dem diese Woche veröffentlichten S&P/Case-Shiller-Index saisonbereinigt nur um 0,2 Prozent gegenüber April zurück. "Das ist ein grundlegender Wandel. Die Hauspreise haben so langsam den Tiefpunkt erreicht", sagte Daiwa-Volkswirt Michael Moran.
Die neuen BIP-Zahlen bestärken die US-Notenbank in ihrer Einschätzung. In dem am Mittwochabend veröffentlichten Konjunkturbericht Beige Book heißt es, in den meisten der zwölf Fed-Distrikte habe sich von Anfang Juni bis Juli der Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität verlangsamt oder die Aktivität sogar "auf niedrigem Niveau stabilisiert".
Das spiegelt sich beispielsweise bei den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter wider. Die Daten wurden am Mittwoch veröffentlicht. Zwar fielen sie im Juni gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent. Dafür verantwortlich waren aber Rückgänge bei schwankungsanfälligen Produktgruppen wie beispielsweise zivile Luftfahrzeuge und Rüstungsgüter. Klammert man diese Segmente aus, lag das Auftragsplus bei 1,4 Prozent nach 4,3 Prozent im Vormonat. "Hier zeichnet sich, bei aller Vorsicht, ein positiver Trend ab. Es haben sich die Hinweise verdichtet, dass zumindest der Abwärtstrend bei den Investitionen jetzt ausläuft", sagte Heinrich Bayer, Volkswirt bei der Postbank.
Trotz des geringeren BIP-Rückgangs und der optimistischen Aussagen im Beige Book warnen Volkswirte vor übertriebenem Optimismus. Die Fed sieht in ihrem Bericht keine Zeichen für kräftiges Wachstum. Der Arbeitsmarkt war aber in den meisten Regionen "extrem schwach", die Einzelhandelsgeschäfte liefen "schleppend".
Da der Konsum in den USA eine so wichtige Rolle spielt, dürfte die Erholung damit nur sehr verhalten ausfallen. Das wiederum dürfte die US-Währungshüter vorerst an ihrem lockeren Kurs festhalten lassen. Sie senkten den Zins auf das historische Tief von 0 bis 0,25 Prozent und fluteten die Wirtschaft mit Geld wie nie. Die Bilanz der Fed schwoll durch Wertpapierkäufe und Währungstauschabkommen mit anderen Notenbanken bis auf 2200 Mrd. $ an.
Quelle: FTD